Reality Check Games #4

Taubsi, Schwalbini und Darwins Evolutionstheorie

24.06.2015
Im Biologieunterricht lernen wir, dass sich alle Arten durch Evolution entwickelt haben. Auch im Rollenspielklassiker Pokémon entwickeln sich die gleichnamigen Tiere weiter, allerdings deutlich schneller als in Darwins Theorie. Gibt es trotzdem Anzeichen von Evolution in den Pokémon-Spielen?

Darwins Evolutionstheorie sagt mehr oder weniger: Alle Lebewesen haben einen gemeinsamen Vorfahren. Durch Mutationen entstanden mit der Zeit verschiedene Spezies. Die Arten, die sich an ihre Umgebung am besten angepasst haben, überleben – „natürliche Selektion“ findet statt.

Die Idee der natürlichen Selektion kam Darwin angeblich, als er sich auf einer Reise um die Galapagos-Inseln befand. Die dort lebenden Vogelarten entwickelten sich auf der isolierten Inselgruppe unabhängig vom Festland. So konnten sie sich ungestört der Umgebung und der vorhandenen Nahrung auf ihrem Teil der Insel anpassen. Manche der sogenannten „Darwinfinken“ besitzen einen großen, runden Schnabel und können so besser Nüsse knacken. Andere dagegen haben einen dünnen, längeren Schnabel, der dabei hilft, Käfer und Insekten aus Bäumen zu picken.

Die Darwinfinken auf den Galapagos-Inseln besitzen je nach Wohnort und dort vorhandene Nahrung eine andere Schnabelform.
Matthew Patrick, vom YouTube-Channel „Game Theory“, hat sich zusammen mit dem Team des Pokémon-Channels „The Déx!“ verschiedene Flug-Pokémon angeschaut und konnte eine ähnliche Tendenz ausmachen. Taubsi beispielsweise, eines der bekanntesten Pokémon der ersten Generation, lebt in Kanto, der Spielwelt der roten und blauen Edition. Hier findet man hauptsächlich Grasland und nur wenige Bäume. Um Nahrung zu finden, muss Taubsi mit seinen Füßen den Boden umgraben. Aus diesem Grund besitzt es im Vergleich zu seiner Körpergröße große Füße mit Krallen, die ihm dabei helfen. Auch beim Verteidigen sind die großen Füße nützlich: versucht ein anderes Pokémon Taubsi anzugreifen, benutzt es Attacken wie „Sandwirbel“ und scharrt Staub in die Augen des Angreifers. So ist Taubsi perfekt an seine Umgebung angepasst.

Taubsi (engl.: Pidgey) besitzt überproportional große Füße im Vergleich zum restlichen Körper. Diese helfen ihm, wenn er Nahrung sucht oder sich verteidigen muss.
Auch Schwalbini zeigt, wie sich die Flug-Pokémon an ihre Umgebung angepasst haben. Im Pokédex steht über Schwalbini, dass es die kalte Jahreszeit nicht möge: „Daher legt es auf der Suche nach wärmeren Gefilden mehr als 300 km am Tag zurück“. Schwalbini findet man in Hoenn, das Gebiet der Pokémon-Editionen Rubin, Saphir und Smaragd. Die Region ist von viel Meer und kleinen Inseln geprägt, Schwalbini muss also große Distanzen am Stück zurücklegen, da über dem Meer Pausen nicht möglich sind. Schwalbinis Aussehen spiegelt dies wider: Das Flug-Pokémon besitzt einen kleinen Körper, aber vergleichsweise große Flügel. So erhält Schwalbini mehr Auftrieb und verbraucht weniger Kraft beim Fliegen.

Schwalbinis große Flügel helfen dem Pokémon lange Distanzen ohne Pause zurückzulegen.
In Pokémon lassen sich viele weitere Beispiele für die Theorie des „Survival of the Fittest“ finden, nicht nur bei Flugpokémon. Pokémon, wie Fermicula – eine eiserne Ameise – und das Feuerpokémon Furnifraß haben sich sogar koevolutionär entwickelt. Um seine Beute zu jagen, besitzt Furnifraß eine Feuerzunge, mit der er sich durch den Panzer der Ameise brennen kann. Auch andere Phänomene der Biologie sind in Pokémon vertreten, wie beispielsweise Metamorphose (Raupy) oder Photosynthese, die einer eigenen Attacke ihren Namen gibt. Warum also das bekannte Spiel nicht mal im Unterricht genauer betrachten!

Kennt ihr weitere Pokémon, die sich ihrer Umgebung perfekt angepasst haben? Schreibt’s in die Kommentare!

Weiterführende Links

Reality Check Games #1: Wieviel ist ein Leben in Super Mario wert?

Reality Check Games #2: Ein wildes Magcargo erscheint. Rette sich, wer kann!

Reality Check Games #3: Ist Links Aufgabe in The Legend of Zelda: Majora’s Mask sinnlos?

Weblink

Game Theory und The Déx “Game Theory: How Pidgey "Proves" Darwinian Evolution” (YouTube-Video)
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]Wikipedia[2]Nintendo, verändert[3]Game Theory, verändert

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