spielbar-Jugendredaktion
Wer achtet auf unsere Kinder, wenn sie im Netz spielen?
29.08.2009 - eingestellt in Debatten & Studien, Jugendredaktion, News, Onlinespiele, gamescom
Über den Jugendschutz bei Onlinespielen wird heiß diskutiert. Keiner fühlt sich zuständig und der Schwarze Peter wandert hin und her. Das Gespräch unserer Jugendredaktion mit einem Anbieter von Browserspielen bestätigt diese Tendenz.
Bild: Ikariam ist ein populäres Browserspiel von Gameforge
Von Florian Müller (spielbar-Jugendredaktion)
Unter Kindern und Jugendlichen immer beliebter werden die sogenannten Browsergames. Diese und andere, nicht auf Datenträgern vertriebene Spiele werden nicht von der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) überprüft. Die USK hat in Deutschland die Aufgabe, Computerspiele mit Alterskennzeichen zu versehen. Bei Spielen hingegen, die nicht auf Datenträgern verkauft werden, ist eine solche Prüfung nicht vorgesehen. Darum stellen wir uns die Frage: „Wer kümmert sich denn dann um den Jugendschutz?“
Mit dieser Frage im Gepäck machten wir uns auf der gamescom 2009 auf in die Business Lounge, um die Spielehersteller und Publisher direkt damit zu konfrontieren. Leider hatten die meisten Firmen für uns keine Zeit. Dafür konnten wir uns zwei Stunden lang mit Vertretern von Gameforge, einem der Marktführer von browserbasierten MMOGs (Massively Multiplayer Online Games) unterhalten.
Rede und Antwort standen uns Brigitte Kötting und Marcel Jung von Gameforge. Unsere Fragen waren konkret:
1. Betreibt Ihre Firma Jugendschutz außerhalb der gesetzlichen Bestimmungen?
2. Gibt es irgendwelche Altersempfehlungen (in den AGBs oder direkt auf der Seite) für Ihre Spiele und wie kommen diese zustande?
3. Gibt es Inhalte in den Spielen, die Sie komplett ablehnen? Wenn ja, welche sind es und warum? Wenn nein, warum nicht?
Bevor wir zu den Antworten kommen, noch ein paar Sätze zu Gameforge: Das Marketing Konzept der Firma beruht auf so genannten „ingame sales“. Das heißt, die Firma finanziert sich nicht über Fremdwerbung, sondern durch den Verkauf von virtuellen Gegenständen in den Spielen. Alle Spiele sind in der Basisversion kostenlos, es können jedoch bestimmte Items wie Erfahrungssteine oder Kleidung für virtuelle Charaktere gekauft werden. Über diesen Verkauf wird das Spiel finanziert.
Hier nun die Antworten auf unsere Fragen: Gameforge gibt an, sich seiner Verantwortung gegenüber den minderjährigen Nutzern durchaus bewusst zu sein. Dennoch sehen sie sich nicht allein in der Verantwortung, sondern auch die Eltern.
Nach eigenen Angaben haben ihre Spiele keine gewaltverherrlichenden Inhalte. Da sie Gameforge als Community versteht, ist es ihnen auch wichtig, dass in den Spieleforen und im Chat keine jugendgefährdenden Inhalte veröffentlicht werden, sondern dass ein freundlicher Umgang gewahrt wird. Die Firma gibt an, die Chats und Foren entsprechend zu moderieren. Einer eventuellen Suchtgefahr wird nach Ansicht der Betreiber in den meisten Spielen dadurch vorgebeugt, dass nur eine bestimmte Spielzeit sinnvoll ist. Die Spiele seien eher darauf angelegt, dass man immer wieder eingeloggt ist, dann aber nur für kurze Zeit.
Die Verantwortung der Eltern sehen sie insbesondere auch bei Kindern, die dazu neigen, nachts zu spielen. Außerdem sollte das Internet nicht als Babysitter missbraucht werden. Im Gegenzug sollte Medienkompetenz geschult werden und das Offline-Leben gefördert werden. Gameforge möchte aber keine Sperren (beispielsweise nachts) einführen, da sie den Menschen die Freiheit lassen möchten, dann zu spielen wann sie es beabsichtigen.
Die Altersempfehlungen, so Frau Kötting, seien in den AGB verankert. Für die Firma sei es jedoch wichtig, dass ein leichter Zugang zu den Spielen gewährleistet ist und somit die Anmeldungen von Seiten der Spieleanbieter nicht auf das richtige Alter der Spieler kontrolliert werden können. Die Eltern sollten hier vielmehr ihre Aufsichtspflicht wahrnehmen und erfüllen. Eine Kontrolle im Sinne eines Identifikationsverfahrens ist nicht gewünscht und wäre nach deutschen Datenschutzbestimmungen auch nicht möglich.
Unser Fazit:
Der Firma ist das Jugendschutz-Problem bewusst. Sie wollen jedoch nicht allein zur Verantwortung gezogen werden, sondern sehen ganz klar auch einen Teil der Verantwortung bei den Eltern. Im Endeffekt müssen sich die Spiele natürlich auch für die Hersteller rechnen. Doch wie verhindert man, dass Kinder einfach ein falsches Geburtsdatum angeben? Eine richtige Lösung und insbesondere eine einheitliche Lösung des Jugendschutzes bei für Browserspiele haben wir also nicht gefunden, ebenso wenig wie eine (über Ländergrenzen hinweg) zuständige Instanz. Um einen für beide Seiten (Hersteller und User) sinnvollen Jugendschutz zu etablieren, bräuchte es einfache, sinnvolle und vor allem gut ersichtliche einheitliche Regelungen. Hierbei muss eine Balance zwischen Datenschutz und Jugendschutz erreicht werden. Zu guter Letzt stellt sich die Frage: Wer regelt das? Und natürlich: Wer finanziert das?
Weiterführende Links


Einführung zu Computerspielen.
Informationen zu Historie, Genres, Faszinationskraft und Jugendmedienschutz. Mit Glossar.