Frauen erobern die Modding Community

08.06.2016
Durch Modifikationen, auch kurz Mods genannt, können Gamer ihre Lieblingsspiele nach ihren eigenen Ideen und Wünschen umgestalten. Um die Mods herum hat sich eine Community gebildet, zu der auch weibliche Gamer gehören. Ihr Ziel: Eine größere Vielfalt in Computerspielen.

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Fehlt ein Spielmodus, ein Anzug oder ein Fahrzeug, das man sich in einem Spiel wünscht, greifen einige Spielende aktiv ein – und erstellen nach dem Do-it-yourself-Prinzip kurzerhand ihr gewünschtes Spielfeature selbst. Modding nennt sich das Ganze und leitet sich vom englischen Wort für modification (Deutsch: Modifikation) ab. Viele der sogenannten Modder laden anschließend ihre Kreationen auf ihrer Webseite oder in Foren wie auf nexusmods.com hoch, um sie mit anderen zu teilen. Um Modding hat sich so eine Community gebildet, die auch vermehrt weibliche Mitglieder anzieht.

Lange wallende Mähne statt praktischer Kurzhaarfrisur. Dank Mods kann das Aussehen der Charaktere in Rollenspielen wie Fallout 4 angepasst werden.
Eine von ihnen ist girlplaysgame. Sie konzentriert sich auf Mods für Rollenspiele, wie Fallout, Mass Effect, Skyrim oder Dragon Age, meist um das Aussehen der Charaktere genauer zu bestimmen. In einem Interview mit der Webseite The Creators Project verrät sie, dass es ihr dabei vor allem um Vielfalt geht. Laut ihr werde in den genannten Rollenspielen eine starke, weibliche Protagonistin meist als jungenhafter Tomboy dargestellt, um so das Klischee der leicht bekleideten, kurvigen Frau in Computerspielen auszugleichen. Für girlplaysgame ist diese Darstellung allerdings genauso eindimensional. Daher kreiert sie vor allem Mods, die das Aussehen mit als „weiblich“ geltenden Charaktermerkmalen ausstattet: lange offene Haare, aufwändige Kleider oder schmückende Accessoires. Damit möchte sie Gamern die Möglichkeit geben, einen Charakter nach den eigenen Präferenzen zu erstellen – und sich nicht unbedingt an das halten zu müssen, was das Spiel vorgibt.

Im Rollenspiel Mass Effect 3 hat man die Wahl zwischen einen männlichen oder einem weiblichen Protagonisten. Egal welchen man wählt, beide tragen einen praktischen Raumanzug.


Mit der richtigen Mod lässt sich dieser in ein Hochzeitskleid umwandeln, inklusive aufwändiger Hochsteckfrisur.
Selbst mit einem breit aufgestellten Charaktereditor gibt es meist nicht ausreichend Optionen, um den Vorlieben aller Spielenden entgegen zu kommen. Hier kommt Modding ins Spiel: Indem verschiedene Änderungsmöglichkeiten online zur Verfügung gestellt werden, kann man ein Computerspiel unendlich erweitern, sodass keine Person ausgeschlossen wird. Dabei spielen gerade weibliche Modder wie girlplaysgame eine wichtige Rolle. Denn: Je diverser die Modding Community selbst, desto vielfältiger fallen die von ihr kreierten Mods aus.


Weblink


Webseite von girlplaysgame

Interview mit girlplaysgame auf The Creators Project
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis


Siehe auch

Mods – Gute Ideen von und für Gamer

Modifikationen von Computerspielen, kurz Mods, bereichern die Spielewelt. Gleichzeitig sind sie kreativer Ausdruck für Gamer, die ihre Lieblingsspiele nach individuellen Ideen und Wünschen umgestalten. Ego-Shooter eignen sich besonders gut.

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