Werden Bugs zum Garantiefall?
02.10.2009 - eingestellt in Debatten & Studien, News, Spiele & Trends
Jüngst sorgte die Meldung für Aufsehen, dass in World of Warcraft nach Herstellerangaben über 180.000 Bugs registriert wurden. Doch was sind Bugs überhaupt, wie geht man damit um und was bedeutet das für die Verbraucher, also die Gamer? Die EU-Kommission hat sich mit dem Thema beschäftigt.
Typischer Softwarefehler: im Landwirtschafts-Simulator steht der Traktor Kopf
Fast alle Spielenden kennen sie, die fiesen Fehler im Programm, welche das gerade noch flüssige Spielerlebnis ins Stocken bringen oder gänzlich unterbrechen. In Gamerkreisen werden diese Softwarefehler Bugs (englisch für Käfer) genannt. Der Begriff bezeichnet ein unerwünschtes und unvorhergesehenes Verhalten eines Programms. Vereinfacht gesagt gibt es zwei Arten von Bugs: Bildfehler und Fehler, die sich auf den Ablauf des Spieles beziehen.
Das Design ist sicher der anfälligste Bereich. In fast jedem Spiel sind optisch wenig ansprechende Stellen zu finden. Bei Spielfiguren fehlen plötzlich ganze Körperteile, erscheinen verzerrt oder unproportioniert, Gesichter, Haare, Kleidungstücke oder Utensilien werden nicht mehr richtig dargestellt. Natürlich bleibt auch die Umgebung von Fehlern nicht verschont. Eigenartige Verfärbungen, Gegenstände, die scheinbar über dem Boden schweben oder in ihm versinken, unschöne Texturen oder verschwommene und unfertig wirkende Hintergründe sind die Folge.
Schlimmer sind solche Bugs, die die Logik und den Verlauf des Spieles empfindlich stören oder sogar einen Neustart erforderlich machen. Feinde werden unbesiegbar, ein Sturz in die Tiefe ist nicht tödlich oder ein wichtiger Gegenstand unerreichbar. Auch ist es ist nicht ungewöhnlich, dass die Spielfigur in einer Ecke des Raumes hängen bleibt oder dass man mit einem Fahrzeug plötzlich unter die Straße rutscht und der Weg zurück nur schwer bis gar nicht mehr möglich ist.
Der Vorschlag einer EU-Kommission, nach welchem Spielende das Recht auf ein funktionierendes Produkt haben, sorgte europaweit für Aufsehen. Der Argumentation der Kommissare folgend, sollen Vorschriften die bisher nur für materielle Produkte gelten, nun auch auf Software, speziell auf Spiele, übertragen werden. Denn bisher hatten Käufer kein Recht, die Ware aufgrund von Bugs zurückzugeben. Das soll sich nun mit einem Gesetzentwurf ändern.
Auch amerikanische Richter und Anwälte folgen diesem Tenor und fordern, dass Software nicht wissentlich mit Fehlern veröffentlicht werden darf. Bei den Herstellern stößt dies auf wenig Gegenliebe. Sie kritisieren, dass man digitale Inhalte nicht mit anderen Gütern vergleichen könne. Leistung und Nutzung einer Software ließen sich nie ganz vorhersagen und auch Fehler trotz umfangreicher Prüfung kaum vermeiden. Ob es tatsächlich zu einem entsprechenden Gesetz kommt, ist fraglich. Ein Appell ist dieser Vorschlag allemal.
Weiterführender Link
EU-Kommissarinnen wollen mehr Verbraucherrechte im Internet (golem.de)


Einführung zu Computerspielen.
Informationen zu Historie, Genres, Faszinationskraft und Jugendmedienschutz. Mit Glossar.
