Neue Controller für ein neues Gaming

15.08.2011
Mehr Bewegung, mehr Unabhängigkeit, mehr Präzision, intensiveres Spielerlebnis. Auf dem Konsolenmarkt überschlagen sich derzeit die Ankündigungen neuer Hardware. Es stellt sich nicht mehr die Frage ob, sondern wer und was sich wie zukünftig bewegt. Im Vorfeld der gamescom zeichnen sich erste Trends ab.
Im Jahr 2006 brachte Nintendo mit der Wii Bewegung in die Wohnzimmer der Gamer . Mit eigenen Bewegungssteuerungen zogen Sony mit Playstation Move und Microsoft mit kinect nach. Doch eine simple Bewegungssteuerung reicht für den heutigen Spielspaß nicht mehr aus. Aller Voraussicht nach Ende 2011 wird Sony mit der PlayStation Vita , dem portablen Nachfolger der PSP, erste Hinweise auf neue Features des Gamecontrolling liefern. Die in der Szene als möglich geltenden Konsolen-Releases der next generation 2012 – die neue XBox von Microsoft, der Nintendo Wii-Nachfolger Wii U sowie die Playstation 4 von Sony – müssen dann mit innovativen Controllern aufwarten. Denn die Spielsteuerung ist schon längst zu einem der entscheidenden Kaufargumente geworden. Im Kampf um das ansprechendste Gamecontrolling gehen die Wege der drei Entertainment-Riesen allerdings auseinander.

Nintendo – neue Steuerelemente für neue Game-Features

Zu der Wii U legt Nintendo seinen Kunden auch einen neuen Controller in die Hände. Mit dem neuen Game-Pad will Nintendo einen neuen hybriden Trend setzen: der Controller verfügt neben gängigen Steuerelementen wie einem Steuerkreuz, Analog-Sticks und Buttons über ein Touch-Pad ähnlich den beliebten Tablet-PCs. Damit unterscheidet sich der Wii U Controller deutlich von allen bisherigen Bewegungscontrollern. Der zweite Bildschirm im Controller eröffnet neue Ansichten und Spielmöglichkeiten. Auch wenn der Controller nicht mit einem Multitouch-Pad ausgestattet ist und daher keine Steuerung mit Mehrfingergesten möglich macht, bietet der „Zweitmonitor“ mit seiner Touchfunktion Raum für neue Spiel- und Steuerungsideen.

Angefangen von einfachem, ausgelagertem Gameinventar oder einer handlichen Übersichtskarte bieten sich zusätzliche Steuerungsoptionen wie ein virtuelles Keyboard und andere virtuelle Funktionen für eine kreative Spielsteuerung an. Aus der Möglichkeit, dass der Controllerbildschirm einem Gamer andere Ansichten auf das Spielgeschehen erlaubt als der Haupt-Monitor, hat Nintendo bereits einige unterhaltsame Multiplayer -Games, meistens Verfolgungsjagden, entwickelt, die im Juni bereits auf der weltgrößten Videospielmesse E3 in Los Angeles präsentiert wurden.
Weiterhin bietet der neue Controller mit dem integrierten Touchscreen die Möglichkeit, das Spielgeschehen vom Fernseher abzukoppeln und unabhängig vom Großmonitor zu spielen. Eingebaute Kamera sowie Mikrofon deuten auf Nintendos multimediale Ambitionen in der Spielsteuerung hin – Gesichtserkennung und Sprachsteuerung sind hier denkbare zukünftige Entwicklungen.

Natürlich bleibt der Wii U Controller der bewährten Bewegungssteuerung der Wii Remote treu. Wie bei den Wii-Spieletiteln entscheiden Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit des Gamers, der den Controller in der Hand hält, über Sieg oder Niederlage – und auch die alten Titel sollen auf der Wii U spielbar sein.


Bild: Die Wii U mit neuem Controller © Nintendo


Microsoft – das controllerlose Spiel

Microsoft hüllt sich sehr in Schweigen, was den Nachfolger der aktuellen XBox 360 angeht. Als ein möglicher Veröffentlichungstermin steht die Messe E3 2012 im Raum. Klarer jedoch scheint die Ausrichtung der neuen Konsole und deren Steuerung zu sein. Der Software-Gigant baut weiter verstärkt auf die eigene Bewegungssteuerung kinect. Die Technik erscheint immer ausgereifter und für die angebotenen Games gut zu funktionieren. Spielepräsentationen auf der vergangenen E3 belegen, dass Microsoft sein absolut controllerloses Steuerungskonzept auf immer mehr Titel ausweiten will.

Die Spielsteuerung kinect funktioniert völlig ohne Controller. Nur mit den Bewegungen des eigenen Körpers steuert der Gamer die Spielfigur auf dem Monitor. Damit verzichtet kinect auf eine Eingabehilfe wie sie die Konsolen der Wii- oder Playstationserie benötigen. Kinect erschließt sich daher sehr intuitiv und ohne den Einsatz von Tastenkombinationen. Ein Schlag wird beispielsweise mit dem Arm ausgeführt und ein Vollspannschuß beim Fußball mit dem Fuß. Spielende werden durch die unmittelbare Steuerungsgewalt des eigenen Körpers quasi in das Spiel hineingesogen. Neben der Kombination von Sehen und Bewegung spielt auch die Stimme eine Rolle, denn kinect erfasst auch Spracheingaben und überträgt diese ins Spiel.

Sony – ein bisschen von allem

Playstation 4 und die mobile Handheld PlayStation Vita sind die Antworten von Sony auf die Konkurrenzprodukte. Die PS4 soll frühestens 2012 erhältlich sein, ihre Bewegungssteuerung Playstation Move perfektionieren und hin zum controllerlosen Gaming weiterentwickeln.

Bisher ist die Steuerung Move mit den Motion-Controllern, die sowohl Bewegungsrichtung als auch Beschleunigung des Gamepads ins Spiel übertragen, zwar durchaus unterhaltend, – die Controller strafen unaufmerksame Spielende auch mit Vibrationen, wenn sie beim Boxen eine harte Linke auf die Nase bekommt – aber oft muss der Gamer sich an komplizierte Tastenkombinationen gewöhnen, um voll in die Bewegungssteuerung einsteigen zu können. Sony will die PS4 daher mit einer Körperbewegungssteuerung à la kinect ausstatten, um den Spielspaß zu steigern. Über die neuen Controller der PS4 ist darüber hinaus bisher noch nichts bekannt.









Bild: DieHandheld-Konsole PlayStation Vita

Ein Hinweis auf Sonys neue Controller-Generation ist sicherlich die Handheld-Konsole PSVita. Diese folgt ähnlich der Wii U einem hybriden Controlling-Konzept: ein Multitouch-Pad auf der Vorderseite reicht Sony aber nicht aus, und so verfügt die PSVita auch über ein rückseitiges Touch-Pad. Mit dem Multitouch-Pad werden Mehrfingergesten als Steuerungsoptionen möglich. Und im Zusammenspiel ermöglichen die beiden Interfaces dem Spieler eine neue Art der dreidimensionalen Mehrfingergestensteuerung: komplexe, räumliche Handbewegungen wie Ziehen und Greifen frei im Raum sollen dem Gamer so ein detailgetreues Eingreifen in das Gameplay erlauben. Daneben ermöglichen Buttons und zwei Analogsticks auch das eher traditionelle Steuern der Helden und Games.

Das neue Gamecontrolling – Möglichkeiten und Herausforderungen

Das Spielerlebnis der neuen Generation wird mittlerweile maßgeblich von den vielseitigen Möglichkeiten des Gamecontrollings beeinflusst. Der Mensch wird mehr und mehr mit allen Sinnen und zunehmendem Körpereinsatz in das Spiel hineingezogen. Das Gaming im Zweifinger-Modus ist zu einem Ganzkörpererlebnis geworden: die Augen müssen ein dreidimensionales Spielgeschehen erfassen, häufig auf zwei Bildschirmen gleichzeitig; das Gehör verarbeitet wichtige Informationen und immer anspruchsvolleren Sound, die Stimme kann für Sprachsteuerungen genutzt werden und vor allem der Körper selbst wird zum beweglichen Interface. Dabei sind die Bewegungen von Fingern, Armen, Beinen sowie des ganzen Körpers vollkommen frei im Raum möglich.

Oft bringen die neuen Freiheiten bisher ungeahnten Spielspaß. Aber die multimedialen und multifunktionalen Möglichkeiten des next generation Gamecontrollings haben auch ihre Schattenseiten beziehungsweise werfen noch zu beantwortende Fragen auf.
Mit der Flut neuer und ausgefeilter Möglichkeiten, den Helden durch das Spiel zu steuern oder den Gegner im Kampf oder sportlichem Wettkampf zu besiegen, verstärken sich gleichzeitig auch die Unterschiede zwischen einzelnen Spieletiteln und Konsolen. Dies schafft nicht nur Vielfalt, sondern auch gewisse Abhängigkeiten. Die Spieleentwickler müssen sich immer mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Konsolen einlassen und ihre Programmierung danach ausrichten. Langfristig könnte dies zu einer steigenden Zahl exklusiver Games für die eine oder die andere Konsole führen, was dem interessierten Gamer sicherlich nicht gefallen wird.
An diese Ausdifferenzierung schließt die Frage an, für wen die neuen Controller eigentlich gedacht sind: die Casual-Gamer (Gelegenheitsspieler/-spielerinnen) oder die Core-Gamer (die vielseitig interessierten und engagiert Spielenden)? Casuals dürften eher auf die neuen Trends der Spielsteuerung reagieren, um in der Familie oder auf Partys zu glänzen. Coregamer stehen der Frage nach dem Gamecontrolling wahrscheinlich eher neutral gegenüber oder wünschen sich sogar ihr altes Game-Pad zurück. Denn für sie entsteht der Spielspaß erst mit hochwertigem Gamedesign und einer spannenden Gamestory.

Es bleibt also festzuhalten, dass für die Zukunft des Gamings neben der Frage, was spielst du, nun auch die Frage, welchen Controller spielst du, entscheidend geworden ist.

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