Wie sicher sind Kinderspielportale?

11.03.2014
Vor einem Jahr stellte spielbar.de die Ergebnisse einer Untersuchung des vzbv vor, die herausfand, dass eine Vielzahl von Kinderspielportalen gegen Richtlinien des Jugendschutzes verstoßen. Viele Anbieter versprachen Verbesserung, doch hat sich die Lage tatsächlich geändert?

Das Internet wird von ca. 62 Prozent der Kinder zwischen 10 und 12 Jahren für Online-Spiele genutzt. Dass sich hier ein Milliardengeschäft verstecken könnte, haben bereits viele Spielportale für sich entdeckt: Einnahmen werden durch die Schaltung von Werbung gemacht, Datenverkauf, Abonnement-Gebühren für Premium-Accounts oder den Verkauf virtueller Güter. Dabei wird häufig die Unerfahrenheit der Kinder mit dem Medium Internet ausgenutzt. Diesem Problem ging 2011 der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) auf den Grund und untersuchte zahlreiche Kinderspielportale stichprobenartig. Das Ergebnis waren damals 29 Unterlassungsverfahren, in drei Fällen wurde sogar Anklage erhoben. Die größten Defizite stellten die Gestaltung der Werbung, unnötige Datenerhebungen und fehlende Bereitstellung von Informationen dar. In den meisten Fällen gaben die Verantwortlichen die Unterlassungserklärung ab und versprachen ihre Internetseite zu ändern. Wie sehen diese Veränderungen 2014 aus?

Kommunikation und Datenschutz

Die Kommunikation hat sich insbesondere bei den führenden Anbietern deutlich verbessert. Einige Kinderspielportale bieten Informationen speziell für Eltern an, die über die Kindersicherheit der Seite aufklären sollen. Auch Kontaktdaten für weitere Fragen oder Kritik zu diesem Thema lassen sich dort finden. Auf spielaffe.de wurde sogar ein kleines Lexikon mit den wichtigsten Begriffen zum Thema Online-Spiele für Kinder bereitgestellt. Die AGB sind allerdings weiterhin in einer für Kinder schwer verständlichen Fachsprache geschrieben, auf manchen Seiten sind sie sogar nur auf Englisch einsehbar. Möchten Kinder an einem Gewinnspiel oder einer Umfrage teilnehmen, werden nach wie vor persönliche Daten, wie die Adresse oder Telefonnummer, abgefragt. Mittels Häkchen sichert sich das Spielportal ab, dass das Einverständnis der Eltern vorlag.

Bei Gewinnspielen und Umfragen werden Kinder dazu verleitet, ihre persönlichen Daten preiszugeben. Diese Daten können anschließend weiterverkauft werden.


Getarnte Werbung

Auf vielen Kinderspielportalen befinden sich Werbebanner, die sich verändern, wenn der Mauscursor darüber fährt. Eine Interaktionsmöglichkeit im Sinne eines Spiels wird suggeriert, die zum Klicken auffordert. Jedoch wird der Nutzer so zur beworbenen Homepage weitergeleitet, auf der sich auch für das Alter unpassende Inhalte befinden können. Vor dem Spiel selbst wird häufig sogenannte „Pre-Roll-Werbung“ geschaltet. Bei manchen Anbietern beginnt das Spiel allerdings danach nicht automatisch. Es soll auf einen Button unten rechts geklickt werden, der mit „Continue“ beschriftet ist, während in der Mitte ein Werbebild angezeigt wird, auf dem, einem Button ähnlich, „START“ geschrieben wurde. Für Kinder ohne Englischkenntnisse ist hier nicht klar, wie sie das Spiel beginnen können, intuitiv jedoch wird eher in die Mitte als in eine der Ecken geklickt.

Bevor das Spiel startet, wird eine Werbung geschaltet. Das Spiel beginnt nicht mit Klicken des "Start"-Buttons, sondern des "Continue"-Buttons unten rechts.
Werbung wird auch weiterhin getarnt, indem sie in das insgesamt sehr bildreiche Seitenlayout integriert wird, teilweise mehr Platz einnimmt als die Inhalte und lediglich durch den kleinen Schriftzug „Werbung“ als solche zu erkennen ist. Auf einigen Seiten wurden auch Werbebanner mit sexualisierten Inhalten gefunden, die für Kinder ungeeignet sind.

Die Werbebanner nehmen mehr Platz ein als die angebotenen Spiele und sind in das Layout integriert.


Sensibilisieren für Gefahren

Trotz einer teilweisen Verbesserung und einem stärkeren Bewusstsein für die Verantwortung gegenüber Kindern, bleiben einige Missstände unverändert. Dass sich ein kostenloses Angebot durch Werbeeinnahmen finanzieren muss, lässt sich nicht ändern. Jedoch trägt gerade das Ausnutzen der Unwissenheit von Kindern zum Milliardengeschäft der Portale bei. Da viele Spielportale ihren Sitz nicht in Deutschland haben, wird ein rechtliches Durchgreifen problematisch. Es ist daher ratsam sein Kind für die Gefahren auf solchen Spielportalen zu sensibilisieren. Wird ein Spielportal zusammen ausgewählt, sollten sich die Eltern die Art der Werbung genau ansehen. Wo befindet sich überall Werbung, wie lässt sich diese deaktivieren? Empfehlenswert ist auch die Installation eines Werbeblockers für den Browser. Auch die Gründe, warum Daten im Internet nicht einfach preisgegeben werden sollten oder warum eine Registrierung bei einer Internetseite zu Problemen führen kann, sollten zusammen besprochen werden, damit Kinder das Internet sicher nutzen können.

Weiterführender Link

Kinderspiele-Portale nutzen Unerfahrenheit der Kinder aus

Weblink

Hintergrundpapier: Kinderspielportale im Internet des vzbv
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]nick.de[2]bigspiele.de[3]spiele-umsonst.de

1 Kommentar

Gast schreibt:

Für meine Kinder kommen Online-Spiele nur in Frage, wenn ich dabei bin. Das Netz ist einfach zu gefährlich.

03.12.2015 um 09:16


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