re:publica 12

ACT!ON

28.05.2013
Unter dem Motto „ACT!ON“ trafen sich vom 2. bis 4. Mai Bloggerinnen und Blogger, Netzaktivisten und andere Interessierte zur re:publica 12 in Berlin. Innerhalb der Tracks re:play und re:learn wurden auch Computerspiele thematisch aufgegriffen. spielbar war vor Ort. Ein Rückblick.


Die re:publica 12 war so groß wie nie. Aufgrund des Andrangs der Vorjahre entschieden sich die Veranstalter für eine völlig neue Location: die STATION-Berlin. Auf über 20.000 qm hatten die insgesamt 4000 Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit ohne Gedränge Vorträgen zu lauschen und sich gegenseitig auszutauschen – über Blogs, die digitale Gesellschaft und soziale Medien.

Bei der engen Verknüpfung von sozialen Medien und Games (soziale Medien sind einerseits Spielplattformen, Games bilden andererseits Communitys aus) kamen Computerspiele auf der re:publica 12 erstaunlich kurz. Zwar gab es wie bei der re:publica 11 einen Track re:play. Dieser widmete sich in diesem Jahr jedoch nicht ausschließlich den Computerspielen, sondern allem was einem spielerischen Umgang mit Medien gleichkam – das Erstellen von Audio- und Video-Beiträgen inbegriffen. Wichtige Trends wie Social Gaming und Gamification wurden in den wenigen angebotenen Impulsen dennoch wieder aufgegriffen. Und noch ein Frage beschäftigte die Teilnehmenden der re:publica: Was macht eigentlich der Spielejournalismus? Auch im Track re:learn spielten Games wieder eine Rolle, selbstverständlich im Zusammenhang mit Lernprozessen.

„Ich glaube, wenn Du den Kopf triffst...“

Den Auftakt machte Dr. Judith Ackermann. Sie sprach unter dem Titel „Ich glaube, wenn Du den Kopf triffst, sind sie am meisten tot.“ über Spezifika verbalisierter Lernprozesse beim Computerspielen. Grundlage bildeten dabei die Ergebnisse ihrer qualitativen Untersuchung zur Kommunikation während des gemeinschaftlichen Spielens auf LAN -Partys. Anhand von detaillierten Gesprächsprotokollen machte sie deutlich, dass Kommunikation während des Spielens permanent abläuft. Sei es um grundlegende Informationen auszutauschen, wie Spielinhalt und Bedienung, oder tiefgehende Methoden und Taktiken, die ein gewisses Grundverständnis voraussetzen. Aus dem Antrieb heraus, ein Spiel gewinnen zu wollen oder möglichst weit zu kommen, werden unter Zeitdruck teils komplexe Sachverhalte knapp übersetzt. Gleichzeit passen sich die Spielenden dem Lernfortschritt des Gesprächspartners an. Fachtermini, die nicht zweckmäßig sind, werden weggelassen. Innerhalb der Kommunikation laufen somit informelle Lernprozesse ab, auch wenn die Spielenden selbst diese nicht bewusst wahrnehmen.

Ackermann sieht hier ein klares Anerkennungsdefizit was die Lernprozesse in aktuellen Computerspielen betrifft. Hier gelte es noch stärker zu forschen und Möglichkeiten auch für die berufliche Bildung aufzuzeigen.

Augmented Reality Games

In der Session „Transmedia Storytelling: Missing in Action?“ ging es um die Erzählkunst über verschiedenste Plattformen hinweg. Maile Coelle, Kristian Costa-Zahn, Maike Hank, Katharina Kokoska, Dorothea Martin, Patrik Möller, Gregor Sedlag und Phillip Zimmermann – die Initiatoren des Transgaming Manifest www.transmedia-manifest.com stellten dazu ihre Thesen, Erkenntnisse und Erfahrungen zum Thema vor.



Auch Games und Apps sind ihrer Meinung nach Teil des Transmedia Storytelling. Bestes Beispiel ist Location-Based-Storytelling, bei dem sich der User die Geschichte erspielt. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine virtuell erlebte Geschichte, die an realen Personen und Orten erzählt wird. Damit ist es eine Erweiterung des Geocaching, bei dem die Spielenden mit ihrem Smartphone auf eine virtuelle Schnitzeljagd in realer Umgebung geschickt werden (vgl. Augmented Reality).

Mobiles Lernen

Dass Location-Based-Informationen aus Orten nicht nur Geschichts- sondern auch Lernorte machen können verdeutlichten Guido Brombach und Daniel Seitz bei der Projektvorstellung der Edunauten und lieferten damit einen wichtigen Impuls für die medienpädagogische Praxis. Sie berichteten aus „der Praxis einer Pädagogik der Navigation“ deren Ziel in der Befähigung zum selbstgesteuerten Lernen liegt. Der oder die pädagogisch Tätige gibt hierbei nicht ihr Wissen weiter, sondern nimmt vielmehr die Rolle des Navigators eines Bildungsprozesses ein.

Gamification

Ein wichtiges Thema der re:play 2011 wurde auch in diesem Jahr wieder aufgegriffen: Gamification, die Integration von spielerischen Elementen in unseren Alltag zur Anregung von Partizipation. Elmar Geese und Michael Kleinhenz gaben in ihrem Vortrag einen generellen Überblick über das Thema, inklusive geschichtlichem Abriss. Im direkten Vergleich zur re:play 2011, die sich im ebenfalls mit dem Thema Gamification beschäftigte, bot die Session von Geese und Kleinherz jedoch kaum neue Informationen.

Social Games und unsere digitale Identität

Dass Social Games ebenfalls ein durchaus Ernst zu nehmender Teil unserer digitalen Gesellschaft sind, zeigte Sina Kamala Kaufmann. Sie selbst ist im Bereich PR und Kommunikation bei einem Social Games-Entwickler tätig und beschäftigte sich in der Session „In case of reality use Magic Wand: Social Games & Digital Identities“ mit dem Zusammenhang zwischen sich ändernden Identitätsprozesse und dem wachsenden Erfolg der Social Games. Bei der Entwicklung der eigenen realen Identität geht es um Abgrenzung zu anderen. Gleichzeitig laufen Identifikationsprozesse ab, in denen die Selbstwahrnehmung mit der Wahrnehmung von außen (in Form von Rückmeldungen anderer) abgeglichen wird. Soziale Netzwerke wie Facebook, so Kaufmann, entwickeln sich zunehmend zu DEM Ort der (digitalen) Identität und somit zum Teil der eigenen Realität. Waren digitale Spiele bislang nicht mit der Wirklichkeit verknüpft, boten gar einen geschützten Raum um verschiedene Identitäten zu erproben, so spielt man in sozialen Netzwerken laut Kaufmann mit echten Freunden. Und genau hier liegt der Erfolg der Social Games. Denn „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist und er ist nur dort ganz Mensch wo er spielt.“ (Friedrich Schiller).

Spielejournalismus – Quo vadis?

 

Die Diskussionsrunde „Spielejournalismus – Quo vadis?“ rundete die Sessions der re:publica 12, die das Thema Computerspiele aufgriffen, ab. Ausgangspunkt bildete der Artikel des ehemaligen Chefredakteurs des Spielemagazins Gamestar, Christian Schmidt, in der er im September 2011 den Spielejournalismus in Frage stellte. Hat der Spielejournalismus eine Zukunft? Oder ist er aufgrund der steigenden Anzahl der Free2Play-Angebote, deren Spielende nicht zu den Kernzielgruppen des Spielejournalismus gehören, zukünftig überflüssig? Löst möglicherweise die enorme Anzahl an Spielerezensionen, die von Gamern ins Netz gestellt werden, den Spielejournalismus ab? Fragen, die Rudolf Inderst (TITEL Kulturmagazin), Sina Kamala Kaufmann (Wooga), Christian Schiffer (Radiojournalist), Christian Gaca (Gamereactor) und Valentina Hirsch (Pixelmacher) diskutierten. Ganz einig wurde sie sich nicht. Eine mögliche Antwort ist aber: solange es Spiele gibt, wird es wohl auch Spielejournalismus geben. Er muss sich den neuen Veränderungen jedoch anpassen und darf Games keinesfalls zu einseitig betrachten.

Über die re:publica

Seit 2007 findet die re:publica jährlich statt. Die Konferenz rund um Blogs, soziale Medien und digitale Gesellschaft versteht sich als politische, kulturelle und vor allem junge Veranstaltung. Sie begann anfangs als familiäres Treffen von circa 80 Bloggerinnen und Bloggern und entwickelte sich bis heute zur größten Konferenz ihrer Art in Deutschland. 2012 füllten 350 Rednerinnen und Redner aus über 30 Ländern das Programm. 4000 Menschen nahmen an der Konferenz teil. Weitere Informationen bietet die offizielle Webseite zur re:publica 12.

Weiterführende Links

Re:publica 2011 – Aktuelle Trends & Perspektiven

Augmented Reality Games – Ich sehe was, das nu nicht siehst

Weblinks

 

 

Offizielle Webseite zur re:publica 12

1 Kommentar

Bericht über re:publica-Panel « Polymedia schreibt:

[...] da hat sich spielbar.de doch tatsächlich an unserem Panel vergnügt! Hier zu lesen. Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem diese(r) Artikel gefällt. Getaggt mit [...]

13.05.2012 um 21:53


Schreib einen Kommentar

* Pflichtangaben