Spielebeurteilung

Far Cry 2

01.12.2008
Von vielen Fans wurde die „Far Cry“-Fortsetzung sehnsüchtig erwartet. Der neue Titel ist grafisch eine Augenweide, lässt jedoch inhaltlich und spielerisch zu wünschen übrig. Aufgrund von Gewaltdarstellungen und Amoralität hat „Far Cry 2“ in den Händen Minderjähriger nichts verloren.


Es herrscht Bürgerkrieg in einem kleinen Land in Afrika. Zwei verfeindete Fraktionen, die APR und die UFLL, bekriegen sich auf das brutalste. Zivilisten haben das Land längst verlassen. Zurück geblieben sind nur ein verwüstetes Land und unzählige Kämpfer der zwei Parteien, die die Waffen für ihren Konflikt von ein und demselben Mann beziehen: Dem Schakal.

Und hier kommt nun der Spieler zum Einsatz. Als Söldner wird er in dieses namenlose Land geschickt, um dem Treiben des Schakals ein Ende zu bereiten.

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Far Cry – Ego-Shooter in der Südsee
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2 Kommentare

Matthias Reitzig (Spieleratgeber NRW) schreibt:

Pädagogische Beurteilung:
An diesem Punkt setzt die Handlung des Spiels ein. Um überhaupt an den Schakal herankommen zu kommen, muss der Spieler sich zunächst das Vertrauen der beiden verfeindeten Fraktionen verdienen. Dies funktioniert über Aufträge, die von Sabotageaktionen über Diebstahl bis hin zu Auftragsmord reichen können und zumeist direkt die gegnerische Partei zum Ziel haben. Hierbei bleibt es dem Spieler überlassen, für welche Partei er arbeitet. Auswirkungen auf die Geschichte hat diese Entscheidung nicht. Die einzelnen Aufträge ähneln sich dabei stark. In der Regel begibt man sich zu einem festgelegten Punkt auf der Karte und liefert sich dort ein heftiges Gefecht mit örtlichen Milizen, an dessen Ende man dann das jeweilige Auftragsziel erledigt – ob das nun die Sprengung eines Zuges, die Eliminierung eines Anführers oder die Besorgung von brisanten Akten ist, stets ist eine gewalthaltige Lösung notwendig. Andere Lösungswege sind kaum möglich. Theoretisch kann man zwar schleichen, um so der Entdeckung und einem daraus resultierenden Feuergefecht zu entgehen, praktisch stellt sich dieses jedoch als nahezu unmöglich dar, da die gegnerischen Soldaten einen so gut wie immer entdecken. Aufträge wie die Zerstörung von Fahrzeugen oder Attentate schließen eine friedliche oder zumindest weniger gewalthaltige Herangehensweise von Vornherein aus. Bereits dadurch wird deutlich, warum „Far Cry 2“ ein klarer Erwachsenentitel ist und nichts in der Hand von Kindern oder Jugendlichen verloren hat. Hinzu kommt, dass das Spiel mit der Gewaltdarstellung ebenfalls nicht gerade zimperlich umgeht. Getroffene Feinde fallen schreiend zu Boden und winden sich dort noch einige Zeit unter Schmerzen, bis sie schließlich sterben oder der Spieler ihnen mit seiner Machete endgültig den Gar aus macht. Eigene Verletzungen des Spielers müssen bei einer bestimmten Schwere durch Einsatz von erster Hilfe behandelt werden, was auch visuell drastisch wiedergegeben wird: Der Protagonist schält sich mit Hilfe von Messer und Zange Kugeln aus diversen Körperteilen, brennt Wundränder mittels eines Feuerzeugs aus oder renkt sich verschobene Glieder ruckartig wieder ein. All dies ist vielleicht der Thematik eines schmutzigen Bürgerkrieges angemessen, ist jedoch definitiv nichts für die Augen minderjähriger Spieler.

Hinzu kommt die Amoralität der Handlung. Auch wenn das Ziel, einen Waffenhändler zu töten, der an einem Krieg verdient, in Ansätzen vielleicht noch nachvollziehbar ist, so ist die Herangehensweise des Spiels an dieses Thema das ganz sicher nicht. Der Hauptcharakter ist kein sympathischer Held, sondern ein Söldner; jemand, der mit Töten sein Geld verdient. Und dies wird im Spiel auch ganz schnell deutlich: Jeder erledigte Auftrag bringt Geld in Form von Rohdiamanten, die wiederum in neue Waffen oder ähnliches investiert werden müssen. Das Spiel lässt dem Spieler also keine Wahl; will er Erfolg haben, dann muss er auch die vielen kleinen schmutzigen Jobs erfüllen, die ihm angeboten werden, denn nur so kann er sich die Ausrüstung leisten, die er für das Absolvieren der Hauptmission benötigt.

Spielerisch gibt sich „Far Cry 2“ wie eine Mischung aus einem Ego-Shooter und GTA 4. Der Spieler erhält eine Mission und muss sich zunächst zum Auftragsort begeben. Dazu stehen ihm verschiedene Fahrzeuge, wie Jeeps, Landrovers und andere Autos, aber auch verschiedene Bootstypen und sogar ab und an ein Paraglider zur Verfügung. Am Ort des Geschehens angekommen besteht die Erfüllung einer Mission meist in einem heftigen Gefecht und eventuell noch der Rückreise, um dem jeweiligen Auftraggeber vom Erfolg zu berichten. Leider ähneln sich die Missionen stark. Nicht nur sind die Ziele in der Regel, wie oben bereits beschrieben, nur durch Gewalt zu erreichen, insbesondere das Erreichen des Ortes einer Mission ist mitunter sehr nervig. Immer wieder muss man quer über die 50 qkm große Landschaft brettern, um überhaupt mit einer Mission anfangen zu können. Dass man hierbei in ständige Schießereien mit verfeindeten Milizen gerät, egal, ob man dieselbe Strecke fünf Minuten zuvor bereits von allen Gegnern gesäubert hatte, ist ebenfalls mehr als anstrengend.

Zu erwähnen sind auch noch die Kameraden, die man im Laufe des Spiels gewinnt. Auch andere Söldner unterschiedlichster Nationalität versuchen in diesem kleinen Land ihr Glück zu machen, und mit manchen kann man sich auch anfreunden. Der Spieler erhält von diesen jedoch nicht nur Nebenmissionen, die Kameraden bieten auch eigene Herangehensweisen an die Hauptmissionen an. Folgt man ihrem Rat, so werden die Missionen zwar meist schwieriger und komplexer, die Belohnung fällt jedoch auch höher aus. Ab und an gilt es auch, einen der Kumpel aus einer brenzligen Situation herauszuholen und eventuell erste Hilfe zu leisten, da er sonst sterben würde. Und sollte er das tun, so ist er nicht, wie in anderen Spielen, nach einiger Zeit wieder verfügbar, sondern tatsächlich für den Rest des Spiels gestorben. Große Auswirkungen hat dies jedoch nicht; es findet sich schnell genug ein Ersatz für ihn auf dem Söldnermarkt des Landes.

Grafisch gehört „Far Cry 2“ zum Besten, was momentan auf dem Spielemarkt zu haben ist. Die afrikanische Landschaft, ob Steppe, Dschungel oder Wüstengegenden, ist fantastisch animiert. Bäume und Sträucher wiegen sich im Wind, Flüsse schlängeln sich malerisch durch Hügelketten und ab und an läuft auch mal ein Zebra oder Gnu über den Bildschirm. Das Szenario wirkt insgesamt sehr lebensecht, auch die zusammengezimmerten Hütten, die hier und da in der Gegend herumstehen passen da perfekt ins Bild. Auch die Interaktionen mit der Umgebung sind eindrucksvoll inszeniert. Hütten und Autos zerbersten bei Beschuss in gewaltigen Explosionen und Feuer breitet sich, je nach Windrichtung, zusehends in der Landschaft aus. Dem Auge des Betrachters wird hier einiges geboten.

Fazit:
„Far Cry 2“ bietet viel Stoff zur Diskussion. Ein Spiel in einem von einem Bürgerkrieg zerrissenen afrikanischen Land anzusiedeln, ist eine schwierige Sache. Afrika ist als Krisenherd in den Nachrichten so präsent, das dem Spiel ein unangenehmer Beigeschmack bleibt. Das Szenario ist zu realistisch, um als bloßer fiktiver Hintergrund gelten zu können. Hier hätten dem Spiel etwas mehr politische Aspekte gut getan; etwa Hintergrundinformationen zu den verfeindeten Parteien und ihren Motivationen. Ein dermaßen reales Szenario einfach nur als Rahmen für ein Spiel zu benutzen, erscheint etwas zynisch.
Hinzu kommt die Amoralität der Hauptperson. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Söldners, der für Geld alles tut und dabei jegliche Opposition tötet. Andere Handlungswege werden nicht geboten. Für erwachsene Spieler mit Sinn zur Differenz mag dies auch in Ordnung gehen, Kinder und Jugendliche sind von diesem Spiel jedoch unter allen Umständen fernzuhalten.

28.11.2008 um 12:39
Spiele des Jahres 2008 geehrt schreibt:

[...] Deutschland keine Jugendfreigabe erhalten haben. Dies gilt auch für viele der anderen Gewinner wie Far Cry 2 oder Left 4 Dead. Deshalb eignet sich der Publikumspreis kaum als Orientierungshilfe für Eltern. [...]

27.02.2009 um 18:21


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