Spielebeurteilung

Defcon

30.04.2008
„Defcon" ist ein Independent Game, das für Diskussionsstoff sorgt. Das Strategiespiel erinnert an die Zeiten des Kalten Krieges. Schon die Grafik ist im Stil der 80er Jahre gehalten. Und das Szenario des Spiels ist ein erschreckendes: Globaler thermonuklearer Krieg.
Beim amerikanischen Militär definiert das Kürzel „DefCon" („Defense Condition") den augenblicklichen Status der Streitkräfte. Während „DefCon 5" der Normalzustand in Friedenszeiten ist, steht „DefCon 1" für die höchste Alarmstufe, bei der auch im massiven Umfang Atomwaffen zum Einsatz kommen können. Letzeres war in der Realität noch nie der Fall.

Das Strategiespiel „Defcon" greift dieses Szenario auf. Nachdem sich die Spielenden eines der sechs Territorien auf der Weltkarte gewählt haben, erhöht sich in kurzer Abfolge die Alarmstufe. Die Stufen Defcon 5 bis Defcon 2 dienen dabei im Wesentlichen der Vorbereitung zum Krieg, wobei es auf das geschickte Positionieren der Streitkräfte ankommt. Mit der Stufe Defcon 1 bricht schließlich der atomare Konflikt aus. Taktische Möglichkeiten ergeben sich dann durch den Einsatz von landgestützten Raketen, Seeeinheiten und Lufteinheiten, die jeweils zur Verteidigung und zum Angriff genutzt werden können.

Ziel des Spiels ist es, die gegnerische Macht im vorgegeben Zeitraum möglichst schwer zu treffen und die eigene Bevölkerung nach Möglichkeit zu schützen. Das Spielergebnis kann nach verschiedenen Punktemodi ausgewertet werden. Dabei wird in erster Linie die Anzahl der menschlichen Opfer erfasst.

Im Tutorial können die Grundlagen des Spiels erlernt werden. Die Übungseinheit setzt sich aus sieben Missionen zusammen nimmt etwa 1 Stunde Spielzeit in Anspruch. In einem vollständigen Spiel können dann bis zu sechs Personen mitspielen, wahlweise reale Gegner oder Computergegner. Gespielt werden kann nach verschiedenen Regeln und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Ideengeber für das Computerspiel „Defcon" war der Kinofilm „WarGames" (John Badham) aus dem Jahr 1983. Im Film hackt sich ein Junge in einen geheimen Militärrechner und beginnt mit ihm das Spiel „Thermonuklearer Krieg", woraus unabsichtlich bitterer Ernst wird. Die grafische Gestaltung der Weltkarte im Computerspiel ist sehr stark an die Darstellungen in diesem Film angelehnt.

1 Kommentar

Tobias Miller (Redaktion spielbar.de) schreibt:

„Defcon“ ist ein sehr forderndes Strategiespiel mit militärischer Ausrichtung. Es verlangt gleichermaßen vorausschauendes Planen und taktisches Geschick sowie grundlegende Kenntnisse über Waffensysteme. Da die Ereignisse im Spiel sehr rasch aufeinander folgen, setzt der Spielerfolg eine gewisse Einarbeitungszeit und Übung voraus. Zum erlernen des Grundablaufs des Spiels leistet das Tutorial aber wertvolle Dienste. Die rasche Abfolge der Ereignisse lässt im Spiel darüber hinaus keine Langeweile aufkommen. Ein Countdown, der fortwährend im Hintergrund läuft und die nächste Defcon-Stufe ankündigt, verleiht dem Spiel eine ganz besondere Dynamik. Die Spieldauer ist mit etwa einer Stunde vergleichsweise kurz, wodurch sich das Spiel auch für kürzere Spielphasen eignet.

Gewöhnungsbedürftig ist sicherlich das Szenario des Spiels. Auch wenn die Darstellung der Gewalt aufgrund der einfachen Grafik sehr abstrakt bleibt, vermag sie doch zu schockieren, schon durch nackte Zahlen. Nach jedem „erfolgreichen“ Angriff auf eine Stadt verrät eine kurze Einblendung die Anzahl der Opfer. Und diese bewegt sich in der Regel im Millionenbereich. Das Spiel vermittelt, auch unterstützt durch die melancholische Hintergrundmusik, eine eher depressive Grundstimmung.

Einiges an Diskussionspotential steckt entsprechend in der Beurteilung der Alterseignung von „Defcon“. Einerseits ist Gewalt das gängige Konfliktlösungsmittel im Spiel, andererseits bleiben die Gewaltdarstellungen sehr abstrakt. Entsprechend unterschiedlich wird das Spiel auch bewertet. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) gibt das Spiel – aufgrund der Gewalthandlungen – ab 16 Jahren frei. Der europäische Herstellerverband PEGI kommt dagegen zu der Selbsteinschätzung, dass das Spiel schon ab einem Alter von 7 Jahren genutzt werden kann (bzw. ab 6 Jahren in Portugal). Auch auf Gewalthandlungen im Spiel wird durch die PEGI-Kennzeichnung nicht hingewiesen. Diese Diskrepanz verdeutlicht, wie schwer sich die Spielinhalte aus Sicht des Jugendmedienschutzes bewerten lassen. Die USK, deren Einstufung in Deutschland rechtlich bindend ist, geht in diesem Fall auf Nummer sicher. Damit ist klar, dass das Spiel in Kinderzimmern nichts verloren hat.

30.04.2008 um 10:00


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