Genius – Im Zentrum der Macht

17.12.2007 - eingestellt in Serious Games, Spielebeurteilungen

Falsche oder moralisch fragwürdige Entscheidungen, wie z. B. Bestechungsversuche oder Lügen in Interviews, bestraft das Spiel mit direkten Hinweisen und einer Abnahme der Zustimmung durch die Bürger. Es ist also nicht möglich, das Spiel auf diesem Wege erfolgreich zu absolvieren. Dass diese Themen jedoch benannt werden, macht es möglich, sie auch in einer Unterrichtseinheit zu behandeln.

genius-2_small.jpgDas Spiel soll einen möglichst optimistischen Blick auf die Demokratie werfen und stellt deshalb auch nur wirklich demokratische Werkzeuge zum Erreichen der politischen Ziele zur Verfügung. Den Jugendlichen fiel im Laufe des Tests schnell auf, dass ihnen durch das Spiel politisches Wissen vermittelt werden soll. Schrecken solche aufgezwungenen Lerninhalte sonst, wie eingangs erwähnt, Jugendliche eher ab, gelingt es hier durch die gute Präsentation und die fesselnden Managementanteile, dass diese bereit sind, sich intensiv mit dem Spiel auseinander zu setzen.

Es war zu beobachten, dass trotz aller auftretenden Probleme alle Schüler mit viel Spaß bei der Sache waren und motiviert versuchten die anstehenden Aufgaben zu meistern. Viele lehrreiche Inhalte sind so geschickt mit dem Spiel verknüpft, dass den Testern der Lernansatz hauptsächlich bei auffälligen Passagen, wie z. B. dem Entwerfen von Plakaten, auffiel. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen wird hier also nicht mit der „Lernkeule” gearbeitet, sondern die lehrreichen Inhalte sind dezent in das Spiel eingearbeitet. Diese sinnvolle Balance unterscheidet „Genius – Im Zentrum der Macht” positiv von anderen Serious Games.

Ob dieses Spiel bildungsfernen Jugendlichen den Zugang zu den thematisierten Inhalten vermittelt, muss jedoch in Frage gestellt werden. Gerade diese Jugendlichen waren in unseren Testgruppen und Veranstaltungen nur schwer dazu zu bewegen, sich mit dem Spiel zu beschäftigen. Darüber hinaus fehlte ihnen oft das grundlegende Verständnis für politische Zusammenhänge, ohne das viele Aufgaben nur schwer zu bewältigen sind. Viele Begriffe, wie Bauausschuss oder Haushalt, werden vom Spiel nicht erklärt. Das Spiel richtet sich hierdurch automatisch an solche Jugendliche, die bereits ein grundlegendes Verständnis für Politik mitbringen.

„Genius – Im Zentrum der Macht” eignet sich für den Einsatz in der Schule nur bedingt, da die einzelnen Abschnitte nur schwer in einer Schulstunde zu absolvieren sind. Das gesamte Spiel hat einen Umfang von mehreren Stunden, so dass das Spielziel der Kanzlerkandidatur in einer Unterrichtseinheit wahrscheinlich nicht erreicht werden kann. Als Ergänzung zum Schulunterricht eignet sich das Programm aber durchaus, sofern die vermittelten Inhalte unter pädagogischer Anleitung entsprechend thematisiert werden. Denkbar wäre beispielsweise, dass Schüler unterstützendes Lehrmaterial für die Heimarbeit zur Verfügung gestellt bekommen, um ein grundlegendes Verständnis über kommunale politische Entscheidungen und die Grundlagen städteplanerischen Vorgehens zu vermitteln.


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6 Kommentare zu “Genius – Im Zentrum der Macht”

  1. Torben Kohring (Spieleratgeber NRW) schreibt:

    “Genius – Im Zentrum der Macht“ schafft eine gelungene Verbindung von Unterhaltung und einem lehrreichen Thema. Politische Zusammenhänge werden geschickt mit der spielerischen Ebene verbunden, ohne den Spieler dabei zu langweilen. Aufgrund der Komplexität des Spiels und dem vorausgesetzten politischen Wissen eignet sich das Spiel für Kinder ab einem Alter von 12 Jahren. Jüngere Kinder können das Spiel bedenkenlos spielen, werden es aber wahrscheinlich nicht verstehen. Ein Einsatz im Schulunterricht ist unter bestimmten o. g. Bedingungen denkbar.

  2. Frank schreibt:

    Dieses Spiel ist inkompatibel zur Hardware der Zielgruppe. Die Anforderungen an die Grafikkarte sind derart hoch, dass das Spiel selbst auf neuen Office-Computern nicht läuft. Spielbar ist das Spiel nur auf Gamer- Computern. Für Eltern, die ihren Kindern vernünftige Software anbieten woll(t)en, ist dieses Spiel eine maßlose Enttäuschung. Ob echte “Gamer” sich solche Software reinziehen bezweifle ich energisch. Zusammenfassung: für Normalos nicht spielbar, es sei denn man kauft sich eine neue Grafikkarte

  3. Tobias Miller (Redaktion spielbar.de) schreibt:

    Die Entwickler von “Genius – Im Zentrum der Macht” legten offensichtlich besonderen Wert auf eine wirklichkeitsnahe Grafik, da diese den (anspruchsvollen) Sehgewohnheiten der jugendlichen Zielgruppe gerecht wird.
    (siehe dazu den Beitrag “Auf ins Kanzleramt!” unter
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/ewelten/710178/)

  4. Tobias Miller (Redaktion spielbar.de) schreibt:

    “Genius – Im Zentrum der Macht” kann seit Januar 2008 gegen eine Bereitstellungspauschale direkt bei der Bundeszentrale für politische Bilduing bestellt werden.

    Alle Informationen dazu finden sich hier
    http://www.bpb.de/publikationen/BB1X9Q,0,0,Genius_Im_Zentrum_der_Macht.html

  5. spielbar.de - Comenius-Auszeichnungen 2008 schreibt:

    [...] Preisträger dagegen selten. Eine der wenigen Ausnahmen ist „Genius – Im Zentrum Macht” (» Spielbesprechung). Das von der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelte Serious Game erhielt sowohl das [...]

  6. Tim schreibt:

    Das Spiel ist für mich eine masslose Enttäuschung, da es wie schon gesagt auf einfachen Rechnern nicht läuft und auch mit den anderen Geniusspielen nicht mithalten kann.

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