Trendbarometer gamescom?

01.09.2009
Bezüglich der Gästeanzahl konnte sich die gamescom ohne Zweifel sehen lassen. Innovationen und neue Trends suchte man dagegen vergebens. Altbewährte Konzepte bestimmten das Bild in den Messehallen.

 




Wer nur spielen wollte, kam auf der gamescom ohne Zweifel auf seine Kosten. Schließlich luden unzählige Stände zum Probieren ein. Besonders die Möglichkeit, neue Games wie Diablo 3, Gran Turismo 5 oder Tekken 6 noch vor dem Erscheinen zu testen, lockte am Samstag Massen in die Messehallen. Reichlich Anklang fanden auch die mehr oder weniger brauchbaren Mitbringsel, welche es an unzähligen Ständen zu erhaschen gab. Wer allerdings auf der Suche nach spannenden Neuigkeiten war, hatte es nicht leicht. Echte Innovationen oder gar Ausblicke in die Zukunft der Videospiele fanden Interessierte auf der Messe nicht. Wo waren die großen Pressekonferenzen, auf denen Branchengrößen ihre Visionen und Strategien ausbreiten? Hatten sie ihr Pulver schon auf der diesjährigen E3 in Los Angeles verschossen? Nahm man Köln nicht ernst? Ist die Wirtschaftskrise schuld?

Einige Unternehmen, wie beispielsweise THQ, waren erst gar nicht auf der gamescom vertreten. Richtig ins Zeug legten sich vor allem die Dritthersteller. Nintendo und Microsoft beschränkten sich dagegen auf ein offensichtlich abgespecktes Angebot und hatten wenig Spektakuläres in petto. Nur Sony glänzte mit einer gebührenden Pressekonferenz und einer kleinen Sensation. Denn die seit einiger Zeit kursierenden Gerüchte um die PS3 Slim wurden auf der Messe offiziell bestätigt und die neue Konsole erstmalig dem Publikum präsentiert. Der Playstation 3 Nachfolger ist nicht nur schlanker, sondern verbraucht auch weniger Strom und ist günstiger als sein Vorgängermodell.

Fast alle auf der gamescom vorgestellten Spiele wurden bereits in Zeitschriften und auf Internetplattformen angepriesen. Von den meisten hatte man schon gelesen oder sogar Screenshots und Videoclips gesehen. Von großen Ankündigungen wurde im Vorfeld der Messe gesprochen. Leider entpuppten sich diese dann oft nur als kleine Häppchen. Zusätzliche Trailer, Veröffentlichungstermine sowie Informationen zu neuen Levels oder Charakteren vermochten den Hunger nach Neuigkeiten nicht zu stillen. Das Fortsetzen oder Aufgreifen bewährter Konzepte zog sich durch alle Messehallen. Final Fantasy 14, Need for Speed 13 oder FIFA10, ein neues Wintersportspiel mit Mario und Sonic oder die tragbare Variante erfolgreicher Konsolenspiele – Recycling ist angesagt und scheint sich zu rechnen. Die langen Schlangen vor den Ständen deuteten jedenfalls darauf hin.

Für etwas Abwechslung sorgte das interessante Konzept von Scribblenauts. Der Held Maxwell sieht sich im Laufe des Spieles immer wieder mit verzwickten Problemen konfrontiert. Hilfe erhält er durch die Spielenden, welche ihn mit potentiell nützlichen Gegenständen versorgen. Man gibt einfach das entsprechende Wort auf dem Touchpad des Ds ein und schon erscheint das dazugehörige Objekt im Spiel. Ideenreichtum um Experimentierfreude sind gefragt. Schließlich kennt Scribblenauts unzählige Wörter und es führen viele Wege zum Ziel.

Besonders inflationär ging es im Bereich der Musikspiele zu. Sie waren überall, die kleinen oder großen Bühnen, auf denen sich mittelmäßig motivierte Teenager mit steifer Körperhaltung und Blick in Richtung Monitor an Plastikinstrumenten und Mikrofonen zu schaffen machten. Dementsprechend lieferten Branchengrößen wie EA, Blizzard oder SCE weitere Editionen oder Modifikationen ihrer bisherigen Erfolgsprodukte. Ob nun DJ Hero oder Guitar Hero, ob Singstar Mallorca Party oder High School Musical, das Spielprinzip bleibt das Gleiche und kommt so oder so gut an. Doch damit nicht genug, auch Genreneulinge präsentierten auf der gamescom eigene Musikspiele oder Zusatzcontroller für andere Hersteller.

Der Trend zur bewegungssensitiven Steuerung scheint weiterhin ungebrochen. Folglich gab es unzählige Spiele für Nintendo Wii zu bestaunen. Das von Microsoft auf der E3 vorgestellte Project Natal suchte man dagegen vergebens. Windows 7 schien wichtiger. Sony hatte mit seinem virtuellen Haustier, dem Eye Pet, schon etwas mehr zu bieten. Das Konglomerat aus weiterentwickelter Eye Toy Kamera und Strichcodekarten soll neue Möglichkeiten eröffnen. Mit Händen und Karten interagiert man mit einem affenartigen Wesen. Selbst auf Papier gezeichnete Objekte finden ihren Weg ins Spiel. Allerdings kommt auch Eye Pet nicht gänzlich ohne Controller aus und das Herumalbern mit einem virtuellen Haustier erschöpft sich mit der Zeit. Ob dieses Konzept auch bei anderen Spielen funktioniert, wird sich zeigen.
Torsten Bachem
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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