Jugendschutz im Internet

Zwei neue Selbstkontrollen für Onlinespiele

16.02.2012
Beim Jugendschutz im Onlinebereich tut sich was. Mit FSK.online und USK.online gibt es zwei neue Einrichtungen zur Bewertung von Online-Spielen und Downloads. Die KJM hat außerdem ein weiteres Jugendschutzprogramm für gut befunden. Was Eltern letztlich davon haben, bleibt aber offen.


Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat im September 2011 beschlossen, dass FSK.online und USK.online als neue Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle für den Bereich der Telemedien anerkannt werden. Zu den Telemedien zählt der gesamte Internetbereich, also auch alle Onlinespiele und Downloads. Damit können die beiden Einrichtungen nun auch Onlineinhalte mit Altersstufen bewerten. Bisher gab es Alterskennzeichen im Bereich Computerspiele nur für Angebote, die auf Trägermedien erscheinen, dann vergeben durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Mit der Entscheidung der KJM könnte sich das nun ändern.

Grundlage der Regelungen ist der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV), der die KJM als zentrale Aufsichtsstelle für den Onlinebereich vorsieht. Zwar war eine geplante Novellierung des Gesetzeswerkes zur Verbesserung des Jugendschutzes 2010 gescheitert, die KJM kann aber dennoch Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle anerkennen. Neben FSK.online und USK.online zählt dazu bereits die Freiwillige Selbstkontrolle der Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM). In der Praxis heißt das, dass die Anbieter von Onlineangeboten zwar weiterhin selbst Sorge für den Jugendschutz tragen müssen, sie können sich dabei aber der Hilfe einer der Einrichtungen bedienen.

Eltern und Erziehungsbeteiligte können in Zukunft bei der Bewertung von Onlineangeboten also mit Orientierungshilfen in Form von Altersangaben rechnen. Unterstützen sollen sie dabei so genannte Jugendschutzprogramme, die Altersangaben technisch auslesen können. Mit den Programmen, einer Art Filtersoftware, könnten Eltern – so die Idee – in die aktive Rolle schlüpfen und selbstbestimmt kontrollieren, welche Inhalte sie ihren Kinder vorenthalten möchten, und welche nicht. Zunächst aber müssen sich die Programme in der Praxis bewähren. Ein erstes Filterprogramm hat die KJM bereits vor einigen Wochen grundsätzlich positiv bewertet, zwischenzeitllich wurde ein zweites technisches Konzept zur Sendezeitbegrenzung für gut befunden. Die Umsetzung der Filterprogramme und vor allem ihre Akzeptanz durch Eltern und Erziehungsbeteiligte bleibt abzuwarten.

Auch generell bleibt fraglich, inwieweit die aktuellen Aktivitäten wirklich substantiell zum Jugendschutz im Bereich Onlinespiele beitragen. Durch die Anerkennung mehrerer Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle besteht die Gefahr einer Kennzeichen-Vielfalt, die nicht unbedingt zur Orientierung für Eltern beträgt. Filterprogramme wären außerdem nicht die erste technische Hürde, die leicht umgangen werden kann. Größtes Problem für den Jugendschutz bleibt aber der Geltungsbereich des JMStV. Dieser beschränkt sich auf Angebote aus Deutschland und umfasst so nur einen Bruchteil aller Internetinhalte.
Eltern sollten sich also auch in Zukunft selbst eine Meinung zu den Spielen ihrer Kinder bilden und sie auf ihrem Weg hin zur angemessenen und eigenverantwortlichen Mediennutzung aktiv unterstützen.

Weiterführende Links

Jugendschutzprogramm soll Eltern unterstützen

Kennzeichen-Vielfalt statt Durchblick?

Neue „Sendezeiten“ und „freiwillige“ Alterskennzeichnung im Internet

Weblinks

Zwei neue Selbstkontrollen für das Internet: KJM erkennt FSK.online und USK.online an

Bewegung bei Jugendschutzprogrammen: KJM bewertet zweites Konzept positiv

Siehe auch

Jugendschutz

Der Jugendmedienschutz im Bereich der Computer- und Konsolenspiele folgt dem Prinzip der „regulierten Selbstregulierung“. Damit ist gemeint, dass der Staat zur Erreichung seiner Regulierungsziele zwar die rechtlichen Rahmenbedingungen schafft, diese dann aber von den Anbietern von Computer- und Konsolenspielen selbst umgesetzt werden, sie sich also selbst regulieren. Ziel ist es, die Eigenverantwortung der Industrie zu stärken. Dieses Prinzip, welches der Handhabung im Bereich der Kinofilme entspricht, ist im Jugendschutzgesetz (JuSchG) verankert und wird für alle Spiele angewendet, die auf einem Trägermedium (z.B. einer CD-ROM oder DVD) veröffentlicht werden.

Schreib einen Kommentar

* Pflichtangaben