Spielentwicklung als Schulfach?

09.12.2014
Neben Mathe und Deutsch auch Spielentwicklung auf dem Stundenplan? Eine Berliner Grundschule macht es vor. Hier basteln die Kinder an eigenen Spielideen und stärken so die eigenen Kompetenzen. Bisher stehen nur Brettspiele auf dem Programm, das Konzept lässt sich aber auch auf Computerspiele übertragen.

In den meisten Schulen ist Spielen im Lehrplan nicht eingeplant. Die Stundenpläne sind bereits voll, die Klassen überfüllt – Platz und Zeit für Spiele bleibt da nur selten. Dabei kann Spielen beim Lernprozess sehr hilfreich sein. Spiele bieten nicht nur Motivation, sie fördern auch das Gedächtnis, die eigene Kreativität sowie das soziale Verhalten. In der Kreativitätsgrundschule Berlin-Karlshorst steht seit zwei Jahren nun das Entwickeln eigener Brettspiele fest auf dem Stundenplan.

Das Schulfach Spielentwicklung an der Kreativitätsgrundschule Berlin-Karlshorst macht Kindern nicht nur Spaß, sondern stärkt auch ihre Kompetenzen.
Ziel dabei ist durch das Arbeiten in Gruppen die Teamfähigkeit und die soziale Kompetenz der Kinder zu fördern. Auch ein zielorientiertes Denken, Organisationsfähigkeit und der Umgang mit Kritik wird so vermittelt. Zunächst lernen die Kinder am Beispiel bereits vorhandener Brettspiele, wie ein Spiel aufgebaut ist, aus welchen Elementen es besteht und welche Funktion diese besitzen. Danach lösen sich die Kinder vom Beispiel und denken sich auf dieser Grundlage ihr eigenes Spiel aus. Dabei müssen sie nicht nur die Spielregeln selbst entwickeln, sondern sich auch Gedanken um die Spielfiguren, die Funktionsweise und das Layout des Spiels machen. Unter pädagogischer Betreuung werden die Ideen der Kinder weiterentwickelt. Dabei merken sie schnell, was funktioniert und was nicht. Das Spiel soll schließlich auch möglichst abwechslungsreich sein und am besten viel Spaß machen.

Die Kinder können selbstständig kreativ werden und erhalten mit dem Schulfach Spielentwicklung einen Raum, in dem sie ihre eigenen Ideen umsetzen können. Auch wenn es noch Handlungsbedarf beim kritischen Testen der selbst entwickelten Brettspiele gibt – schließlich sind die Kinder meist mit ihrem Ergebnis zufrieden und stellen es nicht gerne in Frage – zeigt dieses Projekt, wie man Spaß, Kreativität und Stärkung der eigenen Kompetenzen in der Schule miteinander verbinden kann.


Dank Kodu kann man kinderleicht sein eigenes Computerspiel entwickeln. Dieses Projekt entstand 2011 im Kodu-Workshop der Ida-Ehre Schule, Hamburg. (YouTube-Video)

Warum diesen Ansatz nicht auf Computerspiele übertragen?

Dank leicht zu bedienenden Tools, wie beispielsweise Kodu, können auch Kinder ohne große technische Vorkenntnisse eigene, virtuelle Spielideen entwickeln und diese umsetzen. Bereits bekannte Spieltitel müssen auch hier erst einmal analysiert werden, damit man ihre Funktionsweise versteht und auf die eigene Idee übertragen kann. Dadurch wird neben Kreativität, Teamfähigkeit und zielgerichtetes Denken auch die eigene Medienkompetenz gefördert, deren Vermittlung in deutschen Schulen häufig vernachlässigt wird. Die aktuelle ICILS-Studie etwa zeigt, dass Deutschland in Bezug auf digitale Bildung in Schulen seinen Nachbarländern in einiges nachsteht. Das Schulfach Spielentwicklung wäre eine Möglichkeit, dem auf spielerische Art entgegen zu wirken.

Weiterführende Links

Gamedesign ist ‚kinderleicht’

Project Spark: A game about making games

Gamify your Life – Spiele als Motivation im Alltag

Spielend zum Abschluss mit „Legende von Zyren“

Weblinks

Bericht über „Spielen in Schulen“ von zuspieler.de (YouTube-Video)

Offizielle Homepage der Kreativitätsgrundschule Berlin-Karlshorst

Offizielle Homepage zur Spielentwicklungssoftware „Kodu“
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]zuspieler.de

2 Kommentare

Lesenswert #87: Filme und Musik zu digitalen Spielen - EA schreibt:

[…] Spiele können bei der Vermittlung von Wissen hilfreich sein. Warum nicht auch mal Spielentwicklung auf den Lehrplan setzen und somit die Kreativität der Schüler fördern? Ein Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung. […]

06.11.2015 um 11:31
MK schreibt:

Guten Tag, vielen Dank, dass Sie über meine Arbeit berichten. Ich unterrichte die SchülerInnen in Spielentwicklung seit 2011 an unserer Grundschule. Auf Wunsch kann ich gerne vertiefende Literatur zusenden. Gerne halte ich Vorträge zum Thema Spielentwicklung und ihre Chance für die persönliche Entwicklung, bzw. komme auch gerne in Schulen zum Erfahrungsaustausch vorbei.
Ab kommendem Schuljahr (2016/17) werde ich in den oberen Klassen Spielentwicklung auf das Programmieren von Spielen und Apps ausweiten. Letzteres ist auch für mich ein spannendes neues Lernfeld.

13.06.2016 um 07:18


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