Spiele & Literatur – wie sich beide Medien inspirieren

09.03.2016
Spiele und Literatur stehen in vielen Beziehungen zueinander. Mal basiert ein Spiel auf einer beliebten Buchreihe, mal sind Videospiele Thema in Texten. Einige Spiele lassen sich sogar von der ganzen literarischen Welt bestimmter Autoren inspirieren – wir stellen drei solcher Spiele vor.

Spiele zu bekannten Büchern sind nichts Besonderes. Ob Harry Potter, Herr der Ringe oder die Chroniken von Narnia – sobald ein Bestseller verfilmt wird, dauert es oft nicht lange, bis das passende Spiel dazu erscheint. Wie sich aber Spiele über eine simple Marketingstrategie hinaus mit den literarischen Welten bestimmter Autoren auseinandersetzen können, zeigen unsere drei Beispiele.

Philip K. Dick: Californium

Philip K. Dick gilt als einer der großen Visionäre der Science-Fiction-Literatur im 20. Jahrhundert. Er lieferte die Vorlagen zu zahlreichen Hollywood-Blockbustern, wie Blade Runner, Total Recall oder Minority Report. Dabei beschäftigt ihn vor allem die Realität, ihre Grenzen – und die Welten, die sich dahinter verbergen. Als Teil der Arte-Dokumentation "Philip K. Dick und wie er die Welt sah" versucht das Spiel Californium die Sichtweise Dicks spielerisch erfahrbar zu machen. In dem First-Person-Exploration-Game bewegt man sich als fiktive Figur Elvin Green, ein unter eine Schreibblockade leidender Autor, durch das Kalifornien der Sechziger Jahre. Ein flimmernder Fernsehbildschirm lässt einen wissen: "Es gibt eine andere Realität da draußen.“ Durch bestimmte Gegenstände aus Dicks Werken erhält die Welt Risse, bis die Grenzen schließlich fließend werden. In vier Kapiteln bewegt man sich von einer Welt zur nächsten, und fragt sich: Was ist Realität? Und was ist Einbildung?

Auf der Hausfassade hat sich ein weiterer Riss in eine andere Welt geöffnet.


H. P. Lovecraft: Bloodborne

Die Werke und darin erschaffende Welt des amerikanischen Autors H. P. Lovecraft haben bis heute gängige Horrortropen geprägt. Auch das Action-RPG Bloodborne ließ sich von seinen Werken und der darin entfalteten Mystik inspirieren und interpretiert diese neu. Wahnsinn und Wahrnehmungen spielen sowohl in Lovecrafts Werken als auch in Bloodborne eine zentrale Rolle. Nicht nur die Figuren in der Spielwelt scheinen dem Irrsinn nahe, auch die eigene Spielfigur besitzt einen Wert namens „Einsicht“, der den Grad zum Wahnsinn widerspiegelt. Je mehr Einsicht die Spielfigur besitzt, desto mehr Horrorgestalten werden sichtbar. Der Einfluss Lovecrafts zeigt sich damit nicht nur in der Geschichte Bloodbornes sondern auch im Gameplay .

Die düstere Welt von Bloodborne zeigt zahlreiche Parallelen zum literarischen Werk Lovecrafts.


Jules Verne: 80 Days

Auf weniger subtile Art diente Jules Vernes Erzählung In 80 Tagen um die Welt als Vorlage für das Mobile Game 80 Days. Das Spiel versteht sich als interaktive Erzählung, in der man selbst Entscheidungen trifft, die Route plant und sowohl Zeit als auch das Budget managen muss. Dabei hangelt sich 80 Days nicht nur an der Geschichte des namengebenden Romans entlang. Den Spielenden steht frei, eine eigene Route zu wählen, sodass jeder eine eigene Geschichte erlebt. Auch andere Figuren aus den Werken Jules Vernes werden in die Geschichten von 80 Days eingewoben. Wählt man die richtigen Abzweigungen, steigt man beispielsweise zu Kapitän Nemo auf die Nautilus oder reist mit Otto Lidenbrock zum Mittelpunkt der Erde. So macht 80 Days nicht nur die Geschichte rund um Phileas Fogg erlebbar, sondern das ganze literarische Werk Jules Vernes.

In 80 Days übernimmt man selbst die Planung der Route von Phileas Fogg und seinem Diener Passpartout. Dabei trifft man auch auf andere Figuren aus Jules Vernes Werken.

Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]Californium[2]Sony[3]inkle

Siehe auch

Thomas Böhm (Hrsg.)

New Level: Computerspiele und Literatur

Der Sammelband New Level: Computerspiele und Literatur vereint Kurzgeschichten, Spielkonzepte, Essays und Interviews verschiedener Autoren, Wissenschaftler und Fachleute, die sich alle mit dem Thema Computerspiele beschäftigen. Die Sammlung überzeugt vor allem durch ihre Vielfältigkeit.

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