Grand Theft Auto IV

Der größte Blockbuster aller Zeiten und was Eltern darüber wissen sollten

30.06.2008
Der neueste Teil der Spielserie „Grand Theft Auto", kurz „GTA", ist seit zwei Monaten im Handel und sorgt seitdem für ordentlich Wirbel. Kein Spiel verkaufte sich bisher so gut, über kaum ein Spiel wurde so viel berichtet. Doch was bedeutet das für Eltern?


Am 29. April erschien „Grand Theft Auto IV" (» Spielebeurteilung auf spielbar.de) für die Konsolen PlayStation3 und Xbox360. Bereits am ersten Verkaufstag ging das Spiel nach Angaben des Entwicklers Rockstar Games weltweit etwa 3,6 Millionen Mal über die Ladentische. In der ersten Verkaufswoche wurden mit dem Spiel geschätzte 500 Millionen Dollar umgesetzt. Damit brach „GTA IV" bisherige Verkaufsrekorde in der Unterhaltungsbranche. Das macht „GTA IV" zum größten Blockbuster aller Zeiten, trotz der Tatsache, dass sich das Spiel ausschließlich an ein erwachsenes Publikum richtet. „GTA IV" hat in Deutschland, den USA und vielen anderen Ländern keine Jugendfreigabe erhalten.

Die Story des Spiels

Man schlüpft in die Rolle von Nico Bellic, der als Immigrant aus dem ehemaligen Jugoslawien voller Hoffnung nach Liberty City kommt, einer nordamerikanischen Metropole. Als Vorbild für die lebendige Spielwelt diente - wie nicht zu übersehen ist - das reale New York City. Dort angekommen, werden Nicos Erwartungen an die „Neue Welt" herb enttäuscht und er startet eine Karriere als Kleinkrimineller. Im Spielverlauf arbeitet man sich mit verschiedenen Aufträgen immer weiter nach „oben". Neben der Spielgeschichte bietet das Spiel vor allem Action. Die Ausübung von Gewalt ist dabei der Regelfall ist. Schlägereien und Schießereien gehören ebenso dazu wie rücksichtsloses Fahrverhalten. Wichtiges Spielelement sind motorisierte Fortbewegungsmittel, die bei jeder Gelegenheit gestohlen werden können. Nicht zufällig ist der US-amerikanische Tatbestand „Grand Theft Auto" (Schwerer Kraftfahrzeugdiebstahl) namensgebend.

Bekannt sind die Spiele der „GTA"-Serie für ihren nicht-linearen Aufbau. Unabhängig von den Missionen kann man nach Belieben die Spielwelt erkunden und den unterschiedlichsten Tätigkeiten nachgehen. Man kann zum Friseur gehen, zum Bowling oder ins Kabarett. Die Vielfalt an Möglichkeiten und der Reichtum an Details waren noch nie so ausgeprägt wie in „GTA IV". Von dieser Freiheit im Spiel geht die Faszinationskraft aus. Zum Spiel gehört aber auch die Möglichkeit Brutalität auszuüben, Gegenstände zu zerstören und Personen anzugreifen.

Zwischen Euphorie und Hysterie

Bereits das letzte Spiel der Reihe „GTA - San Andreas" (» Spielebeurteilung auf spielbar.de) war ausgesprochen erfolgreich. Daher wurde der neueste Teil von den zahlreichen Fans der Serie sehnsüchtig erwartet. Die Euphorie um das Spiel war aber auch das Ergebnis einer groß angelegten Marketingkampagne. Noch nie wurde ein Computerspiel in Deutschland derart offensiv beworben. Motive aus „GTA IV" dominierten wochenlang die Litfasssäulen und Plakatwände in deutschen Städten. Werbespots liefen im Kino und im Fernsehen. Kaum ein Magazin, eine Zeitschrift oder eine Tageszeitung ließ das Thema aus.

Während das Urteil vieler Fachjournalisten aufgrund der spielerischen Freiräume überwiegend positiv war, bemängelten Kritiker die exzessive Ausübung von Gewalt. Dem wurde wiederum entgegengehalten, dass das Maß der Gewalt von den Spielerinnen und Spielern selbst bestimmt werden kann. Außerdem wird dem Spiel gut geschrieben, dass die Gewaltausübung einen ironischen Unterton enthält, der gesellschaftlichen Verhältnisse in der Realität anprangert. „GTA IV" zeige, so die Fachzeitschrift GEE, „die amerikanische Scheinwelt und ihre Schattenseiten aus der Sicht eines prinzipiell chancenlosen Immigranten." Ein ernster Inhalt trotz Spielspaß. Diesen Zusammenhang zu entdecken, dürfte aber mündigen Spielerinnen und Spieler vorbehalten sein. Treffend auf den Punkt bringt es damit ein 3sat-Bericht, in dem es heißt: „Das Zertifikat ab 18 Jahren macht Sinn, die Hysterie um das Spiel sicher nicht."

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Ein Spielplatz nur für Erwachsene also? Keineswegs. „GTA" ist auch bei Kindern und Jugendlichen angesagt, so das Ergebnis einer Studie der Harvard University. Bei einer Befragung dreizehnjähriger Kinder in den USA wurde festgestellt, dass 20 Prozent der Mädchen und 44 Prozent der Jungen trotz restriktiver Jugendschutzbestimmungen bereits wiederholt Titel aus der „GTA"-Reihe gespielt haben. Diese werden mindestens genauso neugierig auf „GTA IV" sein, wie viele Erwachsene. Für deutsche Kinder und Jugendliche dürfte wohl Ähnliches gelten.

Die Forscherinnen und Forscher, die die Studie unter dem Titel Grand Theft Childhood für Eltern aufarbeiteten, warnen davor, voreilige Schlüsse auf eine direkte Gefährdung der Kinder zu ziehen. Daran, dass „GTA IV" in Kinderhänden nichts verloren hat, besteht jedoch nicht der geringste Zweifel.

An dieser Stelle sind die Eltern gefordert. Sie sind im familiären Bereich für die konsequente Einhaltung der gesetzlichen Altersfreigaben verantwortlich. Das betrifft nicht nur ihr eigenes Verhalten, sondern auch das von älteren Geschwistern, anderen Verwandten oder Freunden, über die Minderjährige möglicherweise an Spiele gelangen. „GTA IV" ist nichts für Kinder. Auch wenn diese noch so viel betteln, darf ihnen der nachvollziehbare Wunsch nach dem Spiel nicht erfüllt werden.

Die Neugier der Kinder und Jugendlichen wird dadurch bestärkt, dass das Spiel auch auf den Schulhöfen ein wichtiges Thema ist. So spielt der Freundeskreis eine wichtige Rolle, in dem der Besitz des Spiels nicht selten Statuswert hat. Ein probates Vorgehen für Eltern ist es daher, über die eigene Familie hinaus gezielt den Kontakt mit anderen Eltern zu suchen, etwa im Rahmen eines Elternabends, um sich über das Spielverhalten ihrer Kinder auszutauschen.

Weiterführende Links

Spielbesprechung: Grand Theft Auto IV

Spielbesprechung GTA - San Andreas

Weblinks

Grand Theft Auto IV (3sat.de)

Story: Grand Theft IV (geemag.de)

Grand Theft Childhood? (Internetseite zum Buch)
Tobias Miller
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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