Niklas Schrape:
Elemente der Rhetorik in Peacemaker
12.05.2009 - eingestellt in Fachartikel
4. Fazit
Was kann aus der Analyse gefolgert werden? Offensichtlich ist die Systemstruktur von PEACEMAKER stark asymmetrisch. Viele der Handlungsoptionen, vor allem im Bereich “Security”, sind kontraproduktiv. Trotz formaler Gleichwertigkeit sind die Beratungsfunktionen nicht gleich verlässlich. Die Ratschläge der Falken führen zum Spielverlust. Da die Argumentation in den Texten der Falken auf reale Diskurse verweist, wie sie von der Likud und rechten Splittergruppen geführt werden, kann PEACEAMAKER als Kritik an ihrer Konzeptualisierung des Konflikts gewertet werden.
Die Diskreditierung der rechtsgerichteten Konzeptualisierung des Nahostkonflikts impliziert also, dass eine auf militärische Stärke basierende Sicherheitspolitik nicht nur unfähig ist den Frieden herbei zu führen, sondern auch, dass sie zwangsläufig zur Eskalation führt und nicht einmal Sicherheit herstellen kann. PEACAMAKER kann als zutiefst rhetorisches Programm gewertet werden. Die Ausgestaltung der Darstellungen, vor allem die dokumentarischen Fotos, markiert Realismus. Aber erst die Texte der Berater liefern kohärente Argumentationen, die den Spieler zu bestimmten Sichtweisen drängen. Hier findet die eigentliche “persuasio” statt, die rhetorische Argumentation und der Appell an Moral und Wertempfinden. Doch es existieren zwei “Reden”. Die Vielfalt möglicher Sichtweisen auf den Konflikt wird so auf binäre Alternativen reduziert. Wie in einem Gerichtsprozess stehen Falken und Tauben sich gegenüber und der Spieler wird auf den Richterstuhl gesetzt. Doch das Urteil des Spielers kann nur im Rahmen der Struktur erfolgen.
Hier also liegt der eigentliche rhetorische Trick, der spezifisch ist für ein Computerspiel. Doch die rhetorische Leistung der Systemstruktur wäre wertlos ohne die Argumentationen in den Texten und ohne die Evidenz der Bilder. Die Rhetorik von PEACEMAKER kann sich nur im Zusammenspiel seiner Elemente entfalten.


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