Independent Games -
Gute Ideen contra Kommerz

09.05.2008
Independent Games (kurz: Indie-Games) sind Computerspiele, die unabhängig von den großen Computerspielfirmen produziert und herausgegeben werden. Ihren Ursprung haben sie häufig in kleinen Entwicklerstudios, welche die Spiele auf eigene Faust entwickeln und vertreiben.
Zu den Indie-Games zählen aber auch Spiele, die von Einzelpersonen, insbesondere von vielen Studierenden sowie Schülerinnen und Schülern programmiert und im Internet veröffentlicht werden. Im Gegensatz zu den aufwändigen Produktionen großer Spielefirmen handelt es sich bei den Indie-Games eher um Spiele, die technisch weniger komplex aber trotzdem reizvoll sind.

Die kommerzielle Spieleindustrie produziert mit hohem finanziellem Aufwand Spiele für ein Massenpublikum. An den Top-Titeln der großen Firmen arbeiten riesige Teams. Die Produktionskosten reichen bis in den zweistelligen Millionenbereich, so dass sich wie in der Filmbranche von „Blockbustern" sprechen lässt. Bei diesen Investitionen kann sich ein Unternehmen einen Misserfolg kaum leisten. Entsprechend selten wird das Risiko eingegangen, eine innovative Idee zu verwirklichen. Stattdessen häufen sich die Fortsetzungen bereits erfolgreicher Spieletitel, die dann von aufwendigen Marketingmaßnahmen flankiert werden. Ein aktueller Blockbuster ist etwa das Spiel „GTA IV" von Rockstar Games, dessen Veröffentlichung seit April durch massive Plakataktionen in deutschen Städten begleitet wird. Während „GTA IV" noch Neuheiten verspricht, wird die Re-Produktion bekannter Spiele-Ideen bei einer Endlosreihe wie „Fifa"(» Spielbesprechung) noch deutlicher. Neuerungen sind hier allenfalls kosmetischer Natur oder zielen auf die Optimierung derIn-Game-Werbung.

Unter diesen Vorrausetzungen sind Indie-Games eine willkommene Abwechslung. Mit ihnen werden innovative Spielideen verwirklicht, die sich unter kommerziellen Gesichtspunkten nicht durchsetzen würden. So können etwa spezielle Nischen-Interessen bedient werden. Viele Indie-Games zeichnen sich darüber hinaus durch einen hohen künstlerischen Wert aus. Ein erfolgreicher Indie-Entwickler, das britische Studio Introversion Software, hat sich etwa von Kinofilmen der frühen 80er Jahre inspirieren lassen, die einen Computerspielbezug aufweisen. Zu den Introversion-Titeln gehören das an den Kinofilm „WarGames"(1983) angelehnte „Defcon" (» Spielbesprechung) sowie „Darwinia", dessen Design sich sich an den computergenerierten Sequenzen des Filmes „Tron" (1982) orientiert. Diese Sequenzen setzten zu ihrer Zeit Maßstäbe in der Tricktechnik, stehen heute aber für eine Art „Retro-Look".

In eine andere Richtung geht das Spiel „The Graveyard" von Tale of Tales, welches sich als Kunstprojekt verstehen lässt. In dem in tristem Schwarz-Weiß gehaltenen Spiel steuert man eine alte Dame über einen Friedhof. Der Höhepunkt des Spiels ist, die Dame auf eine Parkbank zu setzen. Mit großer Geduld steuert man die Protagonistin minutenlang auf ihrem mühsamen Weg, ohne dass sich etwas Nennenswertes ereignet. Eine angenehme Abwechslung zu den vielen actiongeladenen Computerspielen, in denen es um sekundenschnelle Reaktionen geht: Gaming als Entschleunigung des hektischen Alltags! Zudem regt das Spiel auf skurrile Weise zum Nachdenken über Leben und Tod an.

Indie-Games bereichern mit ihren Ideen nicht nur das Spiele-Angebot, sondern sind auch kostengünstig. Schließlich werden viele von ihnen nur über das Internet vermarktet und kostenlos zum Download angeboten. Von anderen Spielen ist zumindest eine brauchbare Demo -Version erhältlich. So beinhaltet beispielweise die kostenlose Demo von „Defcon" bereits die meisten wichtigen Spielmöglichkeiten der Kaufversion. „The Graveyard" gibt es ebenfalls als Gratisdownload und als Kaufversion. Einziger Unterschied: in der Kaufversion wird die die betagte Dame „erlöst" und kann sterben.






IGF-Logo
(Quelle: www.igf.com)

Maßgeblich zum derzeitigen Bekanntheitsgrad der unabhängigen Spiele trägt das Independent Games Festival bei, das jährlich in San Francisco stattfindet. Hier werden die besten Ideen aus der Indie-Szene prämiert. Für die Zukunft kann man nicht nur aufgrund des Festivals erwarten, dass die Bedeutung der Indie-Games zunehmen wird. Schließlich ist das Programmieren von Spielen durch leicht zu bedienende Editoren einfacher denn je geworden. Deshalb wird sich spielbar in den kommenden Wochen schwerpunktmäßig mit Independent Games beschäftigen. Ein besonderes Augenmerk wird auf den Spielhighlights liegen, welche die Indie-Szene aktuell zu bieten hat.

Weiterführende Links

Independent Games auf dem Vormarsch

Spielbesprechung von „Defcon"

Themenschwerpunkt Independent Games

Weblinks

The Graveyard (Tale of Tales)

Introversion Software

Independent Games Festival
Tobias Miller
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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