Spielebeurteilung

Helldorado

17.03.2011
Mit „Helldorado" taucht man tief in die Welt des Wilden Westens ein. Das Taktik-Spiel mit Action-Elementen ist ein richtiges Geduldspiel, das einen langen Atem erfordert. Die Computerspiel-AG des Luisenburg-Gymnasiums hat Helldorado für spielbar genauer unter die Lupe genommen.
Die Hauptfigur des Spiels ist der Westernheld John Cooper, der bereits aus der Computerspielreihe „Desperados" bekannt ist. In diesem Abenteuer bekommt er es mit der Witwe seines einstigen Wiedersachers zu tun, die einen von seinen Freunden entführt hat. Um ihn zu retten, muss Cooper einige „teuflische" Aufgaben erfüllen.


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Spielebeurteilung von „Desperados" auf spielbar.de

2 Kommentare

„Computerspiele-AG“ (Luisenburg-Gymnasium Wunsiedel) schreibt:

Bei Helldorado ist wirklich die Hölle los, denn es handelt es sich nicht nur um ein höllisch spannendes, sondern auch um ein höllisch schweres Spiel. Das Spiel ist übrigens nicht so düster, wie es der Titel vermuten lässt; Helldorado ist ein perfekt inszenierter Western zum mitspielen. Die Installation verlief auf unseren beiden Testrechnern ohne Probleme. Es werden jedoch mehrere kleinere Programme mitinstalliert („Ageia Physx“ und „Xvid“), ohne die das Programm nicht lauffähig ist.
Um es gleich vorweg zu sagen: Helldorado ist kein Spiel für zwischendurch, sondern ein Taktikspiel, das viel Übung und vor allem viel Geduld verlangt. Wir haben es auf der mittleren Spielstufe gespielt und sind als erfahrene Spieler an mehreren Stellen fast verzweifelt. Helldorado ist trotz des Actionszenarios ein Spiel, das keinerlei schnellen Reflexe, sondern viel Köpfchen verlangt, denn es wird weitaus mehr geschlichen als geschossen.

Die Story
Die Hintergrundgeschichte von Helldorado erfüllt fast alle Westernklischees, die man sich vorstellen kann: Wie spielen u. a. den muskulösen und etwas dümmlichen Mexikaner, den stoischen Indianer oder das Westerngirl, das mit seinen Reizen die Gegner anlockt; der Spieler sprengt gleich zu Beginn ein Gefängnis, entführt einen Zug usw. Dabei kommandiert er ausschließlich „die Guten“, denn natürlich tun wir all die Verbrechen nur, um das Gegenmittel für einen heimtückischen Giftangriff zu bekommen. Die Verpackung fragt zwar: „Wie weit sind Sie bereit, ihre Seele an den Teufel zu verkaufen?“, aber in große moralische Dilemmata sind wir bislang beim Spielen nicht geraten. Es ist eben alles so, wie man es von einem Western kennt, was Stärke und Schwäche zugleich ist.

Die Präsentation
Die grafische Präsentation des Spiels ist überaus gelungen und trägt sehr viel zur Atmosphäre und zum Spielspaß bei. Man sieht das Geschehen aus einer isometrischen 3D-Ansicht, in der die liebevoll gestalteten Landschaften und Gebäude gut zur Geltung kommen. Daneben bietet Helldorado auch eine Schulterperspektive, die zwar eine nette Dreingabe ist, im Spielverlauf aber kaum Vorteile bietet. Die Ansicht lässt sich heran- und herauszoomen und drehen. Zwischen den einzelnen Missionen wird die Geschichte mit aneinandergereihten kunstvollen Standbildern weitererzählt, die uns gut gefallen haben. Perfekt gelungen ist auch der Sound: Die Hintergrundmusik ist sehr stimmig und die Sprachausgabe (u. a. mit der deutschen Synchronstimme von Bruce Willis) so professionell, wie man es sonst nur aus Filmen kennt. Eine kleine Warnung an alle Eltern: Sprüche wie: „Halt`s Maul“ oder: „Das ist wirklich absolute Scheiße“ hört man bei Helldorado ständig. Und zum Schluss noch eine kurze Anmerkung zum Thema Gewalt im Spiel: Ja, in Helldorado wird nicht nur geflucht, sondern auch geschossen. Mit einem Ego-Shooter sollte man das Spiel aber unter keinen Umständen in eine Kiste stecken, da die Gewalt zwar präsent, aber auf keinen Fall der alleinige Spielinhalt ist. Wenn man einen Gegener im Spiel nicht nur bewusstlos schlägt, sondern tötet, kann es sogar sein, dass die gesamte Mission fehlschlägt. Wer kein Problem damit hat, dass sein Kind Karl May liest und Western schaut, kann ihm auch Helldorado zumuten.

Die Steuerung
Die Bedienung des Spiels ist komplex und erfordert einige Übung. Zum Glück waren sich die Programmierer dieses Umstands bewusst und haben dem eigentlichen Spiel eine Trainingssequenz vorweggestellt, in der man auf verständliche Art und Weise in Helldorado eingeführt wird. Nahezu die gesamte Bedienung erfolgt mit der Maus, wobei man seinen Charakter mit der Tatstatur oftmals schneller bedient. Helldorado spielt sich in Echtzeit, d. h. während man den nächsten Zug überlegt, läuft das Spiel weiter, wodurch man an einigen Stellen in Zeitdruck gerät. Das ist jedoch sehr selten der Fall. In der Regel kann man sich sehr viel Zeit damit lassen, das weitere Vorgehen zu planen und das ist auch nötig.
Das Spiel besitzt viele innovative Elemente, die für Spannung und Abwechslung sorgen. So lässt sich beispielsweise der Blickwinkel jedes Gegners anzeigen und auch die Geräusche, die man selbst verursacht, werden mit konzentrischen Kreisen um die eigene Spielfigur angezeigt. Da man zumeist mit zwei oder drei Charakteren gleichzeitig unterwegs ist, die alle unterschiedliche Spezialfähigkeiten besitzen, lassen sich mit Hilfe verschiedener Gegenstände so genannte Combo-Aktionen ausführen, die nur mit zwei Spielfiguren am selben Ort möglich sind. So kann der Indianer Hawkeye beispielsweise nicht nur Pfeile, sondern auch Dynamit verschießen. Darüber arbeitet Helldorado mit einer Art Makros (so genannte Quick-Actions), die man z. B. braucht, um mit zwei Personen gleichzeitig zwei Gegner kampfunfähig zu machen.


Der Schwierigkeitsgrad
Helldorado ist kein Spiel für Anfänger! Wir haben das Spiel auf der mittleren Schwierigkeitsstufe gespielt und sind an manchen Stellen, die wir über ein Dutzend Mal wiederholen mussten, schier verzweifelt. Wir haben es in zwei Tagen mit Mühe und Not geschafft, die erste dreiteilige Mission durchzuspielen. Wenn der Schwierigkeitsgrad weiter steigt, wovon auszugehen ist, verlangt das Spiel sicherlich noch einiges vom User ab. Wie gesagt, Helldorado ist kein Spiel für die kleine Arbeitspause. Wer den Anspruch hat, „nur noch eben die Mission zu Ende zu spielen“, kann mitunter noch 1-2 Stunden beschäftigt sein. Die Schwierigkeit besteht einerseits darin, exakte Aktionen durchzuführen, indem man die richtige Position der Spielfigur ausfindig macht und andererseits im Ermitteln einer geeigneten taktischen Vorgehensweise. Wer Helldorado (das übrigens kein Mehrspielermodus besitzt) mit Freunden am PC spielt, wird die meiste Zeit damit verbringen, die Taktik zu besprechen. Ist diese erst einmal gefunden, ist die Umsetzung meist nicht mehr sehr schwierig. Wer in seiner Freizeit gerne Denksportaufgaben löst oder Puzzles liebt (und Western mag), wird mit Helldorado sicherlich seine Freude haben. Das Spiel lässt sich übrigens jederzeit durch einen Druck auf „F5“ speichern.

Fazit
Helldorado hat uns vor allem deshalb viel Spaß gemacht, weil es eine echte Herausforderung ist, die Missionen zu schaffen – und das gilt auch für geübte Spieler. Gefallen hat uns auch das absolut stimmige Westernambiente, das endlich einmal etwas anderes ist als das ständige Weltraum-Mittelalter-Fantasie-Einerlei. Das Spiel ist zwar niemals unfair, aber stellenweise wirklich sehr schwer. Nicht selten lädt man im 1-Minuten-Takt zwanzigmal hintereinander denselben Spielstand, bis man endlich herausgefunden hat, wie man unbemerkt an den acht Wachen vorbeikommt. Dieses Stealth-Element ist ein ganz wesentlicher Bestandteil von Helldorado. Im Gegensatz zu vergleichbaren Titeln wie der martialischen Command-and-Conquer-Serie, die fast ausschließlich hektische Soldaten- und Panzerschlachten zu bieten hat, setzt Helldorado somit eher auf spannende Schleichpartien und Überfälle á la „Splinter Cell“ oder „Assassin`s Creed“. Auf jeden Fall ist Helldorado der bislang überzeugendste Western auf dem Computer.

09.04.2008 um 10:59
SamFischEr schreibt:

Nette Artikel

27.12.2009 um 14:50


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