Studie zu Spielvorlieben

Wenn Gewalt, dann bitte mit Humor!

09.07.2010
Mädchen spielen Games. Trotzdem sind es prozentual noch immer weit weniger als Jungs. Woran liegt das? Gibt es einfach keine passenden Spiele für sie? Eine aktuelle Studie aus Belgien stellte sich genau diese Fragen und fand heraus, worauf es weiblichen Gamern bei Computerspielen ankommt.



Eine Forschergruppe an der Universität Gent in Belgien untersuchte dazu Spielvorlieben und –verhalten weiblicher Gamer im Vergleich zu männlichen Spielenden. Rund 1000 Testpersonen nahmen an der Befragung teil. Die Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht.

Demnach werden Mädchen, entgegen aller Vorurteile, nicht durch zu viel Action und Gewalt in Computerspielen abgeschreckt, solang ein humorvoller Unterton erhalten bleibt. Realistische Kampfszenarien gehören damit nicht zu den Präferenzen weiblichen Gamer.
Was Mädchen ebenfalls ablehnen sind Spiele, in denen weibliche Spielfiguren lediglich als Sexobjekt dargestellt werden. Die größte Abneigung diesbezüglich kam hier interessanterweise nicht von den Spielenden sondern den Nicht-Spielenden. Nichtsdestotrotz schlüpfen weibliche Gamer bevorzugt in die Rolle starker, schöner und femininer Charaktere ohne Sexualisierung.
Zudem bevorzugen Mädchen Spiele mit klaren Regeln und einfacher Bedienung. Ziele müssen erreichbar sein und Fortschritte sichtbar. Ist ein Spiel zu undurchsichtig beziehungsweise zu schwer oder tauchen gar komplizierte Tastenkombinationen auf, so die Studie, dann neigen Mädchen schnell zur Kapitulation. Der Grund: Sie seien weniger motiviert als Jungs, Zeit zu investieren, um den Umgang mit einem Spiel zu erlernen.
Überraschend ist auch die Tatsache, dass der Studie nach weniger Mädchen daran interessiert sind, soziale Kontakte über Computerspiele zu knüpfen. Viel wichtiger sei ihnen in einem Spiel Freiheit, Kontrolle, Wettbewerb und Immersion . Die Möglichkeit, eigene Entscheidungen im Spiel zu treffen und die virtuelle Welt frei entdecken zu können, motiviere sie zum spielen.
‘Girls like to game, but games are not well tuned to their interests.’
(Mädchen spielen gern, doch die Spiele sind nicht auf ihre Interessen abgestimmt.)

Der Studie zufolge fehlt es an Spielen, die direkt auf die Interessen und Wünsche weiblicher Gamer eingehen. Ein umstrittener Standpunkt, denn andere Stimmen finden sich beispielsweise auf der Webseite „gamergirls“. Eine Redakteurin, selbst Gamer, nimmt hier zur Pressemitteilung Stellung und distanziert sich dabei von der Verallgemeinerung der Vorlieben weiblicher Gamer: „Spieleentwickler machen natürlich nur selten Spiele, die speziell auf Frauen abgerichtet sind, aber wer denkt denn bitte ‘Komm, wir machen jetzt ein Spiel nur für Männer!‘ natürlich auch niemand. […] Wenn Spielentwickler versuchen ein Spiel speziell für Frauen zu machen, kommt meistens eh nur ein ödes Casualgame dabei raus“, so die Redakteurin.

Ganz außer Acht wird hier außerdem die Tatsache gelassen, dass ein Großteil der weiblichen Gamer noch immer bezweifelt, dass das Thema Frauen und Computerspiele gesellschaftlich anerkannt sei. Die Frage lautet daher vielleicht weniger, wie ein Spiel für Frauen aussehen muss, sondern vielmehr, warum überhaupt in Bezug auf Games zwischen den Geschlechtern unterschieden wird.

Weiterführende Links

Weibliche Gamer fürchten Stigmatisierung

“Am liebsten spiele ich Ego-Shooter” - Was Mädchen über Computerspiele denken

Weblink

Auszüge aus den Ergebnissen der Studie

Pressetext
Anne Sauer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

3 Kommentare

Tom Hartig schreibt:

Ich nehme an es ist einfach einfacher Geschlechtervorlieben (statistisch gesehen) zu befriedigen als Games zu machen die allen gleich gut(!) gefallen. Und qualitativ stehen die "Jungs-Spiele" besser dar (daher auch der Erfolg, nicht weil Jungs per se mehr spielen würden). Von daher doch gar nicht blöd zu gucken, wie man qualitativ hochwertige Mädchen-Spiele machen kann. Stört ja die Bi-Spiele nicht (Tolles Wort^^), wie z.B. die Sims. Dann wärs auch keine Männerdomäne mehr und Frauen würden nicht komisch angeguckt, wenn sie darin "wildern".

Das Genderthema hat ja nur rudimentär was mit dem Medium zu tun, es gibt ja auch bis heute Bücher die eher Frauen ansprechen, die eher Männer ansprechen und die bei beiden gleichermaßen beliebt sind. Es gibt keinen Grund, zielgruppenspezifische Angebote zu verdammen. Aber sie sollten gleichermaßen vorhanden sein.

Videospiele hatten einfach einen Startvorteil für die technikbegeisterten Männer, aber dieser Aspekt ist heutzutage ja fast null und nichtig geworden und äußerst sich höchstens noch in Kleinigkeiten wie der erwähnten Ablehnung von zu komplexen Tastaturkürzeln u.ä.

15.07.2010 um 19:48
Arne Busse schreibt:

Ja, wenn die Nachfrage überwiegend von Jungs kommt, dann ist es wahrscheinlicher mit einem Jungsspiel auf dem Markt richtig zu liegen. Denke auch, dass man Genderperspektiven für alle Medien finden kann.

Aber:
Es gibt gute und schlechte Spiele und dafür ist es erstmal egal, wer denn das Spiel nach Ansicht der Entwickler spielen soll. Gute Spiele sind nicht Spiele für XY, zumal wenn damit ungerechte Darstellungen von Mann oder Frau einhergegehen.

Wenn "Freiheit, Kontrolle, Wettbewerb und Immersion" tatsächlich die interessanten Aspekte für Frauen/Mädchen sind, dann sehe ich sowieso nicht, warum frauenspezifische Spiele entwickelt werden sollten oder was diese tatsächlich sein könnten. Sind wir daran nicht alle beim Spielen interessiert? Sicherlich kann es Themen udn Szenarien, settings etc. geben, in denen Männer lieber spielen als Frauen, aber entscheidend ist doch eher das game play.

16.07.2010 um 17:34
Tom Hartig schreibt:

Nicht, dass wir uns missverstehen: Natürlich sage ich nicht, dass auf-Jungs-ausgerichtete-Spiele besser sind weil sie auf Jungs ausgerichtet sind. Aber es ist ja logisch, dass die Publisher in alte Erfolgsrezepte lieber investieren als in innovative Risikoprojekte. Und bei der zumindest früher eindeutig überwiegenden männlichen Spielerschaft heißt das: Perfekte Grafik, flüssiges (wenn auch wenig innovatives) Gameplay etc. landet beim x-ten Call-of-Duty-Teil, FIFA-Aufguss etc., während weniger genderspezifische, innovative Games häufig aus dem Indie-Sektor oder zumindest aus den kleineren Studios kommen, mit den entsprechenden Kinderkrankheiten. Gibt natürlich auch eine Menge ausnahmen, man denke etwa an Civilisation.

Gehe vollkommen d'accord, dass die aufgeführten Aspekte doch eigentlich für jeden Spieler gelten. Ich sehe da eher einen Mangel in der Untersuchung. Weil im Umkehrschluss hieße das ja: Es gibt also zu wenig gute Spiele, deswegen spielen Frauen weniger und die männlichen Spieler lassen sich scheinbar von unwesentlichen jungsspezifischen Oberflächlichkeiten blenden? Ich denke es gibt durchaus einige gute Spiele, allerdings sollte man darauf achten, die Settings und die Identifikationsmöglichkeiten neutraler zu gestalten.

17.07.2010 um 10:51


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