Reality Check Games #9
Reale Städte in Cities: Skylines?

10.02.2016 - eingestellt in News, Reality Check Games, Spiele & Trends, Spielkultur

Cities Skylines - Reality Check Games - TeaserbildDie Städtebausimulation Cities: Skylines rühmt sich damit, sich als Simulation sehr ernst zu nehmen. Ob ausdifferenzierte Verkehrsplanung, öffentlicher Nahverkehr oder strategischer Bau neuer Gebäude, die Städte in Cities: Skylines verhalten sich äußerst realistisch – oder? Zeit für einen Reality Check!

Von Sarah Pützer (Redaktion spielbar.de)

„Schau dir bei Google Maps reale Städte als Vorbild an“ oder „Plane nicht zu weit voraus und gehe mit dem Flow“ – macht man sich im Internet auf die Suche, findet man zahlreiche Tipps, wie man im Simulationsspiel Cities: Skylines eine möglichst reale Stadt aufbauen kann. Aber wie real kann eine solche Computerspiel-Stadt werden?

Cities Skylines - Reality Check Games - Ganze Stadt
Die Simulation Cities: Skylines erhebt einen hohen Anspruch auf Realität – wird sie ihm gerecht? (Bild: Paradox)

Verkehrsplanung – das Kernstück einer Stadt

Einen ausführlichen Leitfaden zum Städtebau in Cities: Skylines bietet ein User namens Tulip In the Eye an. Dieser geht besonders auf die Verkehrsplanung ein – das Kernstück jeder gut funktionierenden Stadt. Immerhin müssen alle Bewohner irgendwann von A nach B gelangen. Tulip selbst ist Verkehrswesen-Student und versucht in seiner Abhandlung reale Aspekte seines Studiums in der virtuellen Welt abzubilden. Für ihn ist Cities: Skylines weit mehr als ein einfaches Spiel…

Wichtig für die virtuelle Planung sind demnach die vier Hauptzonen in Cities: Skylines: Wohn-, Industrie-, Gewerbe- und Bürogebiete. Pendler reisen zwischen den Wohngebieten und den anderen drei hin und her, während sich Warentransporte zwischen Industrie- und Gewerbegebiet abspielen. Hier verhält sich das Spiel viel simpler als die reale Welt. Nicht selten findet man in Großstädten fließende Übergänge zwischen den Zonen – beispielsweise Mehrfamilienhäuser mit Ladenfläche im Erdgeschoss.

Cities Skylines - Reality Check Games - Zonen
Skylines baut man in „Zonen“ und bestimmt so, welches Gebiet zum Wohnen, für die Industrie oder als Gewerbe dient. Die Grenzen sind hier genau abgesteckt – anders als in der Realität. (Bild: Cities: Skylines)

Um den Verkehr zu regeln, haben die Spielenden vor allem drei Möglichkeiten: Die Verwendung von öffentlichem Nahverkehr, Schnellstraßen und Kreuzungen. In der realen Verkehrsplanung verhält es sich sehr ähnlich; ein ausbalanciertes Verkehrsnetz ist wichtig, um Staus – und somit frustrierte Stadtbewohner – zu vermeiden. Allerdings versuchen reale Stadtbewohner eine alternative Route zu finden, wenn sie einen Stau umfahren können. Die Bewohner in Cities: Skylines bleiben dagegen ihren Wegrouten treu, selbst wenn sie dadurch lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Hinzu kommt, dass es in Cities: Skylines keinen Tag-Nacht-Zyklus gibt. Daher herrscht in dem Spiel ständige Rush Hour, 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche.

Cities Skylines - Reality Check Games - Kreuzung
Den Verkehr richtig zu regeln ist eine der Hauptaufgaben in Cities: Skylines. Dafür dienen mehrspurige Schnellstraßen, Kreuzungen und Kreisverkehre. Auch ein funktionierendes Nahverkehrsnetz lässt sich in dem Spiel aufbauen. (Bild: Cities: Skylines)

Gebäude bauen – und wieder abreißen

Abgesehen von der Verkehrsplanung spielt auch das Gebäudemanagement eine große Rolle in Cities: Skylines. Der Bau eines Gebäudes gestaltet sich im Spiel ebenfalls sehr viel einfacher als in der Realität. Ein Klick auf die richtige Stelle, einige Sekunden warten – und das Gebäude steht. Wie viel komplexer der Bau gerade größerer Objekte in der Realität ist und wie viele Komplikationen eintreten können, zeigt nicht zuletzt der Bau des Berliner Flughafens BER. Aber wer möchte schon in Echtzeit beim Gebäudebau zu schauen? Hier stellt sich die Frage, wie realistisch eine Simulation tatsächlich sein muss, um dem Anspruch seiner Spielenden zu genügen – und um gleichzeitig Spaß zu machen.

Hat man sich als Spieler oder Spielerin „verbaut“ und möchte nun die Einfamilienhaussiedlung durch ein Krankenhaus ersetzen reichen in Cities: Skylines dafür ein paar Klicks. Im realen Deutschland dagegen wird aber ein Abriss durch viele Regelungen bestimmt. Nach der Bauordnungsbehörde kann eine Abrissverfügung nur in Betracht kommen, „wenn auf einem anderen Weg kein rechtmäßiger Zustand mehr geschaffen werden kann.“ In der Regel geht dies nur bei Immobilien, die ohne gültige Baugenehmigung errichtet wurden oder gegen das öffentliche Baurecht verstoßen. Aber ganz ohne Strafe funktioniert ein Abriss auch in Cities: Skylines nicht: Die Zufriedenheit der Bürger sinkt, wenn Wohnhäuser den Bulldozern Platz machen müssen.

Sei es die einfach gestrickte KI oder der simple Bau und Abriss von Gebäuden – ein paar Abzüge in punkto Realismus gibt es für Cities: Skylines. Diese Vereinfachungen dienen aber meist dem Spielspaß, sodass im Spiel beispielsweise keine langen Wartezeiten entstehen. Auf diese Weise bleibt genügend Elan um das Verkehrsnetz der Stadt punktgenau zu planen – und dank den vielen Möglichkeiten im Spiel klappt dies äußerst realistisch.

Für Städtebauer in spe wie Tulip in the Eye – aber auch für alle anderen Interessierten bietet Cities: Skylines somit eine gute Möglichkeit, das erlernte Theoriewissen in der virtuellen Praxis einmal auszuprobieren.

Siehe auch

Spielbesprechung zu Cities: Skylines

Rubrik “Reality Check Games” auf spielbar.de

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