Marcus Lüpke & Ulf Neumann

„Gewaltprävention 2.0 – Digitale Herausforderungen“

16.07.2010
Medienpädagogische Praxisprojekte rund um die Themen Internet, Handy und Computerspiele vor dem Hintergrund der Präventionsarbeit. Die Autorinnen und Autoren sind Fachleute aus Wissenschaft und Praxis. Für pädagogisch Tätige und Interessierte.


„Häufig führt konstruktive Arbeit mit Neuen Medien aufgrund ihrer Verurteilung ein Schattendasein in der Pädagogik.“ (Lüpke/Neumann 2010, S.7)

Eltern und pädagogisch Tätigen fehlt es oft an Kenntnissen im Bereich Neue Medien und damit an einer Wissensgrundlage für ihren Erziehungsauftrag. Das führt dazu, dass Kinder und Jugendliche mit ihrer heutzutage selbst erworbenen, aber teils fehlgeleiteten Medienkompetenz allein dastehen. An diesem Punkt setzen Marcus Lüpke und Ulf Neumann mit dem Buch „Gewaltprävention 2.0 – Digitale Herausforderungen“ an. Die beiden Herausgeber sind selbst seit Jahren medienpädagogisch tätig. Lüpke ist Lehrer an der Albert-Schweitzer-Schule in Gifhorn, freier Journalist und Mitarbeiter der Medienberatung des Landes Niedersachsen, Neumann ist Diplom-Sozialpädagoge, Sozialmanager und Mediator. Während Lüpke verstärkt mit Schülerinnen und Schülern zusammenarbeitet, legt Neumann seinen Fokus seit einigen Jahren auf die Erwachsenenbildung. Zwei unterschiedliche Perspektiven fließen damit in das Buch ein.

Ziel der beiden Autoren ist, Möglichkeiten zum Austausch von Schüler- und Erwachsenenwissen darzulegen. Risiken, aber vor allem Chancen medienpädagogischer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sollen aufgezeigt werden. Aus dem Grund kommen auch Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft und Vertreter der Spieleindustrie zu Wort und berichten aus ihrer Arbeit und den dort gemachten Erfahrungen. Das Buch begrenzt sich nicht nur auf Computerspiele, sondern widmet sich auch Themen wie Sozialen Netzwerken, Cyberbullying und dem „Multimedium Handy“.

Insgesamt 15 Texte geben einen Rundumblick über alles, was mit Medien und Jugendschutz zusammenhängt, und vermitteln dabei unter anderem Hintergrundwissen. Aber auch medienpädagogische Praxisprojekte und Studien werden präsentiert. So stellt Meike Isenberg beispielsweise drei Forschungsprojekte zum Thema Computerspiele vor, unter anderem die Expertise der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) „Computerspiele und virtuelle Welten als Reflexionsgegenstand von Unterricht“. Zentrale Frage ist hierbei, „in welcher Form [eine] Auseinandersetzung [mit Games] sinnvoll erfolgen kann und unter didaktischen Gesichtspunkten erfolgen sollte“ (S.121). Da die Expertise noch nicht abgeschlossen ist, erläutert Isenberg lediglich Ziele. Markus Lüpke greift zusammen mit Susanne Eberlei ebenfalls das Thema Computerspiele auf. Ihr ihrem Aufsatz „Die Gamer -Generation aktiv im Unterricht“ beschreiben sie ausführlich eine thematisch an das Thema Computerspiele angelehnte Unterrichtseinheit, inklusive Ablauf, Resonanz und Ergebnis.

Leider trifft diese Ausführlichkeit nicht auf alle Praxisprojekte zu. Zwar werden jeweils Internetlinks zur tiefergehenden Beschäftigung angegeben, eine etwas ausführlichere Darstellung im Buch selbst wäre hier und da aber wünschenswert gewesen.
Fazit: „Gewaltprävention 2.0 – Digitale Herausforderungen“ bietet Pädagoginnen und Pädagogen zahlreiche Anregungen für die Arbeit mit neuen Medien. Aber auch Eltern oder andere interessierte Einsteiger erhalten mit dem Sammelband einen spannenden Einblick in die Thematik. Die Leserinnen und Leser werden durch die umkomplizierten und leicht verständlichen Texte ermutigt, sich mit den unterschiedlichen medialen Thematiken zu beschäftigen, um ein kritisch Medienbewusstsein bei sich, und später auch bei Kindern und Jugendlichen zu fördern.
„Kinder, Jugendliche und Erwachsene [sollten sich] auf einer gemeinsamen Ebene in den Diskurs bewegen. Dafür notwendig ist u.a. […] das ehrliche Interesse an dem was unsere Kinder und unsere Schüler tun.“ (Lüpke/Eberlei 2010, S. 158)

 


Das Buch

Lüpke, Marcus/Neumann, Ulf (Hrsg.) (2010): Gewaltprävention 2.0. Digitale Herausforderungen. Marburg: Schüren.
176 Seiten
Erschienen: Mai 2010
ISBN: 978-3-89472-227-2

 


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Anne Sauer
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