Reality Check Games # 11

Bodyhack: Prothesen in Computerspielen

06.07.2016
In Computerspielen sind Prothesen oftmals nicht einfach Prothesen. Sie bergen neue Zusatzfunktionen und machen in erster Linie ihre Trägerinnen und Träger stärker. Wir stellen uns im Reality Check Games die Frage: Gibt es auch in der Realität Prothesen, die einen Arm nicht nur ersetzen – sondern auch erweitern?

Ob Big Boss aus Metal Gear Solid oder Adam Jensen aus Deus Ex: Prothesen in Computerspielen sind keine Seltenheit. Sie ersetzen nicht nur Gliedmaßen, wie Arme, Hände oder Beine, sie entwickeln sie sogar weiter. Big Boss ist in der Lage, seinen Arm je nach Situation anzupassen: Er kann ihn vom Körper loslösen, und damit dank eingebauter Kamera unentdeckt die Gegend erkunden. Seine Armprothese funktioniert aber auch als Waffe – beispielsweise indem sie sich mit Strom auflädt. Aber wie realistisch sind Armprothesen nach Metal-Gear-Solid-Vorbild?


BBC3-Doku: Bodyhack: Metal Gear Man – Part 1 (YouTube-Video)

Antwort gibt die BBC3-Dokumentation Bodyhack: Metal Gear Man. Sie begleitet den 25-jährigen James Young auf seinem Weg zu einem bionischen, also mechanischen, Arm  nach Vorbild von Big Boss. Initiiert wurde dieses Vorhaben vom Entwicklerstudio hinter dem Spiel, Konami. Young verlor seinen linken Arm und seinen linken Unterschenkel, als er von einem Zug erfasst wurde. Mit der Künstlerin Sophie de Oliveira Barata, bekannt für ihre Prothesendesigns, arbeitete er nun an seiner eigenen Vision eines bionischen Arms – eine Waffe wie bei Big Boss soll schließlich nicht daraus werden.

Das Endergebnis ist erstaunlich: Die Armprothese kann nicht nur zielgenau greifen, alle Glieder einzeln bewegen und simpel an- und ausgezogen werden. Ähnlich wie bei den Computerspielbeispielen besitzt Youngs bionischer Arm Zusatzfunktionen, die über einen organischen Arm hinausgehen. LED-Lampen beleuchten den Arm und können sich mit seinem Herzschlag synchronisieren, eine Taschenlampe ist eingebaut genauso wie ein USB-Anschluss, mit dem Handys und andere Geräte aufgeladen werden können. In der Armprothese befindet sich sogar ein kleiner Bildschirm, der E-Mails, Nachrichten und andere Infos anzeigt.


BBC3-Doku: Bodyhack: Metal Gear Man – Part 2 (YouTube-Video)

In der Doku wird aber auch deutlich: Ganz perfekt, wie in Metal Gear Solid V, funktioniert der bionische Arm noch nicht. Kurz bevor Young ihn bei einer Convention zum Thema Bodyhack vorstellen soll, zuckt er und macht einige unkontrollierte Bewegungen. Auch der Mittelfinger lässt sich nicht mehr bewegen. James Young ist dennoch begeistert und fasst mit seiner Protese neuen Lebensmut:
"I'm really averse to the pity. […] If you see someone wearing this piece of equipment, they're not going to be looking at your face. They'll just be going, 'What the hell is that?' This is someone who is clearly continuing with his life and doing something."
(Quelle: Polygon.com)


Eine Armprothese wie in Metal Gear Solid oder Deus Ex ist mehr als eine fiktive Zukunftsidee. Zwar ersetzen bionische Armprothesen einen organischen Arm noch nicht nahtlos, dafür besitzen sie aber das Potential ihren Besitzerinnen und Besitzern, so wie James Young, neues Selbstvertrauen zu schenken. Momentan ist eine solche Prothese noch eine kostspielige Sache. Allerdings gibt es bereits vermehrt Unternehmen, wie beispielsweise Open Bionics, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, bionische Hände zu einem erschwinglichen Preis anzubieten.

Weblinks

Artikel “How Metal Gear Solid 5 inspired a bionic arm” auf Polygon.com
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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