Serious Games for Health

06.11.2009
Ein Spiel spielen und dabei gleichzeitig etwas für die Gesundheit tun? Serious Games for Health sind im Vergleich zu anderen Computerspiel-Genre auf dem Spielmarkt zwar noch ein Nische. Doch ein Spieletrend geht in Richtung Sport, Gesundheit und Ernährung.

 



„Das Spiel ist der Weg der Kinder zur Erkenntnis der Welt, in der sie leben!“, sagte schon der Schriftsteller Maxim Gorki. Dem ist sich die Computerspielbranche durchaus bewusst. Im Spiel begreift ein Kind die Welt um sich herum, sich selbst durch Geschehnisse und Situationen, Beobachtungen und Erlebnisse. Sogenannte „Serious Games“ (eng. ernste Spiele) bieten neue Möglichkeiten des Lehrens und Lernens. Spielerisch aufbereitetes Wissen und Fähigkeiten sollen auf spannende und unterhaltsame Weise vermittelt werden. Der Einsatz von Serious Games beschränkt sich jedoch nicht nur auf die klassische Vermittlung von Wissen. Unter den Begriff fallen Spiele, die speziell dafür konzipiert wurden, einen positiven Effekt auf die Anwenderinnen und Anwender zu haben. Dieser kann psychischer oder physischer Natur sein. Der Computerspiele-Trend geht in die Richtungen Sport, Gesundheit und Ernährung.

Gesundheit durch Bewegung und richtige Ernährung

Bereits seit einigen Jahren erfolgreich auf dem Markt sind die Exergames (zusammengesetzt aus den Wörtern „exercise“ und „games“), eine Mischung aus Spielen und Training. Sie bringen Bewegung ins Spiel. Die wohl bekanntesten Vertreter sind die Tanzmatte Dance Dance Revolution oder Wii Sports. Bei diesen Spielen steht hauptsächlich der Spaßfaktor im Vordergrund, die Bewegung, die die Spielenden zur Bewältigung des Spiels benötigen, ist ein positiver Nebeneffekt. Ähnliche Angebote wie der Bodyracer, Teil des MyVITness-System von OK-Vital, sollen ebenfalls zur sportlichen Betätigung anregen. Mit diesem speziellen Gamecontroller wird der gewöhnliche Heimtrainer mit dem Computer beziehungsweise der Konsole verbunden. So ist es den Spielenden möglichen, ihre bereits vorhandenen Computerspiele mit Körpereinsatz zu spielen. Dafür sind keine Spiel-Neuanschaffungen nötig. Diese Spiele sollen den regulären Sport nicht vollständig ersetzen, können aber durchaus einen Anreiz geben.

Auch im Bereich der Ernährung sollen Spiele animieren. Das große Sarah Wiener Kochspiel zeigt den Spielenden verschiedene Gerichte, die sie virtuell nachkochen. Das soll Kindern Lust auf gesundes Essen machen. Das Spiel holt die Spielenden vor dem Computer ab und soll sie direkt in die Küche bringen, wo sie selbst die bereits virtuell gekochten, gesunden Gerichte nachkochen können.
Die Auswirkungen von gesundem und ungesundem Lebensstil werden zum Beispiel in dem kostenlosen Spiel Fatworld anhand einer virtuellen Spielfigur visualisiert. Die Spielenden steuern ihren Avatar durch eine virtuelle Stadt. Es bleibt dabei jedem selbst überlassen, was eingekauft und gegessen wird, ob Sport getrieben wird oder nicht. Jede Entscheidung hat Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der virtuellen Spielfigur. Längerfristig sollen die Spielenden so zu einem gesunden Lebensstil angeleitet werden.


Medizinische & wissenschaftliche Anwendung von Computerspielen

In der Medizin werden Serious Games bereits zu Therapiezwecken eingesetzt. Das wohl bekannteste Beispiel ist Re-Mission. Das kostenlose Spiel wurde speziell für Kinder und Jugendliche mit bösartiken Tumorenkrankheiten entwickelt, die durch das Spiel ihre Angst vor der Krankheit und den Therapien verringern sollen. Während sie spielen, lernen die krebskranken Kinder, was genau in ihrem Körper geschieht, und wie sie ihre Krankheit bekämpfen können. Die Spielenden schlüpfen in die Rolle von Roxxi, einem Nanoroboter und begeben sich auf die Jagt nach Tumorzellen. Gewappnet mit Chemo-Waffen, Antibiotika und anderen Medikamenten, ziehen die Spielenden in den Kampf gegen die Krankheit und deren Symptome.

Kindern, die an Diabetis leiden, wird durch das Spiel GlucoBoy das tägliche Blutzucker-Messen erleichtert. Mit dem Diabetis-Messgerät als Aufsatz für den Game Boy Advance, wird das Spiel abhängig von den Blutwerten gemacht. Nur wer Blut gibt, kommt im Spiel weiter. Weisen die Spielenden gute Messwerte auf, werden Bonuspunkte gesammelt und Extra-Level freigeschalten.
Das Negative wird so zu etwas Positivem gemacht. Im Spiel wird den Kindern beiläufig die Notwendigkeit der täglichen Tortur bewusst gemacht.

Das Vorurteil, Serious Games for Health seien langweilig oder optisch nicht ansprechend, wirkt überholt. Wie die kleine Auswahl an Beispielen bereits zeigt, gibt es in dem Genre derzeit schon grafisch überzeugende Spiele, die gleichzeitig auch Spaß machen.

Weiterführende Links

Games for Health Conference

Spiel Fatworld

Spiel Re-Mission

Umfassende Übersicht von Marc Prensky zu mehr als 500 Serious Games

Weblinks

Spielend Lernen in der Schule? Ein Serious Game für den Geschichtsunterricht

Serious Games Award 2009
Anne Sauer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

3 Kommentare

Roland Weiniger schreibt:

Danke für den hilfreichen Artikel. Je mehr Serious Games den Weg in die breite Öffentlichkeit finden, desto ansprechender werden auch die (Game) Designs werden.

Ich möchte ergänzend noch auf das Thema Silver Gaming im Umfeld von Health Games hinweisen, also Spiele für die Generation 50+. Am 25. Januar 2010 findet hierzu eine eigens gestaltete Pre-Konferenz im Rahmen des 3. AAL-Kongresses (Ambient Assisted Living) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Verband für Elektrotechnik (VDE) statt.

http://www.aal-kongress.de/pre-conference-201esilver-gaming-und-aal201c

05.11.2009 um 14:57
Ulrike Kassube schreibt:

Wann kann ich imagine earth für den PC erwerben?

17.02.2010 um 16:33
Anne Sauer (Redaktion spielbar.de) schreibt:

Ein genaues Release-Datum für "Imagine Earth" kann laut Aussagen der Entwickler derzeit noch nicht genannt werden.
Wir behalten das Projekt jedoch weiterhin im Auge und berichten gegebenenfalls darüber.

25.02.2010 um 12:19


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