Cheaten

Eigener Komfort vs. Fairness

10.06.2010
Niemand verliert gerne. Deshalb bedienen sich einige Gamer sogenannter Cheats, die ihnen das Spiel erheblich erleichtern. Doch wenn es darum geht, sich gegenüber anderen Mitspielenden einen Vorteil zu verschaffen, versteht die Gamer-Community keinen Spaß.

Unsterblich sein, unendlich viel Munition zur Verfügung haben, die Treffsicherheit präzisieren, Tastendrücke automatisieren, durch Wände sehen – alles Beispiele für sogenannte Cheats. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Schwindel“ oder „Betrug“. Gemeint ist damit die direkte Beeinflussung des Spielverlaufes, um sich spielerische Vorteile zu verschaffen. Cheats gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Sie können zum einen im Spiel selbst implementiert sein. Dabei handelt es sich meist um von Entwicklern zu Testzwecken in die Spiele einprogrammierte Hilfestellungen. Aber auch die Ausnutzung von Fehlern, die vom Entwickler noch nicht erkannt oder ausgebessert wurden, zählt als Cheaten. Zum anderen bedienen sich einige Gamer auch spezieller externer Programme, um zu cheaten. Makros beispielsweise gaukeln dem Spiel Eingaben wie Tastendrücke oder Mausbewegungen vor, ohne dass sie der oder die Spielende wirklich ausführt. Damit können Eingaben schneller, präziser und auch ausdauernder ausgeführt werden. Eine Erweiterung solcher Makros stellen Bots dar. Das sind programmierte Spielcharaktere, die eigenständig auf Ereignisse im Spiel reagieren. Das heißt die Spielenden müssen nicht mehr aktiv am Spiel teilnehmen, sondern können den Bot durch die virtuelle Welt schicken und Gegenstände suchen oder Erfahrungspunkte gewinnen lassen.
Das sind nur einige Beispiele möglicher Cheats. Wir erheben an dieser Stelle keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Bei Singleplayer-Spielen werden Cheats jeglicher Art im Allgemeinen geduldet. Letztendlich müssen hier die Spielenden mit sich selbst ausmachen, ob sie mogeln möchten oder nicht. Anders sieht das bei Multiplayer - und Onlinespielen aus, bei dem die Entscheidung zu cheaten andere Spielende direkt betrifft. Sich selbst gegenüber den Anderen einen Vorteil zu verschaffen wird als unfair betrachtet und von fair spielenden Gamern missbilligt. Trotzdem wird gerade hier häufig versucht zu schummeln. Der Grund: In Computerspielen, in denen zahlreiche Spielende mit- und gegeneinander spielen, ist der Wunsch nach Anerkennung stark, sei es durch besonders auffällige Spielfähigkeiten oder den Besitz besonders guter Ausrüstungsgegenstände. Beides kann komfortabel mit Hilfe von Cheats erreicht werden – doch zu welchem Preis?

Cheaten senkt den Spielspaß für die fair Spielenden, was wiederum Auswirkungen auf den Erfolg des Spiels hat. Aus diesem Grund liegt es auch im Ermessen der Entwickler, das Cheaten durch integrierte Anti-Cheat -Programme so gut wie möglich zu unterbinden beziehungsweise aufzudecken.
Wird ein Gamer als Cheater überführt sind die Konsequenzen recht unterschiedlich. Es fängt bei Verwarnungen an und geht bis zur Account -Löschung. Besonders hart kann die Bestrafung im E-Sport ausfallen, bei dem Cheaten ähnlich Doping geahndet wird. Die Electronic Sports League (ESL) beispielsweise, die europaweit größte E-Sport -Liga, fordert von ihren Ligenteilnehmenden persönliche Daten ein. Wer in der Pro Series oder Amateur Series spielen möchte, muss der ESL eine Kopie seines Ausweises zukommen lassen. So können bei nachgewiesenem Betrug nicht nur Spieler-Accounts oder Nicknames sondern auch die Person dahinter gesperrt werden. Wer hier schummelt riskiert viel.
Viel schlimmer als solche Sperrzeiten sind jedoch die Konsequenzen innerhalb der Gamer-Community. Wer einmal als Cheater enttarnt wurde, dem hängt der schlechte Ruf in der Szene meist ein Leben lang an. Einmal Cheater, immer Cheater – so die Meinung der Community.

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E-Sport
Anne Sauer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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