Spielebeurteilung

Shadow of the Colossus

17.03.2011
Das filmähnliche Action-Adventure „Shadow of the Colossus" gilt aufgrund seiner ungewöhnlich entschleunigten Spielatmosphäre als Meisterwerk für die PlayStation 2. Auf der langen Reise durch weitläufige Landschaften stellt man die Richtigkeit des eigenen Handelns in Frage.
Bereits „ICO", der ungewöhnliche Vorgänger des Spiels, erntete reichlich Lob für die sehr ruhige und schöne Geschichte des kleinen Helden, der mit einem Stock seine hübsche Begleiterin gegen dunkle Gestalten verteidigte. Auch "Shadow of the Colossus" lockt mit innovativem Gameplay und einer ruhigen und entspannenden Atmosphäre.

Über die Hintergrundgeschichte erfährt man kaum etwas. Die spärlichen Informationen reichen aber aus, um den Plot zu verstehen. Der Protagonist Wanda reitet bis ans Ende der Welt, um seine tote Freundin wieder zum Leben zu erwecken. Seine Suche führt ihn durch ein gigantisches Tal zu einem großen Tempel, wo eine große Aufgabe auf ihn wartet. Um seine Freundin zu retten, muss der Held insgesamt 16 Statuen zerstören. Diese stehen stellvertretend für im Tal herumwandernde Kolosse. Die Giganten gilt es zu finden und zur Strecke zu bringen.

Das ist alles andere als leicht. Die Spielaufgabe erfordert nicht nur viel Nachdenken, sondern auch Ausdauer. Eine Chance hat man nur dann, wenn man die Schwachpunkte jedes Kolosses findet. Dazu wartet man beispielsweise so lange, bis ein großer Koloss sein Schwert in den Boden rammt, um dann schnell dessen Arm hinaufzuklettern. Oder man klammert sich am Bart eines Riesen fest, sobald dieser sich bückt. Man kann sich so lange auf einem Koloss halten, bis einen die Kraft verlässt. Neue Energie holt man sich durch in der Landschaft verteilte Fruchtbäume und Eidechsen. Findet man schließlich die hell leuchtenden wunden Punkte am Körper eines Kolosses, erledigt man ihn mit ein paar gezielten Treffern.

Markenzeichen des Spiels sind die weiten Landschaften, die Wanda mit seinem Pferd Agro durchquert. Seine langen Reisen führen ihn durch Wüsten, Sümpfe, Schluchten und grüne Felder.

Anderes Action-Adventure

Lara Croft and the Guardian of Light
Platzhalter
Dieses Spiel wurde getestet von:

Pädagogische Beurteilung:

Die Spielenden müssen hier selbst negative Aggressionen auslösen, indem sie die Riesen angreifen. Diese ziehen einfach nur friedvoll durch die karge, aber schöne Landschaft, welche nicht vom Spielgeschehen ablenkt. Sie müssen es machen, weil sie ansonsten nicht das Spielziel (die Wiederbelebung des toten Mädchens) erreichen. Über die Verbindung des Helden zum Mädchen erfahren die Spielenden nichts. Alles, was sie wissen, ist, dass ihr Leben zum Preis der Leben der Riesen eingetauscht werden muss. Dies löst bei den Spielenden eine moralische Frage aus: Ist es richtig, dass der Held die Riesen umbringt?

Das Spiel bietet bewusst keine andere Lösungsmöglichkeit an. „Kampf an sich ist fragwürdig“ könnte die Botschaft des Spiels lauten. Die Spielfigur ist kein Superheld, sondern ein durchaus sympathischer junger Mann, der mitunter auch an Kraft verliert. Die Riesen erscheinen dank der Spielgrafik wirklich riesig und gewaltig. Um die Aufgaben zu lösen bzw. die Kolosse zu besiegen, gilt es viel auszuprobieren, die Riesen zu beobachten und zu analysieren. Das Töten passiert hier nicht so schnell wie in anderen Actionspielen, sondern ist anstrengend und dauert.

Das Spiel regt zum Nachdenken und zum Mitfühlen an. Von daher lohnt es sich über einen pädagogischen Einsatz in Schule und außerschulischer Arbeit nachzudenken. Eine Analyse des Spiels im Unterricht könnte Unterschiede zwischen dem Spiel und anderen Medien verdeutlichen. Computerspiele können Ausdrucksformen schaffen, die sich grundsätzlich von denen in Filmen oder der Literatur unterscheiden. Computerspiele erzählen nicht durch Texte, nicht durch Dialoge, sondern durch Interaktion, durch das Zusammenspiel von Bild und Bewegung. „Shadow of the Colossus“ ist hierfür ein gutes Beispiel.

Fazit:

Die USK-Bewertung trifft hier aufgrund der moralischen Vielschichtigkeit zu. Das Spiel eignet sich ab 12 Jahren. Jüngere Kinder verfügen auch nicht über die Frustrationstoleranz, um ein erfolgreiches Abschließen der Aufgaben zu schaffen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Der Spieler/die Spielerin ist Täter bzw. Täterin
- Das Spiel wirft moralische Fragen auf
- Das Spiel fordert und fördert Frustrationstoleranz
Platzhalter
Dieses Spiel wurde beurteilt von:

Schreib einen Kommentar

* Pflichtangaben