Alterskennzeichnung für Onlineangebote

Jugendschutzprogramm soll Eltern unterstützen

16.02.2012
Online- und Browserspiele sind im Trend. Eine gesetzliche Alterskennzeichnung für Spiele im Internet gibt es bislang nicht. Die für 2011 geplante Neufassung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages scheiterte, die offenen Fragen dagegen blieben. Jetzt wurde erstmals ein Jugendschutzprogramm anerkannt.

Computerspiele, die nicht auf einem Trägermedium , wie CD oder DVD, erscheinen, fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (kurz: USK). Dementsprechend erhalten sie in Deutschland auch keine gesetzliche Alterskennzeichnung. Eine schon für sicher geglaubte Neufassung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) sollte die Problematik beheben, scheiterte jedoch Ende 2010 am Nordrhein-Westfälischen Landtag. Thematisiert wurden für die Neufassung des JMStV unter anderem mögliche Jugendschutzprogramme für den heimischen PC. Durch die Installation solcher Programme könnten Eltern in die aktive Rolle schlüpfen und selbstbestimmt kontrollieren, welche Inhalte sie ihren Kinder vorenthalten möchten und welche nicht. Zwar bleibt bis auf Weiteres die bisherige Fassung des JMStV von 2003 in Kraft, aber auch dort sind in Paragraph 11 bereits Jugendschutzprogramme vorgesehen. Diese müssen allerdings von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) vorab anerkannt werden.

Die KJM bewertete jetzt erstmals ein eben solches Jugendschutzprogramm positiv. Dabei handelt es sich um die JusProg e.V.-Software, eine Filtersoftware. Interessierte Eltern können die Software kostenlos auf der offiziellen Webseite herunterladen. Über eine Millionen Domains wurden bislang von JusProg geprüft, bewertet und in die Filterliste aufgenommen. Die USK unterstützt die Positivbewertung der JusProg-Software mit einem kostenlosen Label-Generator, mit dessen Hilfe Betreiber von Webseiten ihre Inhalte auch selbst klassifizieren können. Vorgestellt wurden sowohl das Jugendschutzprogramm als auch der Label-Generator auf der diesjährigen gamescom.

Auch die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) nutzte die gamescom 2011, um im Rahmen einer Pressekonferenz ihr neues Altersklassifizierungssystem vorzustellen. Dem System liegt ein Fragebogen zugrunde, anhand dessen die passende Altersstufe für das jeweilige Webangebot ermittelt wird. Im Gegensatz zum Label-Generator der USK erhalten Anbieter von Online-Inhalten damit nicht nur eine maschinenlesbare Kennzeichnung sondern auch Unterstützung bei einer gewünschten Alterskennzeichnung.

Bei all den Kennzeichnungs- und Filtermöglichkeiten gilt es eins jedoch immer noch im Hinterkopf zu behalten: Eine gesetzliche Regelung zur Alterskennzeichnung von Online-Inhalten gibt es derzeit nicht. Betreibern von Webseiten bleibt es also bislang selbst überlassen, ob und wie sie ihre Webseite klassifizieren. Ebenso obliegt der Einsatz eines Jugendschutzprogramms allein der Entscheidung der Erziehungsverantwortlichen.
Das Thema Jugendmedienschutz wird daher sicherlich noch für einigen Gesprächsstoff sorgen.

Weiterführende Links

Neuregelung des Jugendschutzes im Onlinebereich: Kennzeichen-Vielfalt statt Durchblick?

Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV): Neue „Sendezeiten“ und „freiwillige“ Alterskennzeichnung im Internet

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