Berufsfeld Gamesbranche:
„Leidenschaft alleine reicht nicht aus!“
01.09.2008 - eingestellt in Games Convention, Interviews & Umfragen, Mädchen & Computerspiele, News, Spiele & Trends
Die Gamebranche boomt und qualifiziertes Fachpersonal ist äußerst gefragt. Auf der Games Convention gab es eigens ein Forum „GC Job & Career”, wo über Ausbildungs- und Studienangebote informiert und diskutiert wurde. spielbar wollte es genau wissen und hat bei einer Spiele-Entwicklerin nachgefragt.
Im Bereich „GC Job & Career” erhielten Interessierte Informationen aus erster Hand. Universitäten, Fachhochschulen und Akademien präsentierten an den Messeständen ihre Studiengänge und Weiterbildungsangebote. Im Rahmen des Bühnenprogramms wurden Vorträge gehalten und Projekte vorgestellt. Expertinnen und Experten gewährten Einblick in ihre praktische Arbeit. Hauptzielgruppe waren Schülerinnen und Schüler sowie Studierende.
Am Stand der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin (FHTW) trafen wir die Spiele-Entwicklerin Carolin Batke. Sie gründete 2007 die Zampano Studios in Berlin und ist außerdem wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FHTW. Wir haben sie zu ihrer Arbeit und zu den Voraussetzungen für den Berufseinstieg befragt.
spielbar: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht!”. Diesen Satz hört man in der Gamesbranche immer wieder. Wie sind Sie dazu gekommen, Spiele-Entwicklerin zu werden?
Carolin Batke: Wie bei vielen hat auch bei mir der Zufall eine große Rolle gespielt. Eigentlich habe ich Maschinenbau / Veranstaltungstechnik studiert, mich aber schon sehr früh mit Computergrafik beschäftigt, was damals noch ein sehr neues Thema war. Deswegen habe ich bei der Firma Terratools angefangen, deren Arbeit mich damals sehr interessiert hat. Terratools hat neben der Computergrafik als eine der ersten deutschen Firmen auch Computerspiele produziert. Es hat mich völlig fasziniert und ich bin dann auch schnell in die Spiele-Produktion gewechselt. Das ist jetzt ungefähr 13 Jahre her.
spielbar: Was sollte man Ihrer Ansicht nach heutzutage für den Beruf mitbringen? Reicht die Leidenschaft für Games alleine schon aus?
Carolin Batke: Leidenschaft alleine reicht ganz und gar nicht aus. Leidenschaft für das was man tut, hilft einem morgens aus dem Bett zu kommen, sie garantiert aber noch nicht, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die erwartete Qualität zu produzieren, auch nicht in der Gamesbranche.
Die Anforderungen sind sehr unterschiedlich, da es sehr verschiedene Berufsbilder gibt. Eine solide Ausbildung wird aber in allen Bereichen inzwischen vorausgesetzt. Sie sollte Grundlagenwissen und methodisches Arbeiten vermitteln, also ein Niveau haben, das man auch in anderen Branchen erwartet.
spielbar: Von der Idee bis zum fertigen Spiel dauert es oft mehrere Jahre. An der Entwicklung sind große Teams beteiligt. Einzelpersonen haben sich auf oft bestimmte Bereiche spezialisiert. Wie muss man sich da den Arbeitsablauf vorstellen? Bekommt der/die Einzelne überhaupt noch etwas vom Gesamtwerk mit?
Carolin Batke: Zunächst einmal gibt es ganz unterschiedlich große Spieleproduktionen. Die Spannbreite ist in den letzten Jahren deutlich breiter geworden. Auf der einen Seite kann man wieder Spiele mit 2 bis 3 Personen fertigstellen. Auf der anderen Seite sind die Teams der großen Produktionen auf bis zu 400 Leute gewachsen. Meine größte Produktion Paraworld wurde von einem Team von bis zu 50 Mitarbeitern erstellt, das ist noch recht übersichtlich, aber es ist bereits eine sehr organisierte Teamstruktur nötig.
In Zukunft werden sich die Teams noch weiter spezialisieren, so dass sich für jede große Produktion das Team neu zusammenstellt, ähnlich wie bei Filmproduktionen.
spielbar: Die Gamesbranche galt lange Zeit als Männerdomäne. In den vergangen Jahren hat die Industrie Mädchen und Frauen zumindest als Zielgruppe für sich entdeckt. Wie sieht es in der Entwicklung aus? Haben es Frauen dort schwerer als Männer?
Carolin Batke: Nein, im Gegenteil, Frauen und Mädchen sind hochwillkommen. Die meisten Studios versuchen, einen 50%igen Anteil von weiblichen Mitarbeitern zu erreichen, was aber zur Zeit leider noch absolutes Wunschdenken ist.
Das Klischee vom super-coolen Macho-Nerd, der 14 Stunden am Tag vor dem Rechner sitzt und programmiert, Pizza isst und Shooter spielt, ist völlig überholt. Die Arbeitsbedingungen haben sich geändert, genauso wie die Inhalte der Spiele. Es lohnt sich also für Mädchen, in eine Ausbildung für die Gamesbranche zu investieren.
spielbar: Der Markt für Computerspiele boomt und gut ausgebildete Fachkräfte sind gefragt. An der FHTW bieten Sie verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten an. Welche Erfahrungen haben Sie auf der Games Convention gemacht?
Carolin Batke: Mein erfreulichstes Mitbringsel von der Games Convention ist tatsächlich die extrem positive Resonanz auf die Studien- und Weiterbildungsangebote der FHTW, die nicht zuletzt aus dem aktuell deutlich spürbaren Fachkräftemangel resultiert. Mein Engagement bei der FHTW ist ja dadurch entstanden, dass ich dieses Nachwuchs-Problem auch in meinem Studio – den Zampano Studios – habe und in die Offensive gehen wollte. Mich haben die Ideen und Pläne der FHTW sehr überzeugt und deswegen bin ich jetzt hier.
spielbar: Vielen Dank für das Interview!
Weiterführende Links
gameslab der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (FHTW)


Einführung zu Computerspielen.
Informationen zu Historie, Genres, Faszinationskraft und Jugendmedienschutz. Mit Glossar.