Der Erste Weltkrieg in Computerspielen

29.06.2015
2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Grund für uns, einen Blick auf die Spiele zu werfen, die das Thema aufgreifen. Wer nur Ego-Shooter und Kriegsgewalt erwartet, wird enttäuscht. Denn in den meisten Spielen geht’s ums Fliegen. Und Frieden ist auch nie weit entfernt.

Die Berliner ‚Amerika-Gedenk-Bibliothek‘ hat zum Ersten Weltkrieg Sonder-Exponate in einem Themenraum ausgestellt, darunter auch Computerspiele, in denen – wie andere Konflikte auch – der Erste Weltkrieg dargestellt und verarbeitet wird. Die Tiefe der Auseinandersetzung mit der historischen Basis ist dabei so unterschiedlich wie das Gamedesign, wie der Vortrag „Virtueller Weltenbrand“ von Martin Beyer am 04. September in der Amerika-Gedenkbibliothek eindrucksvoll zeigte.

In der Amerika Gedenkbibliothek gab es Bücher, DVDs, Games und mehr zum Ersten Weltkrieg zu sehen.
Neben actionreichen Flugsimulationen und Strategiespielen finden sich auch inhaltlich ambitioniertere Projekte, Serious Games und künstlerische Umsetzungen jener düsteren Thematik. Wir stellen unterschiedlichste Spielformen vor - vom Roten Baron bis zum modernen Serious Game . Hier ein Überlick:

Valiant Hearts - Alle Fronten vereint zum Sieg
Statt für eine Nation zu kämpfen, müssen die Spielenden im Adventure Vailant Hearts fünf verschiedene Persönlichkeiten aus allen Lagern durch knifflige Rätsel steuern, um zwei Liebende wieder zu vereinen. Dabei schafften die Entwickler auf eine gewitzte und liebevolle Weise komplett auf das Töten von Gegnern zu verzichten.

In Valiant Hearts bekommen die Spielenden in den Zwischensequenzen immer wieder Hintergrundinfos zum ersten Weltkrieg. Ein Beispiel: Wusstest du, dass während des 1. Weltkriegs mehr als 500 000 Tauben zum Einsatz kamen? In England wurden einige mit dem Ehrenring für besondere Verdienste ausgezeichnet.


Blue Max – Die Zeiten ändern sich
Wer sich schon immer gefragt hat, ob sich die Einstufung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien mit der Zeit verändert – hier ist die Antwort. Es handelt sich bei dem Flugzeug Shoot-’em-up- Kriegsspiel um ‚Blue Max‘, das 1983 veröffentlicht und 1985 indiziert wurde.

2-D und Pixellook. Diese Grafik war 1985 im Zusammenhang mit dem Spielinhalt noch 'jugendgefährdend'.
Damals gab es dafür folgende Begründung:
„… Das Computerspiel ‚Blue Max‘ hat aggressionssteigernde Eigenschaften. (…) Bei älteren Jugendlichen führt das Spielen von ‚Blue Max‘ zu physischer Verkrampfung, Ärger, Aggressivität, Fahrigkeit im Denken, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen und anderem. (Es) kann davon ausgegangen werden, dass etwa auftretende Aggressionsneigungen auch in außerspielerischen Situationen (…) nicht adäquat beherrscht werden können. (…) Aggressive Verhaltensmuster werden spielerisch eingeübt. (Entscheidung Nr. 3495 vom 8. August 1985, Liste Nr. 5969 (Pr. 106/85).)“

Seit 2010 darf das Spiel wieder frei vertrieben werden, da seit der Indizierung 25 Jahre vergangen sind. Ob Blue Max heute noch die gleichen physischen und psychischen Erscheinungen bei Jugendlichen hervorruft und es eine ähnliche Einstufung bekommen würde, ist fraglich.

World War I Medic - Einmal nicht nur töten
Geht es in den meisten Shootern darum, die Gegner mit Gewalt auszuschalten, muss man im Strategiespiel World War I Medic dagegen als Sanitäter den eigenen Soldaten helfen und sie medizinisch versorgen. Man kann sich auch dafür entscheiden, feindlichen Verwundeten zu helfen. Ein Statement für den Frieden?

Ziel ist es, mehr Soldaten zu verarzten als der gegnerische Sanitäter. Das Spiel endet erst mit dem Tod der Spielfigur.


Der Rote Baron – Förderer der Simulationsspiel -Wirtschaft
Der Rote Baron ist aus fast keinem Weltkriegs-Flugzeugspiel wegzudenken. Noch immer machen Flugsimulationen den größten Erster Weltkrieg Genre -Prozentsatz aus.

Dank des Roten Barons kamen Flugsimulationen zum Ersten Weltkrieg in den achtziger Jahren wieder in Mode.
Als in den achtziger Jahren einfache Simulationsspiele populär wurden, erlebte das berühmte Flugzeug ein Revival – dabei ist es nicht mehr als ein Weltkriegs-Mythos. Die Bezeichnung „Roter Baron“ ist ein Nachkriegskonstrukt. Freiherr von Richthofen – ein deutscher Jagdpilot – flog ein rot bemaltes Flugzeug, das für die Briten unverkennbar war. Da es den Titel ‚Freiherr‘ im Englischen nicht gibt, nannten sie ihn ‚Baron‘ – und das wurde wiederum einfach ins Deutsche übernommen.

Johnny Got His Gun - Serious Game als kritisches Kunstwerk
Während eines Gamejams, bei dem in wenigen Tagen von kleinen Teams Spiele gebaut werden, entwickelte Folmer Kelly das Game Johnny Got His Gun, nach einer Idee des gleichnamigen Buches. Johnny wurde im Ersten Weltkrieg schwer verwundet und erwacht im Lazarett. Auf psychedelische Weise lässt sich sein Leid erfahren. Am Ende kann er weder hören, riechen, sehen noch träumen und leider auch nicht sterben. Das minimalistisch gestaltete, verstörende Serious Game wurde emotional berührend umgesetzt.

In Johnny Got His Gun haben die Spielenden nicht viele Möglichkeiten - die einzige Option führt in das unendliche Leiden von Johnny
Wie man auch selbst ein Game zum Ersten Weltkrieg entwickeln kann, zeigte übrigens unlängst unser Workshop „Gaming the Great War“ beim History Campus in Berlin. In wenigen Tagen entwickelten die Teilnehmenden ihre eigenen Games mit Hilfe des Tools Unity.

Weiterführende Links

HistoryCampus: Graben im Eiltempo

Spielbesprechung zu Vailant Hearts

Weblinks

Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Themenraum 1914 – 1918: Der Erste Weltkrieg (28.07. - 11.09.2014)
Valerie Quade
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]Valerie Quade, Veranstaltung Amerika-Gedenk-Bibliothek[2]Ubisoft[3]BlueMax[4]WorldWarMedic[5]„Fokker DR 1 ILA 2004“ von Noop1958 - Eigenes Werk[6]Johnny Got His Gun

Schreib einen Kommentar

* Pflichtangaben