Barcamp für kreative Gamer
Gamescamp 2012 – Bildungsurlaub auf der Burg

08.06.2012 - eingestellt in Aktionen & Events, gamescamp, Medienpädagogik, Modellprojekte, News

Über Computerspiele wird viel diskutiert. Doch nicht immer kommen auch die Gamer selbst zu Wort. Das Gamescamp möchte genau das ändern. Zum zweiten Mal trafen sich am vergangen Wochenende junge Gamer aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Themenvielfalt beim Barcamp sprach für sich.

„Let there be game“, so lautet das Motto des Gamescamp. Zur zweiten Auflage kamen insgesamt 60 junge Menschen im Alter von 14 bis 26 Jahren. Nach der erfolgreichen Premiere mit dem gamescamp 2011 in Hagen fiel die Ortsauswahl in diesem Jahr auf Thüringen, genauer gesagt auf Burg Lohra bei Nordhausen. Zahlreiche medienpädagogische Institutionen hatten vom 1. bis 3. Juni zum Gamescamp 2012 geladen. Die jungen Gamer, unter ihnen erfreulicherweise auch viele Gamerinnen, nahmen das Angebot gerne an.


Bild: die Teilnehmenden des Gamescamps 2012 (© Jürgen Sleegers)

Das Besondere am Gamescamp ist das Barcamp-Format. Dieses erlaubt den jungen Gamern, ihre eigenen Themen einzubringen, selbst als Expertinnen und Experten zu fungieren, gleichzeitig aber auch vom Wissen und Können anderer zu profitieren. Folglich fanden sie kein fertiges Programm vor, sondern wirkten aktiv an der Gestaltung des Tagesablaufs mit. Welch große Themenvielfalt auf diese Weise zustande kommt, machte die zentrale Sessionplanung am Samstag einmal mehr deutlich. Allein hier stellten die teilnehmenden Gamer 17 Sessions auf die Beine, eine insgesamt bunte Mischung aus Präsentationen, offenen Diskussionsrunden und Workshops.

Die Sessions vom Samstag im Überblick:

Gaming und E-Sport in Korea – was macht die Politik dort und was kann Deutschland davon lernen?

Watch your Game – Kampagne für die Gaming-Community

Gaming und E-Sport für Menschen mit Handicap

Identität zwischen Game und Reallife

Ethik in Videospielen

Gamification des Lernens

Kommunikation über Games und Gaming – (Miss-)Verständnisse unter Gamern und zwischen Gamern und Nicht-Gamern

Games und Altersrating – USK-Kriterien

Clans/Gilden führen – Erfahrungsaustausch

Mit Eltern gamen – Projekt Gamepäd

Motivation und Emotion beim Gamen – Vorstellung und Diskussion einer Kurzstudie

Games-Journalismus online: Was bieten die existierenden Portale und was fehlt?

Games-Journalismus: Qualitätskriterien und Methoden der Spielekritik

Games-Journalismus: Wie kommt man rein?

Rechtliche Fragen bei Jugend-LANs, Jugendschutz beim Online-Gaming

Transmedia Storytelling – Gamedesignworkshop für die Burg Lohra

Creative Media Lab – Vorstellung einer Idee

Alle Session wurden in Etherpads dokumentiert, die über das Dokument zur Gamescamp-Sessionplanung frei verfügbar sind. Am abschließenden Sonntag kamen die wichtigsten Themen erneut zu Sprache. Hier zeigte sich großer Diskussionsbedarf zu „Berufsbildern im Gamesbereich“, „Ethik + Games“ sowie „eSport“, alles Themen, die bereits am Vortag Teil der Agenda waren. Ein abschließendes Highlight war aber die Session zu „Gamescamp-Community“. Hier wurde die Idee diskutiert, eine eigene Community im Netz aufzubauen, und zwar durch die Gamescamp-Teilnehmenden selbst. Das Vorhaben wurde mit Unterstützung der Veranstalter auch prompt in die Tat umgesetzt. Seit dieser Woche ist das Forum der Gamescamp-Community online.

Eine weitere Besonderheit des Gamescamps waren die „Joker“, Experten zu speziellen Themen, die sich gerade für Jugendliche als große Unterstützung erwiesen. Die Joker konnten von ihnen bei Bedarf aufgerufen werden, wenn sie eine Session anbieten wollten, die sie inhaltlich alleine nicht vollständig abdecken konnten. Zu Gamescamp-Jokern zählten Sebastian Gutknecht (Recht), Matthias Löwe (Interaktionsdesign), Ibrahim Mazari (E-Sport), Christof Rezk-Salama (Ausbildung, Jobs, Gamedesign), Tim Rittmann (Spielejournalismus) sowie Benjamin Rostalski (Alterskennzeichung).

Trotz der vielfältigen Themen waren es auf Burg Lohra aber dennoch vor allem die Gespräche und Diskussionen abseits des Sessionplans, die das Gamescamp zu einem großen Erfolg machten. Die Gamescamp-Community ist nur ein Beleg dafür, dass auch nach dem Gamescamp weiter diskutiert wird. Einer Fortsetzung im kommenden Jahr sollte also nichts im Wege stehen.


Weiterführender Link

Gamescamp 2011 in Hagen

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