In 5 Minuten zum Endgegner - Speedruns

09.04.2014
So schnell wie möglich das Ende eines Spiels zu erreichen ist das Ziel eines Speedruns. Um dieses Spielprinzip herum hat sich fernab der Öffentlichkeit ein ganz eigener Wettbewerb mit eigenen Regeln und Community entwickelt, der seine Zuschauer in Staunen versetzt.

Als 1997 Super Mario 64 erschien, faszinierte es Spielende aller Altersklassen mit seiner offenen Welt in 3D-Grafik. Es dauerte Stunden, alle Rätsel zu lösen, alle Geheimnisse aufzudecken und alle Gegner zu besiegen, bis man endlich Prinzessin Peach befreien durfte. Man kann das Spiel aber auch einfach in fünf Minuten und zwei Sekunden durchspielen, wie es das Team um Snark, Kyman und ToT getan hat.

Diese Art des Spielens nennt sich „Speedrun“. Dabei geht es darum, ein Spiel möglichst schnell zu beenden, dessen Ziel sonst primär nichts mit Geschwindigkeit zu tun hat, wie es beispielsweise bei Rennspielen der Fall wäre. Eine Kamera nimmt den Speedrun auf. Das Ergebnis wird entweder gleich live gestreamt oder später online gestellt. Klassiker des Speedruns sind die Super Mario Spiele, oder auch Zelda und Metroid. Angefangen hat die Idee jedoch mit dem Ego-Shooter Doom aus dem Jahr 1993, da er den Spielenden dank Onlinefunktion erstmals die Möglichkeit gab, beim Spielen gemachte Aufnahmen mit einer Community zu teilen.


Der momentane Weltrekord in Super Mario Bros. stammt von Andrew "AndrewG" Gardikis. In unter fünf Minuten hüpft er ohne Hilfsmittel durch den NES-Klassiker. (Youtube-Video)

Mit der wachsenden Vielzahl an Speedruns stiegen auch die Bedingungen, unter denen sie stattfanden. Man unterscheidet vor allem zwischen Speedruns mit Hilfe von sogenannten Tools und solchen ohne. Beispielsweise kann der Ablauf perfektioniert werden, indem das Spiel mittels Programm in Zeitlupe abläuft und so die Reaktionszeit kürzer wird. Außerdem können Glitches, also Fehler im Spiel, ausgenutzt werden, um so schneller zu werden. Es gibt auch Möglichkeiten, das „Durchspielen“ bei Speedruns besonders schwierig zu gestalten: Indem man zum Beispiel versucht keinen Schaden zu nehmen, jeden Gegenstand einzusammeln oder gar nichts einzusammeln.


Das Team um Snark, Kyman und ToT nutzte Tools und Glitches, um Super Mario 64 in nur fast fünf Minuten durchzuspielen. (Youtube-Video)

Motivation der Speedrunner ist der Wettbewerb mit anderen Spielenden. Wie im Sport geht es darum, die Rekordzeit zu unterbieten. Dabei sind motorische sowie kognitive Fähigkeiten gefordert. Man muss nicht nur hohe Konzentration, Geschicklichkeit und Kontrolle mitbringen, sondern auch die genaue Planung eines Speedruns ist wichtig. Häufig wird jedes Detail einer Strecke auswendig gelernt und die ausgesuchte Route immer wieder auf ihre Schnelligkeit getestet. Die Fähigkeiten der Speedrunner übersteigen die der „normalen“ Spielenden, sodass ein perfekter Speedrun eine hohe Faszination auf seine Zuschauer ausübt.

Speedruns bieten einen neuen Blickwinkel auf viele Spiele und zeigen auf, welche neuen Herausforderungen in sonst längst durchgespielten Klassikern stecken. Die vielen Details, Zwischensequenzen und Dialoge, die Programmierer Zeit und Mühe kosteten, werden jedoch dabei ignoriert, damit keine Zeit verloren geht. Zusätzlich werden durch Glitches und Programmierfehler möglichst weite Teile des Spiels übersprungen. Effizienz wird bei Speedruns zur höchsten Prämisse und alles andere dem untergeordnet. Super Mario 64 in fünf Minuten durchzuspielen ist eine Meisterleistung. Aber möchte man dafür auf die liebevoll gestaltete Welt mit all ihren Details wirklich verzichten?

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Spielkultur auf spielbar.de
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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