Elegy for a Dead World

13.01.2016
Ein Spiel über Fiktion – ganz ohne Gegner, Waffen oder Rätsel: In Elegy for a Dead World erkundet ein namenloser Raumfahrer drei verlassene Welten, auf denen nur noch Ruinen an ihre Bewohner erinnern. Was hier passiert ist? Das liegt in der Hand der Spielenden, die selbst die Geschichten schreiben.

Drei Portale haben sich zu fremden, noch unentdeckten Planeten geöffnet. Nun liegt es an einem namenlosen Raumfahrer, in dessen Rolle die Spielenden schlüpfen, diese zu erforschen. Dabei trifft man auf die Überreste vergangener Zivilisationen, auf merkwürdige Himmelskörper und seltsame Apparaturen. Was sich genau dahinter verbirgt und wie diese Entdeckungen miteinander verbunden sind, entscheiden die Spielenden selbst. Denn die Aufgabe in Elegy for a Dead Word ist es, die Geschichte hinter den drei Welten zu schreiben.

Man bewegt dafür die Spielfigur über zweidimensionale Hintergründe und kann an zirka 15 Stellen, die mit einer Feder gekennzeichnet sind, die Textlücken füllen. Es besteht auch die Möglichkeit, die bereits vorgegebenen Textbestandteile abzuändern oder komplett zu löschen. Hat man die gesamte Welt erkundet und alle Textstellen befüllt, kann man seine eigene Geschichte in Form eines Fließtexts noch einmal nachlesen, speichern und mit anderen über die Steam-Community teilen.

In Elegy for a Dead World gibt es für jede der drei Welten verschiedene Modi. Man kann sich für einen Prosatext entscheiden, in Gedichtform über den Untergang der Zivilisation sinnieren oder völlig frei von vorgegebenen Textbestandteilen schreiben. In einem anderen Modus müssen vorgegebene Sätze so umgeschrieben werden, dass sie grammatikalisch richtig sind. Die geteilten Werke können innerhalb der Steam-Community von anderen gelesen und bewertet werden. Das Spiel gibt es nur in englischer Sprachausgabe.


Pädagogische Beurteilung:

Weder Gegner noch Rätseleinlagen – ganz allein das Schreiben und die Inspiration dafür stehen bei Elegy for a Dead World im Vordergrund. Man läuft durch imposant gestaltete Hintergründe, erkundet Türme oder Hütten und lauscht sphärischen Sounds. Zwischendurch fordert das Feder-Symbol dazu auf, die Eindrücke in Textform aufzuschreiben.

Jede Spielerin oder jeder Spieler entwickelt dabei eine ganz eigene Geschichte. Je nachdem, wie fit man sich im Schreiben fühlt, kann man einfach die vorgegebenen Satzteile vervollständigen – oder diese komplett ignorieren. Nach eigenen Angaben von Dejobaan Games wurde Elegy for a Dead World entwickelt „so that everyone can write”, das Spiel gibt dafür die nötigen Denkanstöße.

Besitzt man ein Interesse am Schreiben, macht es Spaß durch die verschiedenen Welten zu wandern und sich von ihnen inspirieren zu lassen. Die einzelnen Welten, benannt nach den Romantik-Autoren Byron, Shelley und Keats, sind sich von den Szenarien zwar recht ähnlich, bieten aber dennoch genügend Potential für abwechslungsreiche Geschichten. Dabei eignet sich das Spielprinzip aber eher für spontane Textergüsse. Da es sich um keinen Texteditor handelt, kann man beispielsweise keine Schritte rückgängig machen – einmal Gelöschtes bleibt gelöscht.

Für diejenigen, die sich schwer fürs Schreiben begeistern lassen, fühlt sich Elegy for a Dead World schnell nach einer didaktischen Übung an und weniger nach einem Spiel. Es gibt kaum Feedback, keine Belohnungen oder sonstige motivierende Elemente. Mit Ausnahme einiger schwebenden Partikel bewegt sich bloß die eigene Spielfigur. Hier kommt schnell Langeweile auf, wenn man sich nicht auf das Schreiben einlässt. Daher lässt sich Elegy of a Dead World nur bedingt im Unterricht, beispielsweise als Englischübung, integrieren. Unter den beliebtesten Geschichten der Community findet man neben einigen interessanten Schreibversuchen leider auch Texte, die von Ausdrücken wie „What’s this shit“ bis hin zu Schimpfwörtern reichen.

Fazit:

Hinter Elegy of a Dead World versteckt sich eine charmante und innovative Idee: Ein Spiel, das inspiriert und zum Schreiben anregt. Das Konzept scheint aber noch nicht ganz ausgereift, insbesondere motivierenden Elemente fehlen. Da die Texte alle auf Englisch verfasst sind und Werke anderer User Beleidigungen enthalten können, eignet sich Elegy of a Dead World für Schreibbegeisterte ab 14 Jahren.
Sarah Pützer
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