Nachbetrachtung
Was erwartete Besucher auf der gamescom 2009?

28.09.2009 - eingestellt in gamescom, News, Spiele & Trends

Die gamescom wurde auf Anhieb zu einem der größten Events für Gamer weltweit. Highlights waren die neuesten Games der Branchengrößen und das musikalische Rahmenprogramm. Über die kulturelle Bedeutung, Jugendschutz und stundenlanges Anstehen.

Von Torben Kohring und Matthias Reitzig (Spieleratgeber NRW)

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Vom 19.08. bis 23.08. feierte die gamescom ihre Premiere in Köln. In dieser Zeit präsentierten rund 300 Aussteller aus dem Bereich der Computer- und Konsolenspiele im Messezentrum Köln Neuheiten und gewährten den rund 250.000 Besuchern Einblicke in künftige Projekte und Konzepte. Über 40 Prozent davon waren internationale Aussteller; die gamescom ist damit bereits jetzt eine der größten Messen für Gamer weltweit; Branchengrößen wie Blizzard, Electronic Arts, Capcom und Microsoft waren ebenso vertreten wie kleinere Firmen und zahlreiche Vereine und Verbände – und natürlich der Spieleratgeber NRW e.V.

Den Besuchern wurden auf der Messe Neuentwicklungen noch vor deren Erscheinen vorgestellt; in Interviews und Vorträgen standen die Entwickler Rede und Antwort und gaben Einblicke in ihre Arbeit. Viele Spiele konnten vom Besucher auch ausprobiert werden, und das, obwohl das Spiel noch gar nicht erhältlich ist – sicherlich einer der Hauptanreize für viele Messeteilnehmer, zumal es einige von den Fans heiß erwartete Spiele anzuspielen gab, wie beispielsweise Modern Warfare 2, God of War 3 oder Diablo 3. Bei letzterem nahmen die Besucher zeitweise sogar Wartezeiten von 4(!) Stunden in Kauf um den Titel 15 Minuten anspielen zu können – ein deutliches Signal dafür, mit wie viel Spannung der Titel erwartet wird.

Der Jugendschutz verdient eine besondere Beachtung, schließlich sind nicht alle Inhalte, die auf der gamescom präsentiert wurden, auch für alle Teilnehmer geeignet. Daher erhielt jeder Besucher am Eingang gegen Vorlage des Personalausweises ein farbiges Band, das auf einen Blick Auskunft über das Alter des Trägers gab und so seine Zugangsberechtigung zu den einzelnen Ständen deutlich machte. Messestände, an denen Spiele oder Inhalte präsentiert werden, die von der USK keine Jugendfreigabe erhalten haben, wurden zudem in abgetrennten, nicht einsehbaren Räumen gezeigt. Jedes gezeigte Videospiel und Werbevideo musste mit einer deutlich sichtbaren Alterskennzeichnung versehen sein.

Auch wenn die Präsentation der neuesten Spiele im Mittelpunkt der Messe stand, wurde dem Besucher auch darüber hinaus viel geboten. So fand parallel zur Messe auch das gamescom -Festival statt, auf dem bekannte Bands an verschiedenen Punkten der Stadt auftraten, darunter auch illustre Namen wie Die Toten Hosen, Tomte oder The Boss Hoss. Die meisten dieser Konzerte waren kostenfrei. Außerdem gab es Skateboard- und Motorradshows, einen Parkour-Event und einen Weltrekordversuch im „Cosplay“. Cosplayer stellen Charaktere aus Videospielen dar und sind aufwändig bis ins kleinste Detail originalgetreu verkleidet. Um den Weltrekord zu brechen, hätten mehr als 376 so verkleidete Menschen an dem Versuch teilnehmen müssen, ein Ziel, das leider nicht ganz erreicht wurde.

Damit ist der Kölner Messe gerade im Bereich der Darstellung der kulturellen Bedeutung von Computerspielen mehr gelungen als zu erwarten war. Ein Event dieser Größe darf sich nun mal nicht damit zufrieden geben, die neusten Spiele zu präsentieren, sondern muss ihrem Ruf und Anspruch Jugendkulturleitmedium zu sein auch in der Verknüpfung der verschiedensten Medien und Annäherungsarten gerecht werden. Man mag einwenden, dass eine Messe in erster Linie eine Werbe- und Verkaufsveranstaltung ist, jedoch wird die gesellschaftliche Bedeutung dieses Mediums durch die Präsenz der pädagogischen. politischen und bildungspolitischen Institutionen in Halle 8 unterstrichen. Ziel muss es letztlich auch in den nächsten Jahren sein, verschiedenen Besuchergruppen einen Zugang, egal ob einen kritischen oder befürwortenden, zum Medium zu gewähren und die Zusatzangebote nicht lediglich als Feigenblatt für die gesellschaftliche Diskussion zu gebrauchen.

Nach dem Umzug von Leipzig nach Köln konnte man keine perfekte Premiere erwarten. Zu knapp war das Zeitfenster, zu viele Dinge müssen sich erst im Laufe der Zeit einspielen. Auffällig ist, dass mehr Platz auch zu mehr Freiflächen führt, was in einigen Hallen zumindest am Donnerstag und Freitag einen etwas tristen Eindruck hinterließ. Hier machte Leipzig zumindest in den letzten zwei Jahren einen deutlich kompakteren Eindruck, der sich auch positiv auf die Atmosphäre auswirkte. Doch Köln ist auf einem guten Weg und der ein oder andere Publisher wird sich, nach dem er sich das Treiben in diesem Jahr aus der Ferne angeschaut hat, in nächsten Jahr sicherlich dabei sein. Das wird sich hoffentlich positiv auf die Angebote für die zahlenden Zuschauer auswirken.

Sicherlich gibt es noch Spielraum um den Besuchern ein noch abwechslungsreicheres Programm zu bieten und die gamescom noch mehr von der Industriemesse zum Event werden zu lassen, ohne dabei jedoch auf tiefergehende Inhalte zu verzichten. Der erste Schritt ist getan, wird schauen gespannt in die Zukunft.


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