4. Medienpädagogische Netzwerktagung

Fokus Elternarbeit

07.07.2010
Am 11. und 12. Juni lud das Institut Spielraum zur Medienpädagogischen Netzwerktagung nach Köln. Bereits zum vierten Mal trafen sich Expertinnen und Experten aus der Medienpädagogik zum gemeinsamen Austausch und zur Vernetzung. In diesem Jahr stand das Thema Elternarbeit im Fokus. Hier ein Rückblick.




Eltern haben ihren Kindern gegenüber einen Erziehungsauftrag, kennen sich aber oft kaum in deren (medialen) Welt aus. Die Basis für konstruktive Konfliktlösung fehlt ihnen in dem Fall. Das hat zur Folge, dass Eltern zunehmend in den Fokus medienpädagogischer Arbeit rücken. In Deutschland leben derzeit 20 Millionen Eltern, die es mit entsprechenden Informations- und Hilfsangeboten zu erreichen gilt. Ein spezielles Interesse gilt dabei auch den Härtefällen, mindestens 15%, die bislang noch gar nicht durch solche Angebote erreicht werden.

Was also muss getan werden, um eben jene Erziehungsberechtigte für das Thema (neue) Medien zu sensibilisieren? Oder anders formuliert: Wie kommen Eltern mit Medien ins Spiel? Diese Frage warf Prof. Dr. Jürgen Fritz, Fachhochschule Köln, zu Beginn seiner Einführung zur Netzwerktagung auf. Seine Vorstellung von erfolgreicher medienpädagogischer Elternarbeit: ein modulares, ineinander verknüpftes Konzept verschiedenster Vermittlungsmethoden, das Verständnisbrücken baut – zwischen der Sichtweise der Eltern und der Sichtweise der Kinder. Denn erst das Verständnis der Eltern über die Motive ihrer Kinder bilde die Basis, um auf neue Medien bezogene Konflikte innerhalb der Familie konstruktiv zu lösen, so Fritz.

Wie Elternarbeit im Speziellen aussehen kann, zeigten die folgenden zwei Veranstaltungstage. Expertinnen und Experten der Medienpädagogik stellten erfolgreiche Praxisprojekte und Initiativen zum Thema vor. Am ersten Tag galt die Aufmerksamkeit vor allem Projekten, die sich direkt an die Zielgruppe Eltern richten. Vorgestellt wurden das Hilfsprojekt „Elterntalk“ von der Aktion Jugendschutz, „Wege durch den Mediendschungel“ vom Deutschen Kinderschutzbund und das Elternseminar der Drogenhilfe Köln „Wer ist Mr. Lan und warum geht Miss Chatty nicht zu seinen Partys?“. Im Anschluss an die Vorstellungen konnte man sich in kurzen Praxisworkshops ein Bild von den vorangegangenen Konzepten und Methoden machen. Während „Elterntalk“ eher auf unterschwellige Wissensvermittlung innerhalb von Gesprächsrunden unter Eltern abzielt, sind die anderen beiden Angebote als Seminare aufgebaut, die vorrangig Orientierungswissen vermitteln. Parallelen fanden sich dennoch in allen Ansätzen. So sah zum Beispiel jedes der Projekte die Eltern in der Expertenrolle und versuchte mehr oder weniger einen Raum zum Erfahrungs- und Informationsaustausch zu schaffen.
Am zweiten Veranstaltungstag rückten Projekte in den Vordergrund, die sich vorrangig mit der Ausbildung von Multiplikatoren der Medienkompetenz beschäftigten, darunter das Projekt „Eltern-Medien-Trainer“ von der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen und die Initiative „Eltern & Medien“ der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen.

Alle Projekte finden sich auch in dem kürzlich fertig gestellten Bericht der ressortübergreifenden Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Medienkompetenz“, vorgestellt durch Walter Staufer, Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Der Bericht versteht sich als Handlungsempfehlung an die Politik, „eine Art „Weißbuch“ über bestehende bundesweite Aktivitäten & über Methoden und Wege, wie Medienkompetenz gestärkt werden kann“. Die Veröffentlichung der Ergebnisse soll in naher Zukunft erfolgen.

Die zweitägige Veranstaltung wurde mit einer Diskussion im großen Kreis abgerundet. Neben einer Zusammenfassung der Erkenntnisse beider Tage wurde den Teilnehmenden hier noch einmal die Möglichkeit zum Austausch geboten. Inhaltlich waren sich die Teilnehmenden über folgende Punkte einig:

  • • Medienpädagogische Elternarbeit ist sinnvoll und notwendig. Der Informations- und Weiterbildungsbedarf ist generell vorhanden.

  • • Viele medienpädagogische Projekte der Elternarbeit zielen auf eine reine Vermittlung von Orientierungswissen ab. Die Schulung der methodischen Kompetenz im Umgang mit Kindern und Medien kam bislang etwas zu kurz, sollte aber keinesfalls außer Acht gelassen werden.

  • • Eltern sollen zur Vernetzung und zum gegenseitigen Austausch motiviert werden, um eigenen Methoden im Umgang mit Kindern weiter entwickeln zu können.

  • • Um Nachhaltigkeit beziehungsweise Ganzheitlichkeit zu garantieren, müssen alle Generationen angesprochen werden - Eltern, Lehrkräfte und auch die Kinder - und das über einen längerfristigen Zeitraum.


Auf die Frage, die zu Beginn der Veranstaltung im Raum stand, nämlich wie man die 15% der Eltern erreichen kann, die klassische Informationsangebote von sich aus nicht wahrnehmen, hatten die Teilnehmenden jedoch keine hundertprozentige Antwort. Hier schien der Ansatz von „Elterntalk“ noch am ehesten Ergebnisse erzielen zu können. Die Gespräche, die hier in heimischer Atmosphäre geführt werden, werden von teilnehmenden Erziehungsberechtigten durchaus in eigenständig organisierten Talkrunden weitergeführt, so Angelika Schmiedt da Silva, Aktion Jugendschutz.

Weiterführender Link

Von Todsünden und Praxisprojekten – Die 3. medienpäd. Netzwerktagung

Weblinks

Institut Spielraum der FH Köln
Anne Sauer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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