Reality Check Games #8

Ein Smartphone als universelles Hackingtool?

31.08.2015
Ein paar Wischbewegungen auf dem Smartphone – und schon lassen sich Autos, Ampeln, und Sicherheitssysteme steuern. Das Action-Adventure Watch Dogs führt die Spielenden in eine Zukunft, in der alles binnen weniger Sekunden gehackt werden kann. Doch wie realistisch ist ein solches Szenario? Zeit für den Reality Check!

In der Tat gab es in den letzten Jahren Forschungsprojekte sowie Hackingangriffe, die erstaunliche Parallelen zu den Ereignissen in Watch Dogs aufweisen. Der argentinische Sicherheitsexperte Cesar Cerrudo, behauptete im April 2014, eine schwerwiegende Sicherheitslücke in einem Verkehrssystem gefunden zu haben, das in vielen Großstädten, wie New York oder London, verwendet wird. Das Verkehrssystem funktioniert über Sensoren, die messen, wie stark eine Straße befahren ist, und dementsprechend die Ampelschaltung anpassen. Manipuliert man nun diese Sensoren, würden sich laut Cerrudo, ganz wie in Watch Dogs, Ampeln plötzlich von Rot auf Grün und umgekehrt umstellen lassen.

Mit seinem Smartphone kann Protagonist Aiden Pierce einen Polizeiwagen einfach aufhalten, indem er die Ampelschaltung manipuliert. Realistisch?


In einem Versuch zeigten die beiden Sicherheitsexperten Charlie Miller und Chris Valasek, dass auch moderne Autos prinzipiell gehackt werden können. 2013 haben sie auf eine Sicherheitslücke hingewiesen, durch die man beispielsweise Einfluss auf die Bremsen eines Fahrzeugs nehmen könnte. Auf verschiedenen Konferenzen machten sie auf ihre Ergebnisse aufmerksam, damit sich die Autoindustrie dieser Sicherheitsprobleme annimmt.

Aber Hackerangriffe, die mit nichts weiter als einem Smartphone verübt werden? Der Journalist Timothy J. Seppala hat darüber mit Vitaly Kamluk, Sicherheitsexperte beim Softwareunternehmen Kaspersky, gesprochen. Dieser eröffnete, dass es tatsächlich bereits die ersten Apps gebe, die als Hackingtool dienen. Allerdings würden ein paar Berührungen auf dem Touchpad nicht ausreichen. In Watch Dogs dauert ein Hack einige Sekunden, in der Realität brauche man laut Kamluk Tage, je nach Komplexität des Systems sogar Wochen dafür. An dieser Stelle ist Watch Dogs eben doch mehr Videospiel als Hacking-Simulation. Noch komplizierter wird es, wenn wie im Spiel eine ganze Großstadt manipuliert werden soll. Alle technischen Geräte laufen über verschiedene Systeme – man müsste also jeden einzelnen Hack langwierig vorbereiten.

Noch gibt es also kein universelles, zumindest dem Otto Normalverbraucher bekanntes Hackingtool, mit dem man binnen Sekunden eine ganze Stadt lahm legen kann. Spiel bleibt Spiel, doch die vorangegangenen Punkte zeigen: Ein Szenario à la Watch Dogs liegt möglicherweise näher, als man denkt…
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]Ubisoft

Siehe auch

Spielebeurteilung

Watch Dogs

Watch Dogs führt die Spielenden in eine offene Spielwelt, in der alles binnen weniger Sekunden gehackt werden kann. Das Action-Adventure bietet zahlreiche Möglichkeiten, den virtuellen Ableger Chicagos zu Fuß oder per Auto zu erkunden, zeigt aber durch Gewalt und Verbrechen die Schattenseiten der Großstadt.

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