Interview mit Krystian Majewski
Die Zukunft liegt in experimentellen Indie-Games
12.02.2010 - eingestellt in Independent Games, Interviews & Umfragen, News, Spiele & Trends
spielbar: Bisher konnte sich die deutsche Indie-Szene international noch keinen Namen machen. Glauben Sie, dass ein Erfolg wie die dreifache Nominierung von TRAUMA auf die ganze Indie-Szene in Deutschland abstrahlt? Was können wir Ihrer Meinung nach in Zukunft erwarten?
Krystian Majewski: Als Vorreiter sehe ich mich nicht unbedingt. Dazu ist ein einziges Spiel noch zu wenig. Das ist ohnehin etwas, was ich nicht entscheiden kann. Worüber ich mich sehr freuen würde ist, wenn man hierzulande in den Medien anfangen würde, Spiele nicht immer im Kontext der Gefahr für Jugendliche darzustellen.
Spielentwicklung ist unheimlich schwierig und ohne Unterstützung kaum zu bewältigen. In Deutschland herrscht dafür gerade ein besonders ungünstiges Klima. Wenn alle Medien um einen herum die Botschaft vermitteln, dass Spiele böse sind und verboten gehören, fällt es selbst mir schwer, sich als Spielentwickler im Bekanntenkreis zu outen. Man muss so noch ein gutes Stückchen mehr Hartnäckigkeit aufbringen als ohnehin schon notwendig. So werden zahlreiche, wertvolle Neuentwicklungen bereits im Keime erstickt oder von vornherein gar nicht in Erwähnung gezogen.
Es ist zum Glück nicht alles so perspektivlos. Ich engagiere mich z.B. beim Cologne Game Lab, ein neues Institut der FH Köln, in dem die Entwicklung von neuen Ideen und Inhalten für die Spielbranche im Vordergrund steht. Wir sind sehr froh diese Chance und die entsprechende Unterstützung erhalten zu haben. Dennoch merken wir auch dort, dass Spiele in den Köpfen der meisten Menschen noch kein erstes Thema sind. Das finde ich schade. Da muss noch viel passieren.
spielbar: Wie sieht Ihre persönliche Zukunft aus? Sehen Sie TRAUMA auch als Referenz und damit als mögliches Sprungbrett in die Spielebranche? Oder können wir auf ein weiteres Indie-Projekt von Ihnen hoffen?
Krystian Majewski: Mit der Spielbranche habe ich schon ersten Kontakt gehabt und ich hätte sicher auch länger bleiben können. Doch es ist ein sehr schwieriger und undankbarer Job. Ich habe vollen Respekt vor den Menschen, die dort arbeiten. Gerade deswegen interessiere ich mich aber mehr für experimentelle Indie Projekte und die Ausbildung neuer Talente. Ich glaube es ist die Aufgabe der Indie-Entwickler sich in Bereiche zu wagen, die für eine größere Firma gerade unter den bestehenden Erfolgsdruck einfach zu riskant sind. Ich denke so können wir einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Mediums leisten, was letztendlich auch der Spielbranche zugutekommt.
spielbar: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Independent Game Festival 2010!
Weblink
Weiterführender Link
spielbar-Thema „Independent Games“
Interview mit „Dirty Split“-Entwickler Uwe Sittig: Independent Games als Ideenlieferanten
Pages: 1 2


Einführung zu Computerspielen.
Informationen zu Historie, Genres, Faszinationskraft und Jugendmedienschutz. Mit Glossar.

09.08.2011 um 12:13
Seit dem 8. August ist TRAUMA offiziell erhältlich. Wer sich zunächst einen Eindruck vom Spiel verschaffen möchte, kann TRAUMA ab sofort auf der offiziellen Webseite anspielen http://www.traumagame.com/