spielbar-Jugendredaktion

Die gamescom im Zeichen der Bewegungssteuerung!

25.08.2010
Die vergangenen Tage galten ganz den Computerspielen. In Köln fand die europäische Leitmesse für interaktive Spiele und Unterhaltung statt. Großes Thema in diesem Jahr: Bewegungssteuerung. Unsere Jugendredaktion hat den Trend genau unter die Lupe genommen. Hier die Eindrücke.

Was Nintendo mit der Wii bereits vor vier Jahren begonnen hat, will jetzt von Sony und Microsoft perfektioniert werden: Überall, wo man sich an den großen Ständen von Microsoft und Sony umsieht erkennt man den neuen Trend. Playstation Move und Kinect zieren allerorts Banner, Poster, Leinwände. Und sogar das Personal weist auf die bahnbrechende neue Technologie beider Firmen hin. Auch bei Drittherstellern, wie Ubisoft oder Electronic Arts, tanzen und fuchteln die Leute hin und her. Aber wie innovativ und wegweisend ist die neue Technik?

Sony schickt seine Wii-ähnliche Steuerung Move ins Rennen, die sich Mithilfe von Playstation Eye, Move Controller und Move Navigation-Controller (das Gegenstück zum Nunchuk der Wii) orientiert. Microsoft dagegen setzt komplett auf Körpereinsatz: Das unter dem Namen „Project Natal“ geführte System heißt nun „Kinect“ und bedient sich einzig einer hochauflösenden Kamera, die die exakten Körperbewegungen des Spielers übernimmt und in das Spiel überträgt. Die beiden Systeme funktionieren dabei sehr genau. Vor allem Kinect überzeugt im Praxistest und spiegelt Bewegungen genau wieder. Das lässt die Erwartungen der Spieler natürlich ordentlich steigen, in Zukunft innovative Titel mit einer nie dagewesenen Präzision steuern zu können.Im Gegensatz zur Wii Steuerung werben Microsoft und Sony außerdem damit, dass sowohl Kinect als auch Move selbst bei schlechten Lichtverhältnissen gut funktionieren sollen.

Microsoft: tolle Technik, nichts dahinter?

Leider gibt es, was das Softwareangebot angeht, neben bereits auf der Wii bekannten Casual Titeln wenig Innovatives zu sehen. Auf der Xbox 360 gibt es mit Kinect Adventures und Kinect Sports eine Sammlung von Minispielen und Sportarten, in denen ihr wahlweise gegen den Computer oder eure Freunde antreten könnt. In Kinect Sports kann zwischen verschiedenen sportlichen Aktivitäten, wie zum Beispiel 100-Meter-Lauf, Speerwerfen oder Fussball gewählt werden. Bei Kinect Adventures hat der Spieler eine bunte Auswahl von Minispielen zur Verfügung: Da gilt es Wildwasserfahrten in einem Ruderboot zu bewältigen. Oder man fährt mit einer Draisine über ein verwinkeltes Schienennetz und sammelt, wild mit Armen und Beinen fuchtelnd, Punkte. Dies gestaltet sich als äußerst einsteigerfreundlich und intuitiv, ausserdem macht es auch eine Menge Spass, aber wirklich neu sind diese Ideen nicht. Ganz im Gegenteil: Wo Peter Molyneux, der Erfinder von Titeln wie Fable oder Black & White, letztes Jahr noch mit seinen virtuellen Versionen von Milo geglänzt und die Gamerwelt fasziniert hat, wurde nun die Kinect Unterstützung für Fable III gestrichen. Und auf die Frage, wann wir denn „aufwändige Core Titel“ für die neue Technik von Microsoft sehen werden, wurde beharrlich geschwiegen.

On the Move!

Sony scheint da ein wenig anders zu arbeiten und bietet Anfang Herbst (kostenlose) Upgrades für Titel wie Heavy Rain, Tiger Woods PGA Tour 11 oder Resident Evil 5 an, die die Move Steuerung für solche Titel integrieren soll.
Die Titel, die eigens für Move entwickelt worden sind, glänzen dagegen nicht gerade durch neue Ideen. Da wären Titel wie Start the Party, die stark an die Eye Toy Titel der Playstation 2 erinnern, Sports Champion, Sonys Pendant zu Kinect Sports und Wii Sports, oder The Shoot, ein einfacher Railgun Shooter - alles schon einmal da gewesen!
Einzig das Beat‘em up The Fight, welches in einem düsteren Setting erscheint und den Spieler, dank Move Unterstützung, seine Bewegungen selbst ausführen lässt, wirkt wie ein erster Titel, der abseits der Partyspiele auch für Solospieler interessant werden könnte.
Zusammen mit dem neuesten Teil der SOCOM-Serie, die sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit in der Online Community erfreut, denn der neue Teil soll ebenfalls komplett mit Move steuerbar sein. Der Ego-Shooter hinterlässt nach erstem Antesten einen guten Eindruck. Doch ob die Spieler wirklich mehrere Stunden am Stück den Taktik Shooter mit den Move Controllern steuern wollen, oder doch lieber zum (klassischen) Controller greifen wird sich zeigen.

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Teures Vergnügen und Platzmangel

Ein weiteres Manko stellen in meinen Augen die Kosten und Nutzungsvorraussetzungen der Bewegungssteuerungen dar. Kinect schlägt mit einem Preis von 149€ zu Buche, währenddessen Sonys Move Controller, im Bundle mit der Playstation Eye Kamera nur 59€ kosten soll. Während man für Kinect nur einmal bezahlen muss, braucht man für viele Spiele, die Playstation Move unterstützen, noch den Move Navigation-Controller (je 29,99€), oder gar einen zweiten Move Controller (je 39,99€). Wenn man diese Ausrüstung dann noch einmal für einen zweiten oder sogar einen dritten und vierten Spieler haben möchte, wird es schnell sehr teuer.
Des Weiteren fällt auf, dass für die meisten Spiele sehr viel Platz benötigt wird, gerade Kinect nimmt den gesamten Körper des Spielers auf. So wird ein Mindestabstand von zwei Metern obligatorisch.

Und was ist mit uns Gamern?

Während Sony und Microsoft an ihren jeweiligen Ständen ihre neue Technologie präsentieren und zahlreiche kleine Testboxen für die Besucher aufgebaut haben, sind die bis dato für die Playstation und Xbox so zugkräftigen Core Titel, also Spiele die eine intensivere Beschäftigung erfordern, in den Hintergrund gerückt. Sony präsentiert Titel wie Infamous 2, Motorstorm Apocalypse, Killzone 3 oder das Prequel God of War: Ghost of Sparta (PSP), an gerade einmal zwei oder drei Konsolen . Microsoft hat den Core Games noch eine etwas größere Ecke gewidmet und zeigt exklusiv für die Xbox 360, Halo: Reach und Fable III.
Ansonsten werden nur Titel von Drittherstellern gezeigt. Allerdings können die mit einigen interessanten neuen Videospielen aufwarten. Wie zum Beispiel das neue Action Game von Platinum Games (Bayonetta, Mad World), Vanquish, in dem die Spieler in einem futuristischen Setting gegen allerlei Cyborgs kämpfen. Sie bedienen sich dabei einer coolen Rüstung, die es ihnen erlaubt mit einem Affenzahn über das Schlachtfeld zu schlittern und dabei Gegnern ordentlich einzuheizen. Oder das Action-Adventure Enslaved von Ninja Theory (Heavenly Sword), welches einen auf die Reise in eine zerstörte Welt schickt, die unserer gar nicht so unähnlich ist. Dort schlüpft der Spieler abwechselnd in die Haut der Helden Trip und Monkey, die nachdem sie von einem Sklavenhändlerschiff geflohen sind, eine unfreiwillige Partnerschaft eingehen.

Ein Blick in die Zukunft

In meinen Augen ist das Vorgehen von Microsoft und Sony verständlich. Schließlich hat sich die Wii, trotz bescheidener Grafik und Mangel an großen Blockbustern, zur bestverkauften Konsole überhaupt gemausert, weil jeder einmal „diese neue Technik“ ausprobieren wollte. Nun wollen die beiden großen Firmen ebenfalls ein Stück von dem Kuchen ab haben und das große Geld machen. Die Einführung von Move und Kinect wird wohl auch für die Xbox 360 und die Playstation 3 eine endlose Flut an Tanzspielen, Minispielsammlungen und anderem Casual Titeln bedeuten. In erster Linie ist das nicht weiter tragisch, denn der Käufer hat immer noch selbst die Entscheidung für welches Spiel er sich später entscheidet.
Meine Sorge besteht eher darin, dass Sony und Microsoft ihre bisherigen Kunden, nämlich die Core Gamer , vergisst und auf die Entwicklung großer Exklusivtitel in Zukunft weniger Augenmerk legt. Dabei haben diese, die Kunden als auch die Spiele, die Marken Playstation und Xbox zu dem gemacht, was sie heute sind.

Weiterführende Links

Neue Bewegungssteuerung – Voller Körpereinsatz auch für Hardcoregamer?

E3 2010 – Die Zukunft ist dreidimensional!

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