Glanzstücke der Indieszene

13.01.2011
Experimentieren erwünscht: Indiegames bilden das kreative Gegengewicht zu großen Produktionen kommerzieller Hersteller. Sie sorgen immer wieder für frischen Wind in der Gameslandschaft. spielbar stellt die neusten Glanzstücke vor.

 




Das kostenlose Browserspiel Scarygirl ist das Werk des australischen Künstlers Nathan Jurevicius. Ein kleines Mädchen mit Tentakelarmen und Augenklappe lebt auf einer verwunschenen Insel. Sie ist von Alpträumen geplagt. Diese drehen sich um einen geheimnisvollen Mann, den es zu finden gilt. Nur so lassen sich ihre schlechten Träume beenden und damit das Schicksal des Mädchens entscheiden. Die Spielenden erkunden nun in der Rolle von Scarygirl die Insel- sowie Unterwasserwelt und müssen kleine Rätsel lösen. Natürlich trifft man dabei auch auf andere Wesen und nicht alle davon sind einem freundlich gesonnen. Das Spiel besticht vor allem durch die schöne und detailreiche Comic-Grafik, ansprechende Soundeffekte und intelligenten Witz.

In Blueberry Garden, dem Gewinnerspiel des diesjährigen Independent Games Award, kommt vorerst besinnliche Stimmung auf. Den Spielenden präsentiert sich eine kunstvoll gezeichnete und friedliche Welt. Es gibt schwebende Felsplattformen mit Blumen, Büschen und Bäumen. Diese tragen riesige Beeren und zapfenartige Früchte. Illustre kleine Wesen bevölkern das Land, laufen umher, küssen sich und bekommen Nachwuchs. Doch die Idylle ist in Gefahr. Ein aufgedrehter Wasserhahn lässt den Garten im kühlen Nass versinken. Den Spielenden obliegt nun die Aufgabe mit einer Art Vogelmensch einen Turm aus übergroßen Gegenständen zu bauen. Denn wird der Hahn nicht rechtzeitig erreicht, steigt das Wasser immer rascher. Auf der Suche nach weiteren Baumaterialen läuft und schwebt man, begleitet von einer verträumten Klaviermusik, immer höher und höher durch den Blaubeergarten. Der Verzehr der Früchte kann ganz hilfreich sein.

The Path, das jüngste Werk des belgischen Entwicklerstudios Tale of Tales, ist eine düster schöne Variante des Rotkäppchenmärchens. Man entscheidet sich zu Beginn des Spieles für eine von sechs Schwestern. Jede hat ihre Eigenheiten und verkörpert in gewisser Weise ein bestimmtes Klischee. Bestückt mit Wein und Brot soll man auf dem direkten Weg zur Großmutter gehen, welche inmitten eines dunklen Waldes wohnt. Doch leistet man dieser Anweisung Folge, ist das Spiel sehr schnell vorbei und man beginnt von vorn. The Path will genau das Gegenteil. Die Spielenden sollen den Weg verlassen und sich im dunklen Wald verlieren. Je nach Spielfigur stößt man dort auf alltägliche bis mysteriöse Dinge und Personen, die bei den Mädchen philosophisch morbide Gedankengänge auslösen. Da ist Gänsehaut garantiert.

Zeno Clash lässt sich dagegen als eine Mischung aus Ego-Shooter und Beat ´em Up beschreiben. Es spielt in der surrealen Welt Zenozoid. Dort muss man vor der rachsüchtigen Verwandtschaft flüchten, weil man das Zwitterwesen und Familienoberhaupt Father-Mother getötet hat. Die Gründe hierfür liegen vorerst im Dunkeln. Atmosphäre und Geschichte von Zeno Clash sind verstörend und spannend zugleich. Die Grafik ist beachtlich. Man durchschreitet fantasievolle Landschaften und trifft auf verrückt anzusehende, aber selten harmlose, Geschöpfe. Manche dieser Mutanten und Monster entpuppen sich als anspruchsvolle Widersacher. Man hat keine Wahl und muss sich mit Fäusten, Füssen und etlichen ungewöhnlichen Waffen den Weg freikämpfen. Zeno Clash ist ein wilder Trip durch eine fremde Welt, der sich an Erwachsene richtet und nicht für Kinder und Jugendliche geeignet ist.

Im Strategiespiel Dyson gilt es eine Asteroidenlandschaft erfolgreich zu besiedeln. Dafür stehen den Spielenden lediglich zwei verschiedene Baumsamen zur Verfügung. Der eine Baum produziert Blätter, die wie Vögel oder kleine Raumschiffe um den Himmelskörper kreisen. Mit deren Hilfe lassen sich feindliche Asteroiden erobern und besiedeln sowie Angriffe abwehren. Aus dem zweiten Samen wächst ein Art Verteidigungsbaum. Nähern sich Feinde explodieren seine Früchte. Das klingt erst einmal simpel, entfaltet aber eine erstaunliche strategische Tiefe und macht auch längerfristig Spaß. Dyson wird als kostenloser Download angeboten.

Das Spiel Braid ist die kopflastige Independent-Variante von Super Mario.Eine Prinzessin wurde entführt und muss nun vom Held Tim gerettet werden. In bester Jump 'n' Run -Manier hüpft und springt man durch detailreiche und liebevoll gestaltete Welten. Dem Helden stellen sich dabei etliche Gegner und Hindernisse in den Weg. Doch damit ist es nicht getan. Wesentlich für Braid ist das Spiel mit der Zeit. Man muss diese im richtigen Moment anhalten oder zurückspulen um voranzukommen oder scheinbar unerreichbare Gegenstände zu erhaschen. Die Regeln des Zeitspiels ändern sich jedoch von Level zu Level. Bestimmte Elemente oder Gegner bleiben plötzlich davon unberührt und mitunter trennt man sich vom eigenen Schatten. Das Verändern der Zeit sorgt also auch für einen gehobenen Schwierigkeitsgrad.

Weiterführender Link

Eine kleine Reise durch die alternative Szene der Spieleindustrie

And Yet It Moves
Torsten Bachem
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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