Digitale Spielwelten.
Computer- und Videospiele als Unterrichtsthema
23.09.2008 - eingestellt in Bücher & Materialien, Familie & Schule, News
Lehrerinnen und Lehrern einen Ausgangspunkt für die Behandlung von Computer- und Videospielen an die Hand zu geben, ist das Ziel dieser DVD, die gratis erhältlich ist. Die Inhalte sind konzipiert für den Schulunterricht ab 15 Jahre, bieten aber darüber hinaus einen Einblick in die Welt und Problemfelder digitaler Spiele.
Von Christian Waldschmidt (spielbar.de)
Das im Auftrag der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien entwickelte Angebot enthält auf zwei DVDs Filme, Texte und Unterrichtsmaterialien sowie Demo-Versionen ausgewählter Spiele. Ziel des Angebotes ist es, Lehrerinnen und Lehrer dabei zu unterstützen, „Schülerinnen und Schüler zu einem kompetenten, reflektierten und sozial verantwortlichen Umgang mit Computer- und Videospielen zu befähigen.”
Einführend wird eine Typologie von Spielen dargestellt: Die gängigsten Genres werden jeweils anhand eines Spiels beschrieben. Welche Fähigkeiten unterschiedliche Arten von Spielen erfordern und welche Emotionen sie hervorrufen, wird hierbei erläutert. Angereichert wird dies mit Hintergrund- und Zusatzinformationen. In „Making-of-Videos” schildern Spieleentwickler den Entstehungsprozess von Computer- und Videospielen und beleuchten auch die kommerzielle Seite. Die Spielerinnen und Spieler werden betrachtet und unterschieden, die soziale Komponente digitaler Spiele wird dargestellt. Die in den Medien kontrovers diskutierten Themenfelder Jugendschutz, „Gewaltspiele” sowie Spielsucht werden ebenso behandelt.
Zu den Themenkomplexen stehen neben ausführlichem Text- und Bildmaterial insgesamt über zwei Stunden Videos zur Verfügung, in welchen Spiele präsentiert, besprochen aber auch die sozialen und kulturellen Einflüsse digitaler Spiele erläutert werden. Dies wird durch eine ausführliche Quellenliste ergänzt, die die Suche nach weiteren Informationen – in digital und Print – erleichtert. Ein Glossar erklärt zentrale Begriffe aus „Gamer-Slang” und Technik.
Zentraler Teil der DVD sind exemplarische Einheiten für die Behandlung von Spielen im Unterricht. Diese umfassen Vorlagen und Materialen, ein beispielhaftes didaktisches Konzept und sind nach Kategorien wie Fach oder Klasse sortierbar. Zusätzlich erlauben die gebotenen Informationen und Quellen die selbstständige Erstellung angepasster Unterrichtseinheiten. Dabei umfassen die möglichen Themen unter anderem die Vermittlung eines grundlegenden Verständnisses von Computerspielen unter technischen als auch ästhetischen und kulturellen Gesichtspunkten, die kritische Analyse von Spielinhalten und -mechanismen sowie Unterrichtseinheiten zur Förderung der Medienkompetenz von Schülerinnenn und Schülern.
Kritisch anzumerken ist, dass die Navigation für PC-Unerfahrene gewöhnungsbedürftig ist und übersichtlicher hätte gestaltet werden können. Auch sind die Bezeichnungen der einzelnen Kapitel nicht immer sofort verständlich. Die Einführungen in das Thema bieten für Nutzerinnen und Nutzer mit Vorkenntnissen kaum Neues. Für solche ohne Vorkenntnisse sind die Beiträge knapp, aber durchaus ausreichend. Die Beiträge zu Spielsucht und „Killerspielen” sind inhaltlich ausgewogen und bieten einen Einblick jenseits von Verharmlosungen oder Horrorszenarien. Lediglich der Beitrag „Game over: Spiele ohne Grenzen” erscheint stellenweise einseitig. Dass die Gefahr von Spielesucht real ist, ist unbestritten. Dennoch wird in diesem Beitrag recht monokausal argumentiert. Persönliche und soziale Probleme, welche Spielerinnen und Spieler in eine „Realitätsflucht” treiben können, werden zwar erwähnt, die Behauptung, dass Spiele gezielt entwickelt werden um Menschen abhängig zu machen, bleibt aber beispielsweise unwidersprochen.
Dass die meisten besprochenen Spiele in einer Demo-Version beiliegen, ist lobenswert, da sie so direkt ausprobiert werden können und nicht erst heruntergeladen werden müssen. Dass hierbei das Genre Action – in den Materialien durch das Spiel „Quake 4″ vertreten – nicht vertreten ist, ist dem Umstand geschuldet, dass von diesem Titel keine Demo-Version der deutschen Fassung erschienen ist.
Fazit
Bei den Meinungen über die besprochenen Titel wäre eine Gegenüberstellung unterschiedlicher Meinungen wünschenswert, das Glossar könnte stellenweise umfangreicher sein. Auch dass praktisch nur ein Experte (Marek Klingelstein, Leiter der Testabteilugn der USK) die Spiele bespricht und analysiert, ist verbesserungswürdig. Als erster Einstieg in den Themenkomplex jedoch ist die DVD empfehlenswert und ermöglicht durch die angegebenen Quellen auch eine tiefere Einarbeitung in die Materie. Alles in allem ist die DVD eine umfassende und gute Materialsammlung, die Lehrkräften eine gute Grundlage für die Behandlung des Themas im Unterricht bietet.
Weiterführende Links


Einführung zu Computerspielen.
Informationen zu Historie, Genres, Faszinationskraft und Jugendmedienschutz. Mit Glossar.
