Let’s Plays: Vom Spiel zur Person dahinter

17.06.2015
Let’s Play-Videos sind aus der Medienlandschaft kaum noch wegzudenken: Eine Person spielt, kommentiert und nimmt alles auf. Mittlerweile kann jeder sein eigenes Let’s Play machen und hochladen. Aber nicht nur die Menge ist enorm, auch die Reichweite vieler Let’s Plays kann sich mit etablierten Medien locker messen.

„Hallo und herzlich willkommen“, sagt eine Stimme, startet den Indie-Hit Minecraft und zeigt ihr neuestes Bauwerk. Drei Millionen Menschen schauen dabei zu. In Let’s Plays spielen Personen ein Computerspiel, kommentieren ihre eigenen Fortschritte in Echtzeit und nehmen das Ganze auf. Mittlerweile sind Let’s Plays ein fester Bestandteil der Videospielkultur. Die Reichweite der sogenannten Let’s Player ist seit den Anfängen um ein Vielfaches gewachsen. Jeder kann sein eigenes Let’s Play erstellen und hochladen – dazu braucht man nur die richtige Software und ein Mikrofon. Dadurch sind die Videos qualitativ sehr unterschiedlich.

Auf YouTube gibt es mittlerweile unzählige Let's Plays zu den verschiedensten Spieletiteln. (Bild via YouTube)


Entertainer und Freund zugleich

Wird ein Spiel in einem Let’s Play gezeigt, folgt die Auseinandersetzung damit, vor allem bei denen ohne journalistischen Hintergrund, meist unkritisch. Das liegt an der Natur der Sache: Der Kommentar entsteht spontan; das Reflektieren des Gespielten folgt – wenn überhaupt – ohne sich Zeit zum Nachdenken nehmen zu können. Hinterfragen oder Interpretieren der Spielinhalte kommt dabei schnell zu kurz. Viel mehr kommt es auf den Unterhaltungswert an. Let’s Player nehmen die Rolle eines Entertainers ein und weniger die eines Kritikers.

Insbesondere jüngere Zuschauer fühlen sich zu Let’s-Play-Kanälen hingezogen. Hier erleben sie ein Gemeinschaftsgefühl, da die Themen und Spiele angesprochen werden, für die sie sich interessieren. Über die Kommentarfunktion unter den Videos können sie mit Gleichgesinnten oder mit ihrem YouTube-Star in direkten Kontakt treten. Die Person hinter einem Let’s-Play-Kanal rückt dabei immer mehr in den Vordergrund. Viele Let’s Player zeigen in „Vlogs“, also Videotagebüchern, ihren normalen Alltag – auch ohne Spielbezug. Bei den YouTubern Sarazar, Unge oder Reyst können die Vlogs mit den Let’s Plays in Punkto Klickzahlen locker mithalten. Wie Freunde berichten sie von Erlebnissen, witzeln herum und fragen die Zuschauer nach ihrer Meinung.

Let’s Player tragen Verantwortung

Auch wenn bei Let’s Plays der Spaß im Vordergrund steht, müssen sich die Macher ernster Kritik stellen. Produktplatzierungen animieren dazu, bestimmte Artikel zu erwerben. Denn Schleichwerbung ist weiterhin eine Grauzone auf YouTube und muss nicht klar deklariert werden. In einem Artikel des Tagesspiegels wurde darauf aufmerksam gemacht, dass einige Let’s Player homophobe Witze in ihre Videos einfließen lassen. Die erfolgreichsten Let’s-Play-Kanäle erreichen Millionen Zuschauer – und haben damit auch Einfluss und eine gewisse Verantwortung. Insbesondere dann, wenn die Person hinter dem Let’s Play nicht nur die Rolle eines Entertainers, sondern auch eines Freundes einnimmt.
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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