Gamedesign ist ‚kinderleicht’

29.03.2012
Kinder und Jugendliche stecken voller kreativer Ideen. Statt Computerspiele lediglich zu konsumieren, produzieren sie immer häufiger ihre eigenen digitalen Geschichten. Vorkenntnisse, zum Beispiel in der Programmierung, bedarf es dank spezieller Software mittlerweile kaum noch.






Am Anfang steht die Idee

Ein kleines Mädchen namens Sissy begibt sich auf eine abenteuerliche Suche nach den sogenannten ‚Ponycorns’ – Fantasiewesen, halb Pony und halb Einhorn (eng. Unicorn). Dabei bereist sie verschiedene Welten, spricht mit diversen Figuren und löst auch das ein oder andere Rätsel.









Bild: Sissy's Magical Ponycorn Adventure  




Klingt in „Gamer -Ohren“ zunächst wenig ungewöhnlich. Dennoch verbreitete sich das Computerspiel Sissy’s Magical Ponicorn Adventure im vergangenen Jahr mit Aussagen wie „entzückend“, „liebenswert“ oder gar „bestes Indiegame des Jahres“ in zahlreichen Gamer-Communitys und Blogs im Internet. Denn die Person, die maßgeblich an der Entwicklung dieses Point-n-Click Adventure beteiligt war, heißt Cassie und war zu dem Zeitpunkt gerade einmal fünf Jahre alt. Die Idee zur Hintergrundgeschichte, enthaltene Charaktere und Spielablauf inklusive Mini-Rätsel stammen von ihr. Ebenso wie sämtliche Zeichnungen. Selbst ihre Stimme leiht die Fünfjährige den Charakteren. Allein die technische Umsetzung überließ sie ihrem Vater.

Kodu, Scratch & Co erleichtern die Umsetzung

Sissy’s Magical Ponicorn beweist einmal mehr wie viel kreatives Potential in Kindern und Jugendlichen steckt. Dieses gilt es zu fordern und damit zu fördern, so wie es beispielsweise auch die Initiative Creative Gaming tut. In Workshops zeigen sie Kindern und Jugendlichen, wie sie mithilfe von Computerspielen kreativ werden und die Spiele aus Ausdruckmittel ihrer Gedanken und Gefühle verwenden können.













Bild: Kodu (c) Microsoft 



Kodu kann online heruntergeladen werden. Die Benutzeroberfläche ist englischsprachig. Wer Kodu in der aktiven Medienarbeit mit Kindern oder Menschen ohne Englisch- kenntnisse nutzen möchten, kann, ebenfalls kostenlos, deutsche Sprachdateien für Kodu auf den Seiten des gameLabor abrufen. Hier sind auch Beispiele von bereits erstellten Computerspielen mit Kodu zu sehen.

Programme, mit denen sich Computerspiele erstellen lassen, gibt es einige. Kodu beispielsweise ist eine kostenlose Gamedesign-Software von Microsoft. Die Nutzeroberfläche des Programms ist sehr bildlich, das Programm selbst intuitiv und einfach aufgebaut, so dass Vorkenntnisse beispielsweise im Programmieren nicht vorausgesetzt werden. Spielfiguren und mögliche Aktionen sind bereits im Programm enthalten und werden je nach Bedarf und Idee kombiniert und zu einem Spiel zusammengefügt. Ob Jump’n’Run oder Actionspiel, mit Einzel- oder Mehrspielermodus - das Programm ermöglicht trotz der Einfachheit, Computerspiele ganz unterschiedlicher Art zu entwickeln. Allein bei der Ideenentwicklung kann es nicht helfen.












Bild: Scratch (c) MIT Media Lab 



Scratch wird als kostenloser Download auf der offiziellen Webseite zum Programm angeboten. Ebenfalls auf der Webseite zu finden sind umfangreiche Informationen zur Erstellung von Computerspielen mit Scratch – auch für den Einsatz im schulischen Kontext.

Für Fortgeschrittenere ist Scratch möglicherweise eine Alternative. Dahinter verbirgt sich eine Programmiersprache, die von der Lifelong Kindergarten Group am MIT Media Lab entwickelt wurde. Scratch ist weniger visuell aufbereitet als Kodu. Dafür müssen die Jungentwickler bei Kodu auf eine Auswahl vorgegebener Objekte zurückgreifen, bei Scratch wiederum können Hintergrund und Spielfiguren selbst erstellt werden. Das gibt Kindern und Jugendlichen mehr Handlungsfreiheit bei der Erstellung eigener Spiele, erfordert aber gleichzeitig auch mehr Einsatz.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit unabhängig von Kodu oder Scratch eigene Computerspiele zu erstellen. Bestes Beispiel dafür ist das Projekt AMD Changing the Game, in dessen Rahmen 27 Jugendlichen – wenn auch mit Unterstützung von Experten - eigenständig das Computerspiel Stress Ops erstellten. Von der Idee über das Konzept bis zur grafischen und technischen Umsetzung, die Jugendlichen haben sich in der Entwicklung des Spiels zu 100 Prozent eingebracht. Im Zentrum des Spiels stehen der Schulstress und der Leistungsdruck, dem sie im Schulalltag ausgeliefert sind. Aber auch das wichtigste Spielkriterium, der Spaßfaktor, kommt nicht zu kurz.

Die kreative Auseinandersetzung mit Computerspielen – beispielsweise durch die Erstellung eines ganz eigenen Spiels - ist eine Möglichkeit, an die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen anzuknüpfen und ihnen ein Werkzeug in die Hand zugeben, mit dem sie eigene Gedanken und Gefühle ausdrücken können. Mit zunehmender Akzeptanz des Mediums Computerspiele können Ansätze, wie die hier im Text beschriebenen, zukünftig auch den Schulalltag bereichern.

Weiterführende Links

spielbar-Themenschwerpunkt: Spielkultur – Wenn Spiele inspirieren

Kreativ werden mit Computerspielen - Eindrücke von play10 in Potsdam

Gewinner des Dt. Multimediapreises MB21 – Computerspiel Stress Ops überzeugt mehrfach

Weblinks

Initiative Creative Gaming

gameLabor
Anne Sauer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

4 Kommentare

Creativity | Pearltrees schreibt:

[...] » Game Design ist ‚kinderleicht’ - spielbar.de – Beurteilungen von Computerspielen [...]

29.03.2012 um 10:17
Robert schreibt:

Mit Kodu hab ich auch schon Erfahrungen machen dürfen. Auch wenn es sich intuitiv bedienen lässt, haben meine Kids Probleme mit dem logischen Verständnis von Befehlen. Wenn man mit WENN-DANN-Aktionen noch nie zu tun hatte, dauert es schon ein wenig, um sich da reinzufuchsen. Spaß macht's trotzdem :)

03.04.2012 um 10:29
Anne Sauer (Redaktion spielbar.de) schreibt:

Danke für deinen Kommentar, Robert. Was mich direkt interessieren würde ist das Alter der Kinder, mit denen du gearbeitet hat. Kannst du anhand deiner Erfahrungen Aussagen darüber treffen, welches Mindestalter du für die Arbeit mit Kodu empfehlen würdest?

03.04.2012 um 11:28
Anne Sauer (Redaktion spielbar.de) schreibt:

Mit "Construct 2" wird Medienpädagoginnen und -pädagogen aber auch jungen Hobbyspieleentwicklern nun ein kostenloses Werkzeug in die Hand gegeben, mit dem sich schnell und unkompliziert HTML5 Spiele erstellen lassen. Der Vorteil bei HTML5 Spielen liegt darin, dass sie komplett ohne Plugins - sprich zusätzliche Softwaremodule wie Flash beispielsweise - gespielt werden können.
Programmierkenntnisse braucht man für "Construct 2" nicht. Die Bedienung erfolgt intuitiv per Drag & Drop. Auf der offiziellen Webseite kann "Construct 2" kostenlos heruntergeladen werden. Ein Video auf der Seite gibt außerdem einen guten Eindrück über die Funktionsweise der Software. Wer sich Anregungen für mögliche Spielideen holen oder sich einfach von der Vielseitigkeit der mit "Construct 2" erstellten Spiele überzeugen möchte kann dies ebenfalls über die offizielle Webseite tun.
Die Webseite ist wie die Software komplett in Englisch gehalten!

04.06.2012 um 10:57


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