Olaf Zimmermann
Computerspiele sind ein Markt für Künstler
13.07.2008 - eingestellt in Fachartikel
Die Spruchpraxis der Bundesprüfstelle zeigt auch, dass Computerspiele im Vergleich zu anderen Medien eher selten indiziert werden. Im Vergleich dazu wird relativ oft Musik indiziert. Hier ist in den letzten Jahren eine starke Zunahme der Indizierung von Hip-Hop-Musik festzustellen, die sicherlich zweifelsfrei auch zur Kunst gezählt werden kann.
Ganz besonders wichtig mit Blick auf die Garantie der Kunstfreiheit ist, dass diese nicht an die Qualität eines Werkes gebunden ist. D.h. die Freiheit der Kunst gilt nicht nur für Werke, die als schön und qualitativ hochwertig gelten, sondern selbstverständlich für alle künstlerischen Werke.
Die immer komplexer werdenden Computerspiele rechtfertigen allemal, dass bei ihnen von Kunst gesprochen wird. Computerspiele wird so auch immer mehr zu einem Markt für Künstlerinnen und Künstler, die u.a. “Drehbücher” oder Musik für Computerspiele schreiben.
Schaden schärfere Jugendmedienschutzgesetze für Computerspiele der deutschen Kulturlandschaft? Umgekehrt: Wie könnte eine Kulturförderung für Computerspiele aussehen?
Im Kulturbereich kann grob unterschieden werden, in die Kultur, die marktvermittelt wird und in jene, die öffentlich gefördert wird. Der Buchmarkt und der Kunstmarkt funktionieren in erster Linie marktvermittelt. Der Theaterbereich und die Museen werden zu einem erheblichen Teil öffentlich gefördert.
Computerspiele werden fast ausschließlich über den Markt vermittelt. D.h. die Entwicklung neuer Spiele muss über den Verkauf der vorhandenen finanziert werden. Die Entwicklung von Spielen wird in der Regel nicht durch die öffentliche Hand gefördert. Ebenso wenig gibt es eine Marktförderung, in dem besonders wertvolle Spiele ausgezeichnet werden und damit einen Vorteil auf dem Markt erhalten. Darin unterscheidet sich der Computerspielemarkt von anderen Kulturmärkten.
Im Filmbereich unterstützen sowohl der Bund als auch die Länder die Entwicklung und Produktion von Filmen. Im Buchbereich werden Auszeichnungen wie z.B. der durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestiftete Jugendliteraturpreis vergeben, um qualitativ hochwertige Bücher besonders hervorzuheben.
Solche Förderungen und Auszeichnungen fehlen im Bereich der Computerspiele bislang, so dass die Unternehmen vor allem jene Spiele auf den Markt bringen, die einen hohen Absatz versprechen. Will man besonders hochwertige, qualitativ anspruchsvolle Spiele haben, so muss auch in diesem Bereich über eine öffentliche Förderung nachgedacht werden.
Eine Verschärfung des Jugendschutzes ist meines Erachtens im Moment nicht vordringlich. Es scheint allerdings Informationsdefizite zu geben, diese gilt es aufzuarbeiten und zusätzlich die bestehenden Jugendschutzbestimmungen auszuschöpfen. Darüber hinaus sollten die qualitätvollen Spiele viel stärker bekannt gemacht werden, so dass insgesamt mehr Markttransparenz entsteht und somit die unzutreffende Gleichung Computerspiel gleich Gewaltspiel durchbrochen wird.
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