ModNation Racers

18.08.2010 - eingestellt in Spielebeurteilungen

Mehr als nur ein Fun-Racer: In ModNation Racers können die Spielenden ihre eigenen Charaktere, Wagen und Strecken gestalten und anschließend online anderen zur Verfügung stellen. Das garantiert Abwechslung und Langzeitunterhaltung. Für kreative Rennspielfans.

Genre: Rennspiel
Hersteller: Sony
Plattform: PlayStation 3 (getestet), PSP
Erscheinungsdatum: Mai 2010
USK: ab 6 Jahren
spielbar: ab 8 Jahren

 

 

Von Benjamin Karalic (Spieleratgeber NRW)

bannerv2_234×60.gifDie Videospielgeschichte ist zwar noch recht jung, hat aber trotzdem bemerkenswert viele Genres kommen und gehen sehen. Vom Textadventure über den Vertikalshooter bis zur Weltraumkampfsimulation. Viele Hypes von gestern, sind heute nur noch nostalgische Erinnerungen. Doch inmitten all dieser Kurzlebigkeit ist bislang kaum ein Genre so beständig geblieben wie das Rennspiel. Im Laufe der Jahre hat sich dabei allerdings nicht nur die grafische Präsentation verändert, sondern auch der spielerische Schwerpunkt. Die Maxime, als Erster über die Ziellinie zu fahren, ist zwar immer noch dieselbe. Doch was zwischen Start und Ziel passiert, kann sich je nach Spiel grundlegend unterscheiden. Mittlerweile haben sich drei Rennspiel-Gattungen etabliert: Die um Realismus bemühte Rennsimulation, das actionlastigere Arcade-Rennspiel und der unkomplizierte Fun-Racer, der bewusst sämtliche Regeln der Physik auf den Kopf stellt. Letzteres erlebte 1992 mit dem legendären “Super Mario Kart” einen fulminanten Einstand. Seitdem muss sich jedes Rennspiel, das auf bunte Comicgrafik und den Einsatz von unfairen Hilfsmitteln setzt, mit Nintendos Original messen. Knapp vier Jahre nach der Einführung der PlayStation 3 versucht Sony sich nun zum ersten Mal an einem eigenen Kartrennspiel.

Schon beim ersten Spielen von “ModNation Racers” zeigt sich die Ähnlichkeit zur “Mario Kart“-Serie und ihren zahlreichen Nachahmern. Die Spielenden steuern comicartige Fahrzeuge über bunte Phantasiestrecken und greifen ihre Widersacher mit Projektilwaffen an, die es während der Fahrt aufzusammeln gilt. Gegenüber dem berühmten Vorgänger wird das grundlegende Spielprinzip lediglich um einige Nuancen erweitert. Dazu gehört die Möglichkeit, die eingesammelten Waffen aufzurüsten. So mausert sich z.B. eine einfache Rakete erst zur zielsuchenden Homing Missile und schließlich zum verheerenden Luftschlag. Daneben kann der Spieler durch geschickte Fahrmanöver (Rutschen, Windschattenfahren, Sprünge) eine Energieleiste auffüllen, die sowohl offensiv (kurzzeitige Beschleunigung), als auch defensiv (Verteidigungsschild) genutzt werden kann. In dieser Hinsicht gleicht “ModNation Racers” den gängigen Kartrennspielen. Nur wer sämtliche Aspekte der Spielmechanik beherrscht, wird sich gegen seine Widersacher durchsetzen können und am Ende als Erster über die Ziellinie rauschen.

Screenshots


Was jedoch für eine vollkommen neue Spielerfahrung sorgt, ist der umfassende Editor. Hier können Spieler nicht nur eigene Fahrer und Renngefährten kreieren, sondern auch gleich ganze Strecken. Sämtliche Kreationen kann man schließlich online zum Download bereitstellen, um sie mit anderen Nutzern zu teilen und anschließend bewerten zu lassen. Auf diese Weise bietet “ModNation Racers” einen nahezu unendlichen Nachschub an Charakteren, Fahrzeugen und Strecken. Aber auch spielerisch ist für Abwechslung gesorgt. Zum einen die zahlreichen Mehrspielermodi: Onlinerennen für bis zu 12 Spieler, Rennen mit Splitscreen für bis zu 4 Spieler vor dem heimischen Bildschirm oder auch eine Kombination aus beidem. Zum anderen die so genannten “EP-Rennen”, in denen Solisten Erfahrungspunkte sammeln können, oder auch ein Story-Modus, der nicht nur durch zahlreiche kindgerechte Zwischensequenzen unterhält, sondern auch langfristig motiviert, da dort neue Gegenstände für die Editoren frei geschaltet werden können.

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Mario Kart Wii


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Einen Kommentar zu “ModNation Racers”

  1. Benjamin Karalic (Spieleratgeber NRW) schreibt:

    Atmosphäre und Anforderungen
    “ModNation Racers” besticht durch eine bunte Comicgrafik, die ihre Ähnlichkeit zum Sony-Vorzeigekinderspiel “Little Big Planet” nicht verleugnen kann. Auch die funklastige, aber unseren Testern leider etwas zu monotone Musik, unterstützt diesen Eindruck. Aber obwohl der Titel eindeutig für jüngere Spieler ausgelegt ist, bietet er neben den mächtigen Editoren auch spielerisch genug Tiefgang, um ältere Kartveteranen zu unterhalten. Die fahrerischen und taktischen Fähigkeiten werden in einer fair ansteigenden Lernkurve geschult. Reichen zu Beginn eine solide Kurvenlage und gelegentlicher Turbo aus, um die Rennen zu gewinnen, müssen die Spielenden in den höheren Leveln alle Asse aus dem Ärmel zaubern, um erfolgreich zu sein. Dazu gehört nicht nur die Beherrschung des Waffensystems, sondern auch eine erweiterte Streckenkenntnis inklusive aller Fallen, Weichen und Abkürzungen. Lediglich in den letzten Rennen der Solospieler-Karriere reagierten die Computergegner überraschend unfair. Eine Tatsache, die den Frustfaktor zwar erhöht, das letztendliche Spielerlebnis aber nicht schmälern kann.

    Das größte Rennspiel der Welt
    Bereits in der ersten Woche nach Veröffentlichung des Spiels übertrafen die von den Nutzern kreierten Spielinhalte alle Erwartungen. Ohne zusätzliche Kosten konnten sich unsere Spieler aus dem reichhaltigen Angebot an Figuren, Fahrzeugen und Strecken bedienen. Von Popkultur (Batman, Mario, Madonna) über Sport (Kobe Bryant, M. Schumacher, Dante) bis hin zu Politik (Merkel, Obama, Ghandi), die Auswahl an Fahrern ist schier unbegrenzt. Ähnliches gilt aber auch für die Fahrzeuge (der A-Team Bus, das Futurama Schiff) und besonders die Rennstrecken, welche oft originalen Vorbildern wie der Nordschleife nachempfunden wurden. Im Angesicht von so viel Kreativität, wollte unsere Gruppe natürlich nicht zurückstecken. Doch so motivierend die Erstellung von eigenem Spielmaterial für unsere Tester war, so schnell stellte sich auch heraus, dass sich eine intensive Auseinandersetzung mit den Einstellungsmöglichkeiten, das echte Feintuning, nicht für eine größere Gruppe eignet. Zu lange gestalteten sich die Wartezeiten, in denen die anderen Spieler darauf harren mussten, dass z.B. das perfekte Rot für die Karosserie gemischt und die richtige Nasengröße für den eigenen Charakter gefunden wurde. Der kreative Prozess wird so schließlich zu einem Einsamen. Hier wäre es wünschenswert gewesen, wenn die Entwickler einen Weg gefunden hätten, einen Teil der Editoren wie in “Little Big Planet” mehrspielertauglich zu gestalten. Abseits dieser Kinderkrankheiten ist der kreative Aspekt des Spiels als voller Erfolg zu werten. Sony hat einen weiteren würdigen Beitrag zu seiner “Play. Create. Share.”-Serie (Spiele. Erschaffe. Tausche.) gefunden. Unsere Tester ließen zumindest keinen Zweifel daran, dass sie viele Stunden mit “ModNation Racers” verbringen würden. Einziger Wermutstropfen: Ohne Internetanschluss bleibt einem ein Großteil der reizvollen Spielinhalte verwehrt.

    » Die ganze pädagogische Beurteilung beim Spieleratgeber NRW lesen

    Fazit:
    Bei “ModNation Racers” geht es darum, in übertriebenen Rennsituationen entweder gegen Cartoon-Gegner oder die eigenen Freunde anzutreten. Bei allem steht der freundschaftliche Wettbewerb im Vordergrund. Die Präsentation und der Humor richten sich dabei eindeutig an Kinder. Aber auch Erwachsene werden an den übertriebenen Spielsituationen ihre Freude haben.
    Das Spiel bietet tolle Möglichkeiten, selbst kreativ zu werden und ist dank seines Mehrspielermodus auch für den Freundeskreis geeignet. Trotz einiger Mängel (die hoffentlich durch Patches und Add-Ons behoben werden) ist “ModNation Racers” eine klare Empfehlung für rennspielaffine Jungen und Mädchen ab 8 Jahren.

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