Medienpädagogisches Praxisprojekt: MyVideoGame
Von mystischen Inseln und stolzen Insel-Erbauern

27.06.2012 - eingestellt in Familie & Schule, Medienpädagogik, Modellprojekte, News

MyVideoGameSeit Januar entwickeln Mädchen und Jungen einer Magdeburger Gesamtschule im Rahmen des Projekts MyVideoGame ihr eigenes Computerspiel. Vom Konzept bis zur Umsetzung: Die Jugendlichen sind im gesamten Entwicklungsprozess eingebunden. spielbar.de hat sich vor Ort einen Eindruck von dem Projekt gemacht.

Bild: Konzentriert arbeiten die Mädchen und Jungen im Rahmen von MyVideogame an ihrem Computerspiel mit dem Titel „Die mystische Insel“

Von Anne Sauer (Redaktion spielbar.de)

Raum für Kreativität und Eigenständigkeit

Nimbim Protagonist MyVideoGameBild: Photo vom Computerspiel „Die mystische Insel“, das im Rahmen von MyVideoGame entwickelt wird

Er ist 78 Jahre alt, 1.30 Meter groß, wiegt 60 Kilo und trägt nichts bis auf eine Melone als Genitalschutz. Nimbim, so heißt der in die Jahre gekommene Herr, ist der Protagonist in „Die mystische Insel“ – einem abenteuerlichen Computerspiel, das gerade von Schülerinnen und Schülern der Integrierten Gesamtschule Willy Brandt in Magdeburg im Rahmen des Projektes MyVideoGame entwickelt wird.

Seit Anfang dieses Jahres arbeiten die Jungs und Mädchen der neunten Klasse im wöchentlichen Rhythmus an ihrem Computerspiel. Unterstützt werden sie dabei von Studierenden der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg. Von der Grundidee über die Ausarbeitung eines Konzepts und der Umsetzung bis hin zur ersten Testversion: Bei MyVideoGame sind die Jugendlichen in den gesamten Entwicklungsprozess eines Computerspiels eingebunden.

MyVideoGame EntwicklungsprozessBild: Ein Computerspiel entsteht (c)myvideogame.de

Die Story ist schnell erzählt: Im Spiel übernimmt man die Rolle des schon erwähnten alten Herren Nimbim. Ein Schiffsbruch brachte ihn auf eine geheimnisvolle Insel, die ihn seitdem magisch anzuziehen scheint. Bei der Suche nach einer Möglichkeit von der Insel zu entkommen, trifft Nimbim auf zahlreiche Gefahren, aber auch Verbündete, die ihm bei seinem Vorhaben unterstützen.

Die harte Arbeit wird belohnt

Nach wochenlanger harter Arbeit nimmt das Computerspiel langsam Gestalt an. Eine erste Testversion ist sogar schon spielbar. Hier und da gibt es zwar noch kleine Fehler im Spiel oder unlogische Verknüpfungen von verschiedenen Maps. Aber schon jetzt sind die Schülerinnen und Schüler stolz auf ihre Leistung, wie sie uns im Gespräch mitteilten:

Katharina, 16: „Als unsere Lehrerin uns [von dem Projekt MyVideoGame] erzählt hat, hat sich das total interessant angehört, weil keiner wusste wie man [ein Spiel] eigentlich macht. […] Wenn man das Spiel jetzt anspielt ist das schon komisch, aber man ist auch stolz auf sich […] auch wenn das Spiel noch nicht ganz fertig ist.“

Dominik, 16: “Man freut sich, dass man so etwas überhaupt geleistet hat. Jetzt kann sich auch vorstellen, wie viel Arbeit eigentlich hinter so einem Spiel steckt.“

Tim, 15: „Ich hab mir das Spiel anfangs ein wenig anders vorstellt. Wir haben so viel geplant und nun ist es doch ein wenig anders. […] Ich bin trotzdem stolz darauf.“

Tobias, 16: „Der [Spiele-]Test fühlt sich gut an, wenn man über die Bugs hinwegsieht. Dass ein Frosch einen umbringt ist nicht normal!“

Carolin, 16: „Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht auch in der Zukunft zu machen. Aber nicht als Job, eher als Hobby. […]Das macht schon Spaß, wenn man bestimmen kann, was die Personen im Spiel so sagen und was passiert.“

Vivien, 15: „Wir haben schon Spaß hier. Und wenn man das jetzt spielt fühlt man sich schon stolz, dass man das alles selbst gemacht hat.

Das Projekt MyVideoGame knüpft direkt an die Lebenswelt der Jugendlichen an, in der Computerspiele eine unbestrittene Rolle einnehmen. Durch die kreative Auseinandersetzung mit dem Medium Computerspiel – hier durch die Erstellung eines eigenen Spiels – werden ihnen nicht nur Instrumente in die Hand gegeben, mit denen sie ihre Gedanken und Gefühle ausdrücken können. Denn das Angebot bietet Potentiale für eine Vielzahl weiterer positiver Lerneffekte. Neben der Vermittlung eines aktiven, verantwortungsbewussten und reflexiven Umgangs mit Computerspielen lernen die Jugendlichen selbstständig und eigenverantwortlich im Team oder allein zu arbeiten.

Bis Mitte Juli soll das Spiel abgeschlossen werden. Das Projekt wird anschließend umfangreich ausgewertet. Wer „Die mystische Insel“ dann selbst einmal ausprobieren möchte, kann dies im August auf der gamescom am Stand der Bundeszentrale für politische Bildung tun. Dort nämlich soll das Spiel zusammen mit dem Projekt MyVideoGame vorgestellt werden. Wir sind gespannt.

Über MyVideoGame

MyVideoGame ist ein medienpädagogisches Praxisprojekt, das aktuell von Studierenden des Studiengangs Medienbildung der Otto-von-Guericke Universität in Kooperation mit der Integrierten Gesamtschule Willy Brandt in Magdeburg durchgeführt wird. Ziel ist es, handlungsorientierte Medienpädagogik in einem pädagogischen Setting (der Schule) zu erproben. Das Praxisprojekt wird entsprechend wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Gefördert wird MyVideoGame durch die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.

Weiterführende Links auf spielbar.de

Gamedesign ist ‚kinderleicht“

Und der Fan sagte: „Es werde Spiel!“

Weblink

Offizielle Webseite zu MyVideoGame

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