Institut prüft Jugendschutz

Mehr Transparenz für bessere Akzeptanz

26.07.2007

Die im Juni vom Hans-Bredow-Institut ver- öffentlichte Studie zum Jugendschutzsystem im Bereich Computerspiele hält eine Verschärfung von Verbotsregeln für nicht angebracht. Gleichzeitig mahnt sie aber auch eine transparentere und widerspruchsfreiere Prüfpraxis an./span

Das Hamburger Hans-Bredow-Institut für Medienforschung untersucht derzeit im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie der Länder die Effektivität des Jugendmedienschutzes in Deutschland. Der Bereich der Computerspiele wurde aufgrund der aktuellen öffentlichen Diskussion um Gewalt in Computerspielen vorgezogen und vertieft behandelt und bereits am 28. Juni unter dem Titel „Mehr Transparenz für bessere Akzeptanz“ der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Forscher stellten in ihrem knapp 180-seitigen Bericht grundsätzlich eine Verbesserung des Jugendschutzes im Bereich Computerspiele seit der Gesetzesreform 2003 fest. Damals bekamen die von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ausgesprochenen Altersempfehlungen verbindlichen Charakter, womit der Verkauf von Videospielen an „zu junge“ Kunden verhindert werden sollte. Die USK-Alterskennzeichen sind seitdem deutlich sichtbar auf jeder Spielpackung angebracht. Freigegeben werden Computerspiele von der USK entweder mit den Kennzeichen „ohne Altersbeschränkung“, „Freigegeben ab 6 Jahren“, „Freigegeben ab 12 Jahren“, „Freigegeben ab 16 Jahren“ oder sie erhalten „Keine Jugendfreigabe“ gemäß dem Jugendschutzgesetz. Diese Regelung stellt zumindest einen Teilerfolg dar, schließlich sind davon all diejenigen Spiele betroffen, die über den „Ladentisch“ gehen. Nicht erfasst werden aber die Spiele, welche anstatt auf einem Trägermedium (wie eine CD-ROM oder DVD) nur als Download über das Internet verfügbar sind. Diesem Problem soll in dem noch folgenden Hauptbericht zum Jugendmedienschutz größere Aufmerksamkeit zu Teil werden.

Verbesserungsvorschläge tätigten die Autoren vor allem hinsichtlich der Prüfpraxis. Nicht eindeutig und für alle nachvollziehbar seien etwa die Kriterien, nach welchen ein Spiel als gefährdend eingestuft wird oder nicht. Neben der USK beschäftigt sich außerdem die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) mit Computerspielen. Die BPjM ist dabei für die Indizierung, also dem Verbot von Medien zuständig, wobei nochmals nach strafrechtlicher Relevanz unterschieden wird. Die Forscher vom Hans-Bredow-Institut schlagen eine systematischere Kooperation zwischen der USK und der BPjM vor, in erster Linie hinsichtlich der verwendeten Prüfkriterien.

Zu Irritationen kann, so die Studie, darüber hinaus führen, dass manche Produkte mehrere Alterskennzeichen besitzen (wie etwa die des europäischen PEGI-Systems), wobei aber nur die Kennzeichnung der USK in Deutschland verbindlich ist. Die erhoffte Orientierungsfunktion für Eltern, Kinder und Jugendliche geht dadurch verloren und stattdessen wird der Eindruck einer gewissen Beliebigkeit vermittelt, insofern die Einstufungen voneinander abweichen.

Weitreichenden Verboten von Computerspielen erteilen die Forscher dagegen eine Absage. Neben verfassungsrechtlichen Schwierigkeiten weisen sie vor allem darauf hin, dass der Straftatbestand der „Gewaltverherrlichung“ bereits auf Computerspiele angewendet werden kann. Bemängelt wird in der Studie jedoch der Vollzug bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz. Auch an dieser Stelle wäre eine verstärkte Kooperation der beteiligten Behörden wünschenswert.

Handlungsbedarf besteht also in erster Linie hinsichtlich der Optimierung bestehender Verfahren und Praktiken: „Akzeptanz und Nachvollziehbarkeit des Jugendschutzes im Bereich Video- und Computerspiele könnten durch eine konsistentere und transparentere Praxis verbessert werden“, so die Schlussfolgerung des Berichts vom Hamburger Hans-Bredow-Institut.

Weiterführende Links:


- Hans-Bredow-Institut für Medienforschung


- Studie über das Jugendschutzsystem im Bereich Computerspiele


- Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK)


- Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM)


- PEGI - Pan European Game Information


Tobias Miller
Dieser Artikel wurde verfasst von:

1 Kommentar

spielbar.de - Beurteilungen von Computerspielen » Bl schreibt:

[...] Maßnahme reagiert auf einen Bericht des Hamburger Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung (» Artikel auf spielbar.de), wonach gerade der Vollzug des Jugendmedienschutzes in Deutschland verbesserungswürdig [...]

25.09.2007 um 15:59


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