Online-Kopierschutz
Nichts geht mehr ohne Internet!
26.03.2010 - eingestellt in Debatten & Studien, News, Spiele & Trends
Mit der Einführung des umstrittenen „Online-Zwangs“ bei PC-Spielen wird die Diskussion um Kopierschutz wieder angeheizt. Zum Spielen einiger Games ist zukünftig eine dauerhafte Internetverbindung nötig. Aus Sicht der Anbieter zwar notwendig, aber nicht konsumentenfreundlich, sagen viele Gamer.
Bild: dieSachbearbeiter.de, cc by-nc-nd/2.0/de
Mit dem Erscheinen von Assassin’s Creed 2 und Silent Hunter 5 hat Ubisoft seinen neuen Online-Kopierschutz für PC-Spiele eingeführt. Seitdem steht der Spielehersteller im Mittelpunkt der Diskussion um Kopierschutzmaßnahmen. Kritik kommt vor allem von Seiten der Gamer. Denn neuerdings werden Spiele bei laufendem Betrieb regelmäßig mit den Servern von Ubisoft abgeglichen, auch Speicherstände werden auf Ubisoft-Servern abgelegt. Die Folge: Gamer benötigen für die gesamte Spieldauer eine aktive Internetverbindung, auch für Einzelspieler-Games ohne integrierte Onlinefunktion.
Begründet wird die Maßnahme mit der Notwendigkeit, gegen Software-Piraterie vorzugehen. Außerdem entfällt das lästige Einlegen von Spiel-DVDs.
Der Spielehersteller setzt damit voraus, dass die meisten Haushalte bereits einen Breitband-Internetanschluss besitzen beziehungsweise in naher Zukunft haben werden. Das trifft zwar mittlerweile auf einen Großteil der Haushalte zu, es bleibt jedoch die Frage, was passiert, wenn man unterwegs am Laptop oder einfach ohne Internetverbindung spielen möchte. Das wird durch das eingeführte System nicht mehr möglich sein. Hinzu kommt, dass Spielende bei dieser Vorgehensweise von der technischen Infrastruktur des jeweiligen Spielanbieters abhängig werden. Das Resultat konnte bereits in den ersten Wochen der Einführung bei Ubisoft beobachtet werden. Presse-Meldungen über Verbindungsabbrüche aufgrund von Serverausfällen häuften sich. Gamer mussten ungewollte Spielpausen einlegen.
Spielende stehen dem „Online-Zwang“ folglich eher kritisch gegenüber. Zu diesem Ergebnis kam auch der im vergangen Jahr neu gegründete Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler (kurz: VDVC). Auf der Messe für Informationstechnik CEBIT wurden dafür über 250 Spielende zu ihrer Meinung bezüglich Ubisofts neuem Online-Kopierschutz befragt. 39,1 Prozent der Befragten schlossen den Kauf eines Einzelspieler-Games, das einen ständigen Online-Zugang erfordert, von vorn herein aus. 26,2 Prozent der Spielenden würde sich den Kauf eines Spiels ganz genau überlegen. Nur 34,7 Prozent gaben an, ein solches Spiel ohne Bedenken zu kaufen.
Seit es Software gibt findet Software-Piraterie statt, PC-Spiele werden illegal kopiert und verbreitet. Entwickler und Publisher machen dabei Millionen Verluste. Und auch Jugendschützer sind besorgt, schließlich können Jugendliche durch Raubkopien schnell an nicht altersgemäße Computerspiele gelangen. Der Datenträger-Kopierschutz im herkömmlichen Sinne zeigte bisher nur wenig Erfolg. Inwiefern der „Online-Zwang“ von Ubisoft die Software-Piraterie einschränken kann, bleibt jedoch fraglich. Wo ein Kopierschutz ist, da ist häufig auch eine Möglichkeit, ihn zu umgehen. Zum jetzigen Zeitpunkt entstehen durch die wenig konsumentenfreundliche Maßnahme vor allem Nachteile für ehrliche Käuferinnen und Käufer.
Weiterführender Link
Kopierschutz: Zwischen begründetem Recht und Drangsalierung der Kunden
Weblinks


Einführung zu Computerspielen.
Informationen zu Historie, Genres, Faszinationskraft und Jugendmedienschutz. Mit Glossar.
