Das Gesetz der Serie

22.06.2010
Final Fantasy, Super Mario, Prince of Persia, Resident Evil, FIFA – das sind nur einige Beispiele aktueller Fortsetzungen bekannter Computer- und Konsolenspiele. Seit Jahren setzen Entwickler auf altbewährte, statt neue und innovative Spielkonzepte.


 



Schaut man sich aktuelle Release-Listen der Computer- und Konsolenspiele an, dominieren Fortsetzungen bekannter und erfolgreicher Titel. Helden wie Super Mario oder der namenlose Prince of Persia beispielsweise bleiben seit Jahrzehnten mit aktuellen Spielen im Gespräch. Auch Sport- und Rennspiele, wie die FIFA- oder Pro Evolution Soccer oder Need for Speed-Reihe, kommen in regelmäßigen Abständen neu aufgelegt auf den Markt. Dabei grenzen sich die Spiele abgesehen von verbesserter Grafik oder zusätzlichen Gegenständen und Charakteren kaum von ihren Vorgängern ab. Doch warum kommen nur so selten wirklich neue Spielkonzepte auf den Markt? Fehlt es an Spielideen?

Computer- und Konsolenspiele zu entwickeln und zu vermarkten kostet Geld. Marken werden aufgebaut und gepflegt, denn ist ein Spiel erst als Marke etabliert, garantiert es hohe Absatzzahlen. Nicht selten werden anderen Medien mit einbezogen. Jüngstes Beispiel ist die aktuelle Verfilmung von „Prince of Persia: Der Sand der Zeit“ nach dem gleichnamigen Computerspiel von 2003. Parallel zum Film wurde das Spiel Prince of Persia: Die vergessene Zeit released. Inhaltlich kaum innovativ, lebt das aktuelle Spiel von seinem seit über 20 Jahren bewährten Spielprinzip und dem bekannten Helden.
Neben den garantierten Einnahmen bei Fortsetzungen bekannter Titel, sparen die Hersteller auch Entwicklungskosten. Die können wiederum in die Verbesserung eines bereits existierenden Titels investiert werden. So nahmen die Entwickler zum Beispiel im aktuellen Resident Evil Kritikpunkte von Spielenden zu den Vorgängern ernst und verbesserten daraufhin die Steuerung. Auch bei Assassin’s Creed 2 wurden Schwächen des Vorgängers bezüglich des Gameplays verbessert. Damit profitieren nicht nur die Spielehersteller von Fortsetzungen.

Es gibt allerdings noch weitere Gründe, warum Fortsetzungen auch bei den Spielenden sehr beliebt sind: Zum einen bauen Gamer oft eine gewisse Beziehung zu den Spielcharakteren auf. Haben sie einen Charakter lieb gewonnen fällt es schwer, Abschied zu nehmen. Fortsetzungen ermöglichen ihnen in dem Fall, die Geschichten ihrer Lieblingscharaktere weiterzuerleben. Sie versprechen gleichen Spielspaß mit bekannten Charakteren aber auch Abwechslung zur bereits bekannten Version.
Zum anderen wissen die Spielenden im Voraus ungefähr was sie erwartet, wenn sie den Vorgänger zu einem Spiel kennen. Böse Überraschungen bleiben ihnen erspart. Aus dem Grund werden Fortsetzungen vielen brandneuen Spielen vorgezogen, auch wenn diese gleich viel oder sogar mehr kosten.

Kein Wunder also, dass große Hersteller von Computerspielen lieber auf bewährte Konzepte setzen als auf innovative Spielideen, die nicht nur angesichts der momentanen Wirtschaftlage ein finanzielles Risiko darstellen. Änderungen sind in Zukunft vorerst nicht zu erwarten. Bevor die Spielenden nicht auch wirklich innovative und neue Ideen mit entsprechenden Verkaufszahlen belohnen, wird die Fortsetzungsflut bei Computerspielen anhalten. Da ist es beruhigend zu wissen, dass es unabhängige Entwickler von Independent Games gibt, die mit ihrer Experimentierfreude und dem Mut für Neues immer wieder frischen Wind in die Computerspieleindustrie bringen.

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Independent Games
Anne Sauer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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