Eine kleine Reise durch die alternative Szene der Spieleindustrie

29.05.2008 - eingestellt in Independent Games, News, Spiele & Trends

cload_150.jpg Ihre Namen finden sich auf keinem Werbeplakat: „Flow“, „Cload“, „Aquaria“ oder „Rückblende“ heißen die Stars der Indie-Games-Szene. Auf einer kleinen Reise durch das Internet entdeckt man diese und andere Computerspiel-Schätze.

 

Von Tobias Hübner (Medienistik.de)

Die erste Station führt uns gleich zu einem modernen Klassiker der Indie-Szene: „Flow“. Klicken Sie auf den Link und probieren Sie es gleich einmal aus: http://intihuatani.usc.edu/cloud/flowing/. Flow stammt von der „thatgamecompany“, die 2006 von zwei kalifornischen Studenten gegründet wurde und durch das ebenfalls traumhaft schöne (und kostenlose) Spiel „Cloud“ (http://intihuatani.usc.edu/cloud/game.htm) zunächst in Szenekreisen und später auch weit darüber hinaus berühmt wurde.

Ein etwas ausgefeilteres Spielprinzip steckt hinter „Aquaria“ (PC, Mac in Vorbereitung – Demo erhältlich unter: http://www.bit-blot.com/aquaria/), dem ersten Spiel der Firma Bit Blot. Im Zentrum des Spiels steht (oder besser: schwimmt) Naija, ein weibliches Wasserwesen, das auf der Suche nach seinen Eltern eine wunderschöne, aber auch gefährliche Unterwasserwelt erkundet. Eine Besonderheit des Spiels ist, dass Naijas Spezialfähigkeiten mit Hilfe eines Notensystems ausgeführt werden. Der Spieler hört eine Melodie, die er, um weiterzukommen, an einer bestimmten Stelle „nachsingen“ muss. Überhaupt sorgt vor allem die sehr professionelle akustische Untermalung dafür, dass der Spieler schnell von der entspannten Atmosphäre des Spiels gefangen genommen wird. Unter http://www.bit-blot.com/aquaria/media.html kann man sich ein Video des Spiels ansehen.

Aber Indie-Games bieten mehr als nur originelle Spielprinzipe, die zwar für den Moment ganz nett, aber auch nicht wirklich neu sind. Ein Beispiel dafür ist „Façade“ (http://www.interactivestory.net/), über das die New York Times schrieb: „This is the future of video games.“ Das grafisch schlichte, dafür inhaltlich sehr komplexe Spiel gibt dem Spieler die Möglichkeit, mit Gesten und Worten in einen sehr realistisch wirkenden Konflikt zwischen einem befreundeten Pärchen einzugreifen. Im Laufe der Erzählung erfährt der Spiele immer mehr über die Figuren und ihre Gefühle und die Situation gerät immer mehr außer Kontrolle und in emotionale Abgründe hinein. Je nachdem, wie der Spieler in die Handlung eingreift, verändert sich deren Verlauf. Wie das aussieht, kann man sich hier anschauen: http://youtube.com/watch?v=GmuLV9eMTkg.

Einfach nur schön anzuschauen ist „Rückblende – Flashback“ (Mac/PC http://gutefabrik.com/rueckblende.html). Hierbei handelt es sich um eine Diplomarbeit des Grafikers Nils Deneken. „Rückblende“ ist eine interaktive graphic novel, in der in Rückblenden von den Kindheitserinnerungen eines Mannes erzählt wird. Das „Spiel“ dauert nicht sehr lange, bietet aber eine beeindruckende visuelle Gestaltung, die zeigt, dass Computerspiele auch eine ernstzunehmende Kunstform sein können. Ältere PC-Spieler könnten sich beim Spielen von „Rückblende“ zudem an das grandiose Knet-Adventure „Neverhood“ von 1996 erinnert fühlen.

de-blob_150.jpg Indie-Games sind aber immer auch ein Stück Rebellion – Rebellion gegen die Material- und Budget-Schlachten der großen Spielefirmen, die sich gegenseitig mit dem noch realistischeren Rennspiel oder dem noch blutigeren Ego-Shooter übertreffen wollen. Ein schönes Beispiel hierfür ist das anarchische „De Blob“ (PC – http://binnenstad.hku.nl/), ein Projekt von Studenten der Hogeschool voor de Kunsten Utrecht und der Universiteit Utrecht, in dem der Spieler einen großen Farbklops mit der Maus kontrolliert und mit ihm durch ein zunächst noch graues Utrecht rollt. Die Kugel kann dabei seine Farbe ändern, indem sie über einen der bunten Passanten rollt und ihn so „absorbiert“. Jedes berührte Gebäude ändert seine Farbe, wodurch die zuerst graue Stadt bald wie eine Smarties-Packung aussieht. Das Ziel besteht darin, zentrale Gebäude in der richtigen Farbe „anzustreichen“. Ein Video, das das Spielprinzip anschaulich wiedergibt, findet sich unter: http://www.fun-motion.com/physics-games/de-blob/.

Einige der vielversprechendsten Titel der Indiegames-Szene sind jedoch noch gar nicht erschienen. Allen voran ist hier das viel versprechende „World of Goo“ (http://2dboy.com/games.php) zu nennen, das sich zu einem echten Hit entwickeln könnte, zumal es neben PC und Mac auch für das Nintendo Wii erscheinen wird. Ebenfalls sehnsüchtig von der Indie-Games-Community erwartet wird „Crayon Physics Deluxe“, dessen Bedienung so einfach ist wie die von Stift und Papier. Neugierig? Dann am besten sofort das Video anschauen unter: http://www.kloonigames.com/crayon/. Ein echtes Schmankerl verspricht auch „The Missadventures of P. B. Winterbottom“, ein Jump`n`Run in der Aufmachung eines Stummfilms, zu werden. Unter http://www.winterbottomgame.com/game/ gibt es ein kurzes Video mit ein paar Spielszenen zu sehen.

Es wird sich zeigen, ob die fertigen Spiele dem hohen Erwartungsdruck standhalten werden. Dem Ansehen der Computerspiel-Szene ist die Independent-Games-Bewegung so oder so förderlich, denn jenseits von globalen Marketinginteressen kann das Medium Computerspiel vielleicht gerade in den kleinen und risikofreudigen Programmierschmieden der Independent-Szene sein volles Potential entwickeln.

Weiterführende Links

50 kostenlose Spiele (gesammelt vom GEE-Magazin – die Links befinden sich etwas weiter unten auf der Seite)

Ein Blog, der über Neuigkeiten aus der Indiegames-Szene berichtet

Eine Auswahl der hundert besten Indiegames (gametunnel.com)

4 Kommentare zu “Eine kleine Reise durch die alternative Szene der Spieleindustrie”

  1. spielbar.de - de Blob schreibt:

    […] Eine kleine Reise durch die alternative Szene der Spieleindustrie […]

  2. Die besten Indie-Games des Jahres schreibt:

    […] eine kleine Reise durch die alternative Szene der Spieleindustrie […]

  3. Glanzstücke der Indieszene schreibt:

    […] Eine kleine Reise durch die alternative Szene der Spieleindustrie […]

  4. 0350 /// Clash of Realities 2012: Schokolade oder Broccoli – Wie verpackt man Serious Games? – Next Level Conference schreibt:

    […] von aktuellen Projekten des USC Game Innovation Lab, das unter anderem schon mit Spielen wie flOw, Cloud oder Darfur is Dying bekannt geworden ist, stellte sie den Prozess bei der Entwicklung […]

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