Von Grenzerfahrung bis Selbstfindungstrip - Aktuelle Serious Games im Blick

12.08.2014
Serious Games nähern sich spielerisch auch ernsten Themen an und machen gesellschaftliche Probleme und Emotionen für Spielende erlebbar. Wir haben uns umgeschaut und stellen drei aktuelle Vertreter des Genres vor, die in ihren Ansätzen unterschiedlicher nicht sein könnten.

Unter dem Namen Serious Games verbirgt sich eine Vielfalt an Spielen, die vor allem eines zum Ziel haben: spielerisch zum Nachdenken anregen. Die neusten Serious Games zeigen, dass dies mit ganz verschiedenen Ansätzen und Methoden erreicht werden kann und sie vor allem durch ihre Vielfalt bestechen.

The Migrant Trail

Schauplatz von The Migrant Trail ist die Wüste zwischen Mexiko und Arizona. Hier kann man sich entweder einer Gruppe illegaler Immigranten anschließen oder auf die Seite der Grenzpatrouille stellen. So wird das Problem der illegalen Einwanderer in die USA von beiden Seiten durchleuchtet und eine einfache Schwarz-Weiß-Malerei vermieden. Als Immigrant führt man eine Gruppe mexikanischer Einwanderer durch die Wüste, weicht Grenzpatrouillen aus und versucht die eigene Spielfigur mit ausreichend Nahrung zu versorgen. Zwischendurch sind moralische Entscheidungen gefragt. Lasse ich eine verletzte Person zurück, damit sie die Gruppe nicht aufhält? The Migrant Trail ist Teil des „The Undocumented“ Projekts, das sich dem Thema illegale Einwanderung an der amerikanisch-mexikanischen Grenze gewidmet hat, und kann auf der dazugehörigen Homepage kostenlos gespielt werden.

Was nehme ich für den Weg mit? Die richtige Wahl bei der Ausrüstung ist in der Wüste Arizonas überlebenswichtig, doch zu viel Gewicht auf dem Rücken kostet Energie.


Gone Home

In Gone Home kehrt Protagonistin Kaitlin nach einem Jahr in das Haus ihrer Familie zurück und findet das Haus verlassen vor. Was ist passiert? Die Spielenden streifen in der Ego-Perspektive alleine durch das leerstehende Haus und untersuchen Gegenstände oder Briefe, um so die Geschichte hinter dem Haus zu rekonstruieren. Gone Home schafft durch seine stimmungsvolle Inszenierung eine melancholische, einsame Atmosphäre, in der die Erkundung des Hauses auch zu einer Reise in die eigene Kindheit wird. Gone Home ist für Windows, Mac und Linux entweder via Steam oder als Direktkauf erhältlich.

Als Kaitlin untersucht man in Gone Home die Räume des leerstehenden Hauses. Dabei sorgen laufende Fernsehgeräte, flackernde Lampen und das Knarzen des Holzes für Gänsehautmomente.


SoundSelf

Die Entwickler von SoundSelf beschreiben ihr eigenes Spiel als „Kollision jahrhundertealter Meditationstechnik mit Videogame Trance“ und schicken die Spielenden auf eine Reise in das eigene Ich. SoundSelf nimmt den Klang der eigenen Stimme auf und setzt sie als eine Mischung aus Lichtspiel und beruhigenden Klängen um. Mittels Mikrophon kann man mit der eigenen Stimme experimentieren, um so seine Sinne zu erforschen. SoundSelf unterstützt auch die Virtual Reality-Brille Oculus Rift und soll dieses Jahr noch für PC, Mac und Linux erscheinen.


Robin Arnott, Entwickler von SoundSelf, erklärt in einem kurzen Video das Prinzip hinter dem experimentellen Serious Game Titel. (YouTube-Video)

Weblinks

Offizielle Homepage zum “The Undocumented” Projekt

Offizielle Homepage zu Gone Home

Offizielle Homepage zu SoundSelf
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]The Migrant Trail[2]The Fullbright Company

Siehe auch

Games beyond fun

Wer sagt, dass Computerspiele allein der Unterhaltung dienen? ‚Games beyond fun’ gehen über den Spaß hinaus und machen Emotionen und ernste Sachverhalte erlebbar. Ein kleiner Exkurs in Spiele, bei denen nicht das Happy End sondern der Weg das Ziel ist.

Serious Games

Artikel und Spielebeurteilungen zum Tag "Serious Games"

2 Kommentare

Computerspiele zum Thema Flucht und Asyl | JFF.de/GAMES schreibt:

[…] Spielzeit: ab 15 Minuten – Betriebssystem: Windows – Preis: Free To Play Links: http://theundocumented.com/ http://www.spielbar.de/neu/2014/08/aktuelle-serious-games/ […]

19.02.2016 um 14:13
Games & Gesellschaft – Grimme Lab schreibt:

[…] „The Migrant Trail“ befasst sich mit der illegalen Einwanderung in die USA und ist Teil des „The Undocumented„-Projekts, das die Geschichte von über 400 Migranten „ohne Dokumente“ nachzeichnet, die allein im Jahr 2009 in der Wüste von Arizona gestorben sind. […]

31.08.2016 um 10:57


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