Games Convention Online – klein, aber fein?

04.08.2009
Jahr eins nach der Games Convention. Mit neuem Konzept konzentriert sich die Messe Leipzig auf Online- und Browserspiele, und liegt damit voll im Trend. Der große Publikumsmagnet ist sie damit allerdings nicht. spielbar hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

Insgesamt 43.000 Gamer lockten die 74 Aussteller an drei Tagen in die Hallen, so zumindest die offiziellen Angaben der Leipziger Messe. Zum Vergleich: im vergangenen Sommer kamen über 200.000 Besucherinnen und Besucher zur Games Convention, bei knapp 550 Ausstellern. Die deutlichen geringeren Zahlen verwundern nicht, schließlich werden sich die im Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) organisierten Branchengrößen dieses Jahr erstmals auf der gamescom in Köln präsentieren.

Aufgrund der Kölner Konkurrenz änderte die Messe Leipzig nun ihre Strategie. Sie setzt auf eine viel versprechende Nische, die der Onlinespiele. Ein an sich guter Schachzug, denn kein Bereich der Branche wächst so stark und zeigt sich derart krisenresistent. Nicht alles jedoch, was in den Bereich der Onlinespiele fällt, konnte auch tatsächlich in Leipzig bestaunt werden. Die Messe beschäftigte sich zwar mit dreierlei, Browser-, Client- und Mobile-Games, gerade von mobilen Spielangeboten war aber wenig zu sehen. Außerdem fehlten die Anbieter aufwendiger MMORPGs wie World of Warcraft oder Warhammer Online, die sich alle in Köln zeigen werden.





Das GTA-ähnliche PoisonVille

Was es dagegen im Publikumsbereich reichlich zu sehen gab, waren Browserspiele. Hier setzten sich vor allem die beiden großen Anbieter in Szene: Gameforge und Bigpoint, beide aus Deutschland. An deren Ständen sammelte sich das überwiegend jugendliche Publikum. Die dort gezeigten Spiele sind einfach gehalten und grafisch wesentlich weniger ausgereift als viele PC- und Konsolenspiele. Dafür sind sie technisch leicht zugänglich und meist kostenlos spielbar, da die Hersteller sich über Micro Transactions finanzieren. Vor allem die nachwachsende Onlinegamer-Generation weiß diese Vorzüge zu schätzen, weil nicht erst kostspielige Gerätschaften angeschafft werden müssen. Da kann der neue Bigpoint-Titel „PoisonVille“ geradezu als Kampfansage an die etablierte Spielebranche gewertet werden. Das browserbasierte „Third Person Action MMORPG “ ist, wie unschwer zu erkennen ist, deutlich an die populäre „Grand Theft Auto“-Reihe angelehnt.





Nur noch vereinzelt kam
die ausgelassene Stimmung auf,
die für die Games Convention einst so typisch war

Von Gameforge und Bigpoint abgesehen, zeigte sich nur noch eine Handvoll kleinerer Spielanbieter auf der Messe. Die Anzahl von 74 Ausstellern täuscht, da der Großteil entweder nur im Businessbereich vertreten war, zum Rahmenprogramm zählte oder mit einem Infostand auf der Messe war. Die „Fantasy World“, in der tatsächlich die neuesten Spiele präsentiert wurden, umfasste nicht einmal eine halbe Messehalle. Der restliche Platz wurde mit mehreren Eventbühnen, einer ausgedehnten „Free Gaming Area“ sowie den World Cyber Games aufgefüllt, die in Leipzig die National Finals austrugen. Mit dem Thema Jugendschutz beschäftigte sich zudem „Online4Family“, ein federführend von der Universität Leipzig gestalteter Bereich. Hier standen verschiedene Institutionen den Besucherinnen und Besuchern Rede und Antwort.

Insgesamt hinterließ der Publikumsbereich damit ein durchwachsenes Bild. Die Stände waren weniger spektakulär als in der Vergangenheit, was auch an den „einfacheren“ Browserspielen liegt, dafür gab es deutlich mehr Möglichkeiten, selbst Spiele zu testen. Um überregionale Anziehungskraft zu entfalten, war der Publikumsbereich der Games Convention Online aber schlicht zu klein. Vielleicht liegt die Zukunft der Messe ohnehin eher im Businessbereich. Mit Südkorea konnte dieses Jahr ein für die Branche attraktives Partnerland gewonnen werden. Dort haben Browserspiele bereits einen wesentlich höheren Stellenwert als hierzulande. Aufgrund des Wachstumspotenzials des Marktes scheint im Businessbereich eine Fortsetzung jedenfalls garantiert. Für das Publikum, die Gamer, dürfte das Konkurrenzevent in Köln auf absehbare Zeit aber attraktiver sein.

Weiterführende Links

„Micro Transactions“ – Computerspiele in Häppchen bezahlen

spielbar-Schwerpunkt Onlinespiele

Weblink

Games Convention Online
Tobias Miller
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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