Unravel

25.02.2016
In Unravel „entwirrt“ ein kleines Wollmännchen die Erinnerungen einer alten Dame. Das schöne, manchmal auch schwermütige Jump’n’Run überzeugt mit einem liebevoll gestalteten Protagonisten, schönem Design und knackigen Rätselpassagen, die auch motorisches Geschick fordern.

Eine alte Dame wandert durch ihr Haus, berührt alte Erinnerungsfotos, seufzt und lässt unbemerkt ein rotes Wollknäuel aus ihrer Tasche fallen. So erwacht Yarny zum Leben, ein kleines, rotes Wollmännchen und Held von Unravel. Er hat die Fähigkeit, durch das Betrachten von Fotos an deren Schauplatz zu reisen, und macht sich hier auf die Suche nach den Erinnerungen seiner Besitzerin. Dabei verbindet er sie nicht nur sprichwörtlich mit einem roten Faden…

Um sich auf die Suche nach Erinnerungen zu machen, reist Yarny zu den Schauplätzen alter Fotos.
Unravel ist in zwölf aufeinanderfolgende Level aufgeteilt, die man über im Haus verteilte Fotos betritt. Das Spiel verbindet Elemente eines Jump’n’Runs mit Rätselpassagen. Als Yarny bewegt man sich klassisch von links nach rechts durch eine 2D-Welt und muss verschiedene Hindernisse überwinden. Dabei hilft ein Faden, der von Yarnys Körper ausgeht. Man kann damit Brücken basteln, Gegenstände heranziehen oder sich über Gräben schwingen. Je weiter Yarny sich fortbewegt, desto weniger Wolle hat er zur Verfügung. Daher muss man zwischendurch neue Wolle einsammeln, die in der Spielwelt verteilt ist. Neben dem Faden muss man auch verschiedene Gegenstände, wie beispielsweise Äpfel oder Bauklötze, nutzen, um Rätsel zu lösen und weiter voranzukommen.

Damit Yarny den Baum hinaufklettern kann, muss er die Äste durch den roten Faden erst einmal miteinander verbinden.
Gesteuert wird Unravel bei der getesteten PC-Version entweder mit der Tastatur oder mit einem angeschlossenen Gamepad . Einen Koop-Modus oder andere Spielmodi findet man hier nicht. Alle Texte wurden auf Deutsch übersetzt. Eine Vertonung war nicht notwendig, da das Spiel ohne Dialoge und gesprochene Textpassagen auskommt.

Die kleinen Knötchen zeigen an, dass Yarny bald die Wolle ausgeht. Zum Glück ist Nachschub schon in Sicht.

Bildnachweis

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Pädagogische Beurteilung:

Erinnerung, Verlust und Hoffnung – all diese Themen verbindet Unravel zu einem ruhigen, anspruchsvollen Jump’n’Run-Spiel, das vor allem durch sein ansprechendes Design auffällt. Die Grafik ist äußerst realistisch und lässt dank der Tiefenschärfe jede Szene wie eine Fotografie erscheinen. Und auch in der Animation zeigt sich die Liebe zum Detail. Beispielsweise bewegt Yarny stets seinen Kopf, wenn um ihn herum etwas passiert, und wirkt so an keiner Stelle statisch. Schnell schließt man die kleine rote Wollfigur ins Herz – und bangt mit ihm, wenn seine Wolle plötzlich zur Neige geht.

Der Einstieg in Unravel fällt leicht, da die ersten Schritte mit kurzen Erklärungstexten begleitet werden. Sind die Rätsel zunächst noch einfach, steigt der Schwierigkeitsgrad im Verlauf des Spiels an. Um ein Level bei Unravel erfolgreich abzuschließen, ist nicht nur logisches Denken gefragt. Auch die motorischen Fähigkeiten werden hier auf die Probe gestellt. Bei vielen Hindernissen gilt es beispielsweise, genau im richtigen Moment den Faden zu werfen oder loszulassen. Da Yarny auch zusätzlich darauf achten muss, dass der Faden nicht ausgeht, sind manche Rätselpassagen äußerst knifflig. Hat man sich einmal verzettelt, gibt es die Möglichkeit, per Knopfdruck eine Rätselpassage von vorne zu beginnen. Da das Spiel einen bei einer Niederlage nie weit zurückwirft, kommt nur selten Frust auf.

Gegner, Kämpfe oder andere actionorientierte Elemente gibt es in Unravel nicht. Das Spiel wird von einer ruhigen, stellenweise melancholischen Stimmung begleitet. Zwar gibt es auch düstere Level, beispielsweise wenn sich Yarny durch einen verschneiten Autofriedhof hangelt, allerdings wirkt Unravel an keiner Stelle bedrohlich. Zudem ist man keinem Zeitdruck ausgesetzt, sodass jede Aufgabe mit Ruhe angegangen werden kann.

Fazit:

Unravel zeigt eine melancholische Reise in die Erinnerung und überzeugt vor allem mit einer ansprechenden Gestaltung. Lesekenntnisse werden nur bedingt benötigt, kampforientierte Sequenzen sind nicht vorhanden. Daher eignet sich Unravel für Rätselfreunde ab 8 Jahren.
Sarah Pützer
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